Investoren
David gegen Goliath

Immer mehr mittelständische Betriebe müssen sich gegen unliebsame, aber finanzstarke Investoren zur Wehr setzen, die ihr Stimmrecht aus Unternehmensanteilen aktiv einsetzen. Weil es keinen absoluten Schutz gegen Aktionärsaktivisten gibt, muss sich das Management mit Notfallplänen wappnen.

KÖLN. In Oldenburg ist der Machtkampf vorerst entschieden. Der dort ansässige Fotoentwickler Cewe Color hatte die US-Hedge-Fonds Mar-Cap und K Capital Partners im Haus, die 2007 im Konzert mit dem amerikanischen Großanleger Guy Wyser-Pratte den Führungswechsel bei dem mittelständischen Unternehmen erzwingen wollten. Die angelsächsischen Investoren waren 2006 überraschend bei Cewe Color eingestiegen und wurden Anfang 2007 aktiv, weil der Aktienkurs ihnen nicht schnell genug stieg.

Ende Januar 2007 flatterten dem Vorstand die ersten Briefe der Investoren ins Haus, in dem die Aktivisten eine kreditfinanzierte Sonderdividende von 120 Millionen Euro und die Neubesetzung der Unternehmensspitze fordern. Der Plan scheiterte aber auf der Hauptversammlung im April 2007 am Widerstand der Kleinaktionäre. Cewe-Vorstand Rolf Hollander hatte sie im öffentlich ausgetragenen Kampf geschickt auf seine Seite gezogen.

Der Oldenburger Mittelständer ist längst nicht der einzige Betrieb hierzulande, der sich dem Druck aggressiver Investoren ausgesetzt fühlt. Das Schreckgespenst der Heuschrecken, jener aktiven Aktionäre, deren einziges Ziel die Maximierung ihres eigenen Gewinns ist, geht im deutschen Mittelstand um. „Die börsennotierten mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind massiv vom Aktionärsaktivismus betroffen“ , sagt Matthias Heisse, Anwalt und Partner von Heisse Kursawe Eversheds. Die Kanzlei hat gemeinsam mit Cewe Color die Abwehrschlacht gegen die US-Heuschrecken ausgetüftelt und gewonnen. Hier weiß man aus eigener Erfahrung, dass der Mittelstand ein beliebtes Ziel für aktive Investoren ist: „Durch die momentan niedrigen Aktienkurse ist der Einstiegszeitpunkt günstig“, sagt der Jurist, „Zudem gibt es in vielen Firmen durch die Wirtschaftskrise erheblichen Veränderungsbedarf.“ Anstehende Restrukturierungen und Entscheidungen seien ein willkommener Hebel für Aktionärsaktivisten, um Druck auf das Management auszuüben.

Seite 1:

David gegen Goliath

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%