IT-Genossenschaften
Auf Partnerschaft programmiert

Denic ist wohl die bekannteste Genossenschaft im IT-Sektor, doch auch andere Unternehmen der Branche haben sich bewusst für die stabile Rechtsform entschieden. Die einen, um ihren Kunden umfangreichere Lösungen anbieten zu können, die anderen, um ihre Verhandlungsposition zu stärken.

KÖLN. Sie nennen sich „Die Finder“ – und sie lieben Ordnung. Genauer: „Wissen in Form von Mails oder Dateien strukturiert abzulegen – das ist unser Geschäft“, sagt Andreas Rohr, einer der Vorstände der jungen Genossenschaft mit Sitz in Frankfurt an der Oder. Oft ist die Aufgabe knifflig, das Know-how ihrer Kunden zu strukturieren. Die Finder entwickeln passende Lösungen für die Daten-Organisation bei Kunden, die von verschiedenen Standorten aus agieren. Dabei müssen die Systeme auch berücksichtigen, dass nicht alle Mitarbeiter die gleichen Zugriffsrechte auf die gesammelten Informationen haben. Eine weitere wichtige Frage: Was passiert, wenn ein Beschäftigter das Unternehmen verlässt? Was muss geschehen, dass sein Know-how für die Firma nicht verloren geht.

Software soll hier helfen. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Jens Oldenburg war Andreas Rohr schon einige Jahre als freiberufliches IT-Berater-Team tätig. „Eigentlich bin ich mit Leib und Seele Freiberufler“, sagt Rohr.

Dass die beiden sich zur Gründung einer Genossenschaft entschlossen haben, sei eine pragmatische Entscheidung gewesen: „Bei IT-Projekten werden häufig Experten aus unterschiedlichen Bereichen benötigt“, sagt Rohr. „Die wollten wir besser vernetzen. Damit können wir unseren Kunden komplette Dienstleistungen und Lösungen anbieten.“ Das stärke die eigene Verhandlungsposition und biete den Kunden zudem den Vorteil, mit nur einem Auftrag alle benötigte Kompetenz auf einen Schlag einzukaufen.

Mit seinem Schritt zur Genossenschaft sieht sich der 38-jährige Rohr im Trend. Die Rechtsform passe zur gesellschaftlichen Entwicklung, die er in den vergangenen Jahren beobachtet habe: Nicht erst seit Beginn der aktuellen Krise seien Fragen der Wirtschaftsethik wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt.

Auch der Gesetzgeber hat der Rechtsform neuen Schub gegeben. „Seit 2006 das Genossenschaftsrecht novelliert wurde, kann man von einem regelrechten Boom sprechen“, sagt Thomas Nusche, Sprecher des genossenschaftlichen Mailing-Services FMS in Karlsruhe. Ärzte schließen sich genauso auf genossenschaftlicher Basis zusammen wie Unternehmensberater. Manche Kommune betreibt ihr Schwimmbad als Genossenschaftsprojekt, und in Heidelberg gründeten Cineasten gar die Filmgenossenschaft Figeno, Motto: „Filme anders produzieren.“

Im IT-Bereich hat die Rechtsform Tradition. Zu den bekannten Vertretern der Branche zählt die Denic Domain Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft eG, die 1997 ihre Arbeit aufnahm und für Registrierung und Betrieb aller Internet-Adressen mit „.de“-Kürzel verantwortlich ist. Rund 50 000 solcher Adressen galt es Anfang 1997 zu verwalten, mittlerweile hat sich die Zahl vervielfacht.

Der Berliner Galerist Gerald Zörner ließ mit www.gallery-december.de im August 2009 die dreizehnmillionste „.de“-Web-Adresse registrieren. „In den letzten Jahren hat sich das Wachstum bei etwa einer Million Domains pro Jahr eingependelt“, sagt Denic-Chefin Sabine Dolderer. „Im letzten Jahr verfügte statistisch gesehen etwa jeder siebte Bundesbürger über eine .de-Domain“. Mit jetzt mehr als 13 Mio. Einträgen ist „.de“ mittlerweile die größte Länderkennung weltweit.

Und noch ein weiterer bekannter IT-Dienstleister ist genossenschaftlich organisiert: die Datev. 39 000 Mitglieder bilden diese Genossenschaft, 5 500 Mitarbeiter bevölkern die Nürnberger Zentrale und die bundesweit 24 Niederlassungen. Gegründet wurde die Datev 1966, um Anwälten und Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Mittelständlern die notwendige Datenverarbeitung auf hohem technischen und sicherheitsbezogenen Niveau zu bieten. „Die Rechtsform Genossenschaft steht bei uns für Kontinuität, schließlich kann kein Investor die Datev einfach so kaufen“, heißt es in der Nürnberger Zentrale selbstbewusst.

Das Leistungsspektrum umfasst heute Software für Rechnungs- und Personalwesen, betriebswirtschaftliche Beratung und Steuerberechnung für die Kunden. Und zwar in bemerkenswertem Umfang: 2,4 Mio. deutsche Unternehmen nutzen über ihre Steuerberater für die Finanzbuchführung Datev-Programme, und bundesweit werden jeden Monat mehr als neun Millionen Löhne und Gehälter mit Hilfe der genossenschaftlichen Programme abgerechnet.

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