Investoren Thelen und Steiner
„Es wurden auch mal die Krallen ausgefahren“

Vier Fragen an zwei Investoren aus der Höhle der Löwen: Frank Thelen und Lencke Steiner kämpften auf Vox um Deals. Welche „unvorstellbaren Erfolge“ Thelen sieht – und warum FDP-Politikerin Steiner aussteigt.

Am Dienstag wird die vorerst letzte Sendung der Höhle der Löwen ausgestrahlt. Was war besser als bei der ersten Staffel?
Lencke Steiner: Die Gründer haben viel aus der ersten Staffel gelernt. Die Pitches waren besser vorbereitet, die Gründer wussten genau, worauf sie sich einlassen und worauf es ankommt. Es gab lustigerweise einige Keywords, wie „skalierbar“ die unsere Gründer perfekt gelernt und eingebaut haben, um Ihre Chance auf ein Investment zu erhöhen.
Frank Thelen: Die Gründer und Produkte haben in der zweiten Staffel deutlich an Qualität gewonnen. Wir hatten neue Technologien wie Drohnen, unglaublich smarte Gründer wie die beiden jungen Mathematikerbrüder Nitsche, die Math42 entwickelt haben und hoch skalierbare Produkte wie Little Lunch*. Was mir sehr wichtig ist: #dhdl schreibt echte Erfolge. Wir haben mittlerweile für weit über eine Million Euro Little Lunch Suppen verkauft. Das ist ein unvorstellbarer Erfolg. Der Accessoires-Anbieter Von Floerke hat eine eigene Show auf dem Teleshoppingsender HSE und eröffnet eine Filiale in Wien. Meine Spielzeugkiste hat zwei Millionen Euro Kapital eingesammelt und ist eines der am schnellsten wachsenden Abo-Start-ups in Europa. Wir schaffen Arbeitsplätze.

Dennoch hatten auch viele Gründer, die sich in der zweiten Staffel präsentierten, unrealistische Bewertungen für ihre Geschäfte mitgebracht. Das war doch auch den Zuschauern schnell klar...
Thelen: Die Forderungen der Gründer waren auch in der zweiten Staffel teilweise unrealistisch und haben auch Deals verhindert. Bei viele Gründern waren sie aber „marktgerecht“. Und ich denke mit der Bekanntheit des Formats wird dies noch besser werden.

Steiner: Viele Gründer sehen ihr Potential und die Marktgröße als Indikator für die Bewertung. Aber nur, weil es 80 Millionen Deutsche gibt, die alle Hosen tragen, habe ich nicht die Garantie, dass auch alle mein Hosenmodell kaufen werden. Ich glaube Facebook und WhatsApp sind die Vorbilder, die mit enormen Bewertungsgrößen locken. Viele Gründer wissen um die unglaublichen Deals und haben immer im Hinterkopf, dass auch die einst in der Garage angefangen haben. Dadurch verstärkt sich das Phänomen zusätzlich.

In den Sendungen der zweiten Staffel rauften die Löwen auch mal, war das beabsichtigt, um mehr Spannung reinzubringen?
Thelen: Ich kann für meine Person garantieren: Nichts ist von Sony/Vox gepusht oder sogar gescriptet. Ich sitze dort 100 Prozent frei als Frank Thelen und keiner drückt mich in eine Rolle. Das in der zweiten Staffel mehr „Dynamik“ zwischen den Löwen entstanden ist, liegt daran, dass wir uns besser kennen und einschätzen können. In der ersten Staffel waren alle sehr vorsichtig, in der zweiten wurde schon teilweise progressiv um Deals gekämpft. So ist es im echten Geschäftsleben auch und mir gefällt diese Entwicklung.
Steiner: Wir mussten uns auch einspielen. In der ersten Staffel waren wir gefühlt nicht so offensiv. In dieser Staffel wurden dann schon einmal die Krallen ausgefahren, wenn der Deal vor der Nase weggeschnappt werden sollte.

Insgesamt steigt die Zahl der interessanten Gründungen zurzeit wieder deutlich, es erinnert an den Boom vor der Dotcom-Blase. Ist es diesmal nachhaltig?
Thelen: Wir haben die richtige Dynamik: junge Gründer, Unternehmen die Start-ups fördern, neue Venture Fonds und viel positive Presse. Wir sind auf dem Weg, aber wir sind noch weit vom Silicon Valley entfernt. Generell gefällt mir der Trend sehr gut und Deutschland hat eine Chance, wieder zu einem Gründerland zu werden.

Werden Sie auch bei der geplanten dritten Staffel 2016 dabei sein?
Thelen: ich freue mich, dass es eine dritte Staffel geben wird, noch ist offen, ob ich dabei sein werde.
Steiner: Für mich waren die ersten zwei Staffeln wirklich sehr besonders und ich durfte viele Menschen mit enormem Unternehmerspirit, wahnsinniger Ausstrahlung und tollen Ideen kennenlernen. Für mich wird das die letzte Staffel gewesen sein. Ich werde mich jetzt auf das Unternehmen, Think Tanks und die Politik konzentrieren.

(*biologisch erzeugte Suppen im Glas, Anm. der Redaktion)

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