Islamic Finance
Schariakonforme Policen für Muslime auf dem Vormarsch

Wein, Götzenbilder und Glücksspiel – der Koran verteufelt diese Laster als „Werke des Satans“. Wegen der einschlägigen Sure sind auch herkömmliche Versicherungen nicht unproblematisch. Einen Ausweg bieten schariakonforme Policen.

KÖLN. Glücksspiel basiert auf dem Prinzip der Unwägbarkeit. Ob ein Mitspieler seinen Einsatz verliert oder aber dazugewinnt, hängt von äußeren Umständen ab. Beeinflussen kann diese niemand. Die Parallele zu einem modernen Versicherungsvertrag liegt teilweise auf der Hand – auch hier weiß der Versicherungsnehmer nicht, ob sich sein Einsatz am Ende lohnen wird. Denn wenn der Versicherungsfall nicht eintritt, dann hat er „umsonst“ eingezahlt.

Westliche Ökonomen halten dagegen, dass der Versicherungsnehmer für sein Geld das Wirtschaftsgut „Sicherheit“ erhält. Traditionelle islamische Juristen sehen das jedoch anders: Für sie bedeutet das Glücksspielverbot ein Verbot all der Abmachungen, in denen sich eine Partei zur Leistung verpflichtet, ohne zu wissen, ob die andere Partei jemals leisten muss („gharar“). Denn darin liege die verallgemeinerungsfähige Essenz des Glücksspielverbots.

Neben dem „gharar“-Verbot kommt das Wucherverbot ins Spiel. Bleibt der Versicherungsfall aus, zahlt der Versicherungsnehmer, ohne jemals einen Cent von seinem „Einsatz“ wiederzusehen. Tritt der Versicherungsfall ein, bekommt er oft mehr zurück, als er zuvor eingezahlt hat. Namhafte Korangelehrte sprechen deshalb in beiden Fällen von Wucher. Diesen verbietet die zweite Sure. Nicht zuletzt deshalb steht das islamische Recht, die Scharia, Versicherungsverträgen mit großer Skepsis gegenüber.

In fast allen islamisch geprägten Ländern gibt es dem deutschen Recht vergleichbare Versicherungsverträge. Ein Großteil der arabischen Staaten hat diesen Vertragstypus in ihren Zivilgesetzbüchern geregelt. Wer jedoch religiöse Skrupel hat, dem bietet das islamische Recht alternative Möglichkeiten zur Absicherung. Bei einem „takaful“ etwa schließen sich mehrere Personen zu einer Genossenschaft zusammen. Das ist eine Art gemeinsamer Solidaritätsfonds, aus dem Versicherungsleistungen bezahlt werden.

Diese Form des „Islamic Finance“ öffnet die Tür zu einem gewaltigen und deutlich unterversorgten Versicherungsmarkt mit knapp 1,5 Milliarden Muslimen weltweit. So betrug die Wachstumsrate von schariakonformen Versicherungen 2005 satte 28 Prozent. Das geht aus einer Studie der Allianz Group Asia Pacific hervor. Noch liege der Marktanteil weltweit bei einem Prozent. Bis zum Jahr 2020 soll er auf 20 Prozent wachsen.

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