
LOMÉ. Die Rückkehr der Geldinstitute weckt große Hoffnungen. Investoren und Partnerschaften werden gesucht. Straßenbau, Strom- und Wasserversorgung sowie Abwasserbehandlung bieten Geschäftsmöglichkeiten auch für deutsche KMU. Nachdem sich die internationalen Geldgeber vor über 15 Jahren aus politischen Gründen aus Togo zurückgezogen haben, ging es mit der Wirtschaft des Landes steil bergab. Deshalb besteht ein riesiger Nachholbedarf auf jedem Gebiet, betonen Experten.
Togo müsse jedoch die nötigen Voraussetzungen schaffen, um Investoren ins Land zu locken. Dies sei aber nur möglich, wenn Schlüsselsektoren wie Infrastruktur und Telekommunikation (IT) auf Vordermann gebracht werden. So seien die Preise für IT-Dienstleistungen viel zu hoch, da keine Konkurrenz herrscht.
Wichtige Infrastrukturen wie Straßen, Elektrizitätserzeugung, Trinkwasserversorgung, Abwasseraufbereitung, Kläranlagen und Kanalisation sind entweder nicht oder nicht ausreichend vorhanden beziehungsweise in einem vernachlässigten oder schlechten Zustand, erklärte Projektleiter Timm G. Sander des Ingenieurbüro Inros Lackner AG in Lomé gegenüber Germany Trade & Invest. Hier sei der Nachholbedarf am größten und dementsprechend gut die Geschäftschancen auch für deutsche Unternehmen. Das Bremer Ingenieurunternehmen sieht besonders im Straßenbau lukrative Chancen für deutsche Straßenbaufirmen.
Die Franzosen beispielsweise kommen bereits wieder. Da die verhältnismäßig kleinen Projekte in dem kleinen Land bei den großen deutschen Bauunternehmen kein Interesse zu finden scheinen, seien die Möglichkeiten gerade für KMU lukrativ. Auslandserfahrungen sind jedoch von größter Bedeutung. Man sollte sich mit einem in Togo ansässigen Unternehmen oder Agenten zusammentun. Auch französische Sprachkenntnisse seien unerlässlich. Aber die KMUs müssen natürlich selbst die entsprechenden Ausschreibungen verfolgen, die meist von Gebern wie der Weltbank oder afrikanischen Entwicklungsbanken kommen.
Die ohnehin nicht ausreichende Straßeninfrastruktur ist in einem maroden Zustand. Es fehlen vor allem Brücken. Die meisten vorhandenen Brücken sind mehr als 30 bis 50 Jahre alt, zu kurz, zu schmal und schlecht gegründet. Sie müssen dringend erneuert und den modernen Transportanforderungen angepasst werden. Infolge großer Überschwemmungen im Sommer 2008 wurden darüber hinaus zahlreiche Brücken zerstört oder stark beschädigt. Einige werden bereits mit chinesischer Finanzierung erneuert.
Auch das Prestigeprojekt einer vierspurigen Küstenstraße von der Grenze zu Ghana bis zur Grenze nach Benin bietet noch Geschäftschancen. Der erste Abschnitt wird gegenwärtig von der französischen COLAS gebaut mit Finanzierung durch die Westafrikanische Entwicklungsbank (BOAD) und die Afrikanische Entwicklungsbank (BAD). Der zweite Abschnitt ist bereits ausgeschrieben. Mit der Ausschreibung des dritten wird Anfang 2010 gerechnet.
Um diese Küstenstraße vom Verkehr des Hafens Lomé zu entlasten sind zusätzliche Investitionen im Hafenbereich notwendig. Vorgesehen ist eine vier km lange Hochstraße, die die Küstenstraße überquert. Dieses Projekt ist noch nicht ausgeschrieben. Die Chinesen haben aber bereits Interesse angemeldet. Chinesische Unternehmen sind stark daran interessiert, in Togo Fuß zu fassen, auch am Bau des neuen Containerhafens, so der Vertreter des deutschen Ingenieurbüros.
Togo verfügt über den Tiefseehafen mit der größten Wassertiefe (zwölf bis 14 m) an der westafrikanischen Küste. Er soll ausgebaut werden. Zwei große Projekte sind in der Pipeline. Ein neuer Hub-Hafen für Container mit einer Kailänge von zwei km ist bereits in der Planungsphase. Er soll eine Umschlagskapazität von 1,5 Mio. Containern im Jahr haben. Die Wassertiefe wird auf 16,60m erhöht. Darüber hinaus ist eine Erweiterung der bestehenden Kai-Anlagen (500 m Länge) und der Lagerflächen für Container (800.000 Container im Jahr) im Gespräch.
Gegenwärtig schlägt der autonome Hafen Lomé knapp 300.000 Container pro Jahr um. In den kommenden fünf bis sechs Jahren sollen es 2,6 Mio. Container sein. Im Ergebnis dieser Erweiterungsmaßnahmen wird sich der Hafen von Lomé der Welt mehr öffnen und sehr konkurrenzfähig werden, so Sander. Dafür seien aber auch neue beziehungsweise erneuerte Straßen nötig, die bis in die Nachbarländer Burkina Faso, Niger, Mali und zum Teil auch Ghana und Benin führen.
Kein Druck, unzureichende Mengen und alte Anlagen kennzeichnen die Lage in der Wasserversorgung. Es bestehen nur Finanzierungen für kurzfristige Verbesserungen. Deshalb hat sich beispielsweise der Hafen Lomé entschlossen, auch in dieser Hinsicht autonom zu werden. Er will eigene Tiefbohrungen durchführen und einen eigenen Wasserturm zur Versorgung des Hafengebietes und der Schiffe sowie zur Brandbekämpfung errichten.
Lomé hat laut Sander auch große Schwierigkeiten mit der Abführung von Regenwasser. Das führt häufig zu Überschwemmungen. Die Hauptstadt ist nun dabei, ihre Lagune als natürliches Rückhaltebecken zu sanieren. Es besteht in Togo kein richtiges Entwässerungsnetz. Alles sei nur Flickwerk, es fehle ein Gesamtkonzept und natürlich - wie in anderen Bereichen auch - die Finanzierung. Abwassernetze beziehungsweise Kläranlagen sind ebenfalls nicht vorhanden. Klärgruben existieren nur - wenn überhaupt - in einzelnen Häusern. Gerade auf diesem Gebiet gibt es viel zu tun. Solche Projekte haben jedoch einen großen Nachteil. Sie befinden sich unsichtbar unter der Erde. Aber Kreditgeber möchten gern etwas Vorzeigbares präsentieren. Die Geber müssten dafür noch sensibilisiert werden.
Die Stromversorgung lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Die nicht ausreichende Kraftwerkskapazität soll mit internationaler Unterstützung erweitert werden, vorläufig auch zum Teil mit Hilfe von Schweröl. Die Umstellung auf Gas ist möglich. Ein Kraftwerk wird entsprechend ausgebaut. Neue Motoren und Generatoren werden eingebaut. Eine Gaspipline von Nigeria in die Nachbarländer Benin, Togo und Ghana soll zur Lösung der dortigen Energiekrisen beitragen. Bis Mitte 2010 soll die Abhängigkeit von Ghana verringert werden.