Irisches Investitionsprogramm
Keltischer Tiger vor neuem Sprung

Nach Jahren rasanten Wachstums will die irische Regierung mit einem massiven Investitionsprogramm die marode Infrastruktur in Schuss bringen. Fast 200 Milliarden Euro stehen dafür zur Verfügung. Ökonomen befürchten jedoch, dass der Ausgabenschub den Bausektor aufbläht und die Inflation anheizt.

DUBLIN. Die irische Wirtschaft hat im vergangenen Jahr mit einer Wachstumsrate von sechs Prozent den höchsten Wert seit 2002 erreicht. Dazu trugen zweistellig steigende Exporte von Dienstleistungen einschließlich Software bei, die schrumpfende Güterexporte mehr als kompensierten. Der private Konsum wuchs im gleichen Tempo wie die gesamte Wirtschaft. Er macht inzwischen die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus.

Trotz dieser Erfolgsdaten breitet sich allerdings in der irischen Industrie ein gewisses Unbehagen aus. Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes hat im internationalen Vergleich unter den um rund fünf Prozent im Jahr steigenden Löhnen gelitten. „Wir sind heute ein Hochkostenland“, sagt etwa John Foley, Chef des traditionsreichen Kristallglasherstellers Waterford Crystal, der soeben ein Werk mit 380 Beschäftigten geschlossen hat. Auch einige ausländische Investoren, die von niedrigen Steuersätzen ins Land gelockt wurden, haben ihre Fabriken inzwischen wieder dicht gemacht. „Im Kostenwettbewerb mit Indien oder Osteuropa haben wir keine Chance“, sagt auch Patrick Coveney, Finanzchef des Lebensmittelherstellers Greencore.

Doch Finanzminister Cowen sieht das, wie viele Ökonomen, als Zeichen eines Strukturwandels, wie ihn auch andere Länder Westeuropas durchmachen: „Ja, die Löhne sind gestiegen. Aber das ist doch der Sinn des ökonomischen Fortschritts.“ Die steigende Kaufkraft der Iren, unterstützt durch niedrige Einkommensteuern, kurbele die heimische Nachfrage an. „Wir wandeln uns von einer exportgetriebenen Wirtschaft in eine, die mehr vom heimischen Konsum getragen wird“, sagt Cowen. Die Arbeitsplatzverluste in der Industrie müsse man als Ausdruck des Wandels zur Dienstleistungsgesellschaft sehen.

In der Tat erzeugen die Sektoren Bau und Dienstleistungen derzeit so viele neue Arbeitsplätze, dass Immigration nötig wurde, um sie zu besetzen. Mit gut vier Prozent Arbeitslosenquote herrscht in Irland de facto Vollbeschäftigung. Im vergangenen Jahr seien zwar rund 24 000 Industriejobs verloren gegangen, dafür seien aber an die 110 000 neue Stellen geschaffen worden, rechnet Dan McLaughlin, Chefökonom der Bank of Ireland vor.

Seite 1:

Keltischer Tiger vor neuem Sprung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%