Irak
Die gefährlichen Geschäfte der Deutschen

Im Krisenland Irak ist durchaus Geld zu machen – man muss nur wissen wie. Auch deutsche Firmen gehören zu den Auftragsgewinnern, reden aber nicht gern über ihre Geschäfte im Bürgerkriegsgebiet. Dabei reicht die Palette an benötigten Fachkräften vom Personenschützer bis hin zum Ingenieur – und nicht zuletzt lockt Unternehmen das schwarze Gold.

AMMAN. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Das wusste nicht nur der Marxist Lenin. Auch Iraks Innenminister lebt nach diesem Leitsatz des Altrevolutionärs: Er vertraut den amerikanischen Soldaten in seiner geschundenen Heimat nicht und irakischen Sicherheitskräften, deren Hauptlebenserwerb oftmals Entführungen, Erpressungen und Menschenhandel sind, erst recht nicht. Jawad al Bulani lässt deshalb sein Ministerium und jeden seiner Schritte und Tritte von schwer bewaffneten Personenschützern einer privaten deutschen Sicherheitsfirma bewachen.

Auf diese Strategie ist der Herr über die irakische Polizei – wie auch der ebenfalls von deutschen Personenschützern bewachte Ressortkollege für Finanzen – stolz: Während aus anderen Ämtern schon ganze Belegschaften von bewaffneten Banden gekidnappt wurden, sei ihren Mitarbeitern noch kein Haar gekrümmt worden, sagt Jawad al Bulani – zumindest nicht innerhalb der Ministeriumsmauern.

Ansonsten ist das Entführungs-Business aber eines der wenigen florierenden Geschäftsmodelle zwischen Euphrat und Tigris. „Es ist schon ein guter Tag, wenn wegen Drohungen, Entführungsängsten oder angesichts immer wieder für Razzien abgesperrter ganzer Stadtteile 85 Prozent meiner Angestellten ihren Dienst antreten“, sagt der Bagdader Banker Kamil al Gailani. Er selbst, früher schon einmal Finanzminister seines Landes gleich nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein, hat nach mehrfachen Entführungsdrohungen mittlerweile den Irak verlassen und lenkt seine National Bank of Iraq inzwischen vom benachbarten Jordanien aus.

Denn Geschäfte in einem besetzten und von einem innerislamischen Bürgerkrieg zerrissenen Land zu machen ist lebensbedrohlich. Fast jeder Zehnte der 29 Millionen Iraker – gleich ob Sunnit, Schiit, Kurde oder Christ – ist bereits geflohen, gen Syrien, Jordanien oder die Türkei. Doch es gibt auch Nischen, insbesondere deutsche Firmen haben sie entdeckt – aber offen reden tun sie nur ungern darüber.

Arndt Fritsche hat im Irak „momentan eine Goldgräberstimmung“ ausgemacht. „Im Irak erfolgreich zu sein ist nicht schwer, man muss nur wissen wie“, verspricht Fritsche sogar. Und dazu gehöre in erster Linie „eine klar ausgearbeitete Strategie, und dass man es nicht allein auf eigene Faust macht“, empfiehlt er sein Berliner „Rebuild Iraq Recruitment Program“ (RIRP), eine nicht allzu bekannte Privatinitiative der deutschen Industrie mit Exportinteressen im Irak.

Etwa 100 Deutsche leben noch immer im Irak, ist im Auswärtigen Amt zu erfahren. Deutsche Industrie-Experten halten das für bewusst untertrieben: „100? Allein 100 Ingenieure sind regelmäßig im Irak! Aber offiziell sind wir natürlich nicht da“, sagt einer, der nicht namentlich genannt werden will. 170 deutsche Projekte – von Kraftwerksbauten über die Wiederherstellung von Wasserleitungen bis hin zu anderen Infrastrukturprojekten – verfolgen Firmen aus Flensburg bis Füssen im Irak. Das sei ja auch logisch, sagt der Mann: Schließlich seien weite Teile der irakischen Infrastruktur deutsch, ob Deutz-Diesel oder Siemens-Anlagen, die den Strom für die Ölfelder in der Wüste produzierten. Kraftwerksbauten in dreistelliger Millionenauftragshöhe würden sogar im Norden des Iraks, im vermeintlich sicheren Kurdengebiet, abgewickelt. Genaueres? Details? „Namen tun hier nichts zur Sache“, ist immer wieder von deutschen Firmenvertretern zu hören – auch aus Gründen des Schutzes für ihre deutschen und irakischen Mitarbeiter im Land.

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