IT-Installation
Der alltägliche Kampf gegen das Computerchaos

Die Installation neuer Soft- und Hardware kann für Mittelständler zum Alptraum werden. Jeder Rechner-Typ muss individuell eingerichtet werden und kompatibel zum bestehenden IT-System sein. Wie Unternehmer und Administratoren den Überblick behalten.

KÖLN. Selbst in kleinen Unternehmen sind meist viele verschiedene Rechnertypen im Einsatz: Büro-Arbeiter nutzen klassische Desktop-Rechner, Außendienstler arbeiten an robusten Notebooks, die Geschäftsführer dagegen verfügen über leichte Mini-Notebooks, mit denen sie auch im Flugzeug bequem arbeiten können. Diese Situation macht den IT-Verantwortlichen in Unternehmen viel Arbeit: Jeder Rechner-Typ brauchte eine individuelle Software-Installation, neu angeschaffte Geräte müssen kompatibel zum bestehenden IT-System sein. Zudem müssen Administratoren sicherstellen, dass jede Software nur ihrer Lizenz entsprechend installiert wird.

Damit das funktioniert, sind zwei Dinge notwendig, sagt Martin Filler, Technischer Leiter beim Hardware-Hersteller Dell: Ein strenges Lizenzmanagement und eine homogene IT-Landschaft. "Als Verantwortlicher muss ich zum Beispiel sicherstellen, dass nur die Marketingabteilung das CRM-Programm installieren kann und kein Software-Wildwuchs auf den Rechnern entsteht", sagt der Experte. Auch für die Hardware-Seite hat Filler einen Ratschlag: "Gerade mittelständische Unternehmen sollten darauf achten, einen einheitlichen Standard im IT-Bereich einzurichten." Das heißt in der Praxis: Beim Rechnerkauf nicht auf Schnäppchenjagd im Elektrodiscounter gehen, sondern lieber alle Geräte von einem Hersteller und aus einer Serie kaufen. "Das stellt sicher, dass ein zwei Jahre altes Gerät auch mit seinem Nachfolger kompatibel ist und beide problemlos zusammenarbeiten", sagt Filler.

Besonders große Auswirkungen zeige eine homogene IT-Landschaft bei Unternehmen mit mehreren Niederlassungen. Fährt etwa der Geschäftsführer regelmäßig von Standort zu Standort, muss er sicher sein können, dass er sein Laptop in jeder Betriebsstätte einfach an die Dockingstation stecken und ohne Probleme arbeiten kann: "Das geht nur mit einheitlichen Geräten und Programmen gut", sagt der Dell-Experte. Dennoch sehen die Systemlandschaften mittelständischer Unternehmen oft chaotisch aus. Grund dafür ist laut Rolf Chung, Geschäftsstellenleiter des Verbands IT-Mittelstand (VDEB), vor allem die unglaubliche Vielfalt an Produkten: Prozessoren unterschiedlicher Hersteller brauchen verschiedene Chipsätze, um die Hardware zu steuern. Betriebssysteme bauen auf den Prozessortypen auf, funktionieren aber nicht mit jedem Bauteil gleich gut. Und Applikationen werden häufig für ein Betriebssystem optimiert. Erscheint dann eine neue Version des Systems, kommt es zu Problemen. "Ein Office-Paket, das vor drei Jahren für Windows 2000 entwickelt wurde, läuft zwar unter Windows 7 auch noch", sagt Chung. "Die Software arbeitet aber möglicherweise langsamer und es kommt häufiger zu Fehlermeldungen." Für Software und Hardware gilt Chungs Markteinschätzung gleichermaßen: "Die IT-Branche ist sehr schnelllebig, es kommen ständig neue Endgeräte und Anwendungen dazu." Zudem entschieden sich viele Unternehmen aus Kostengründen für eine schnell zu errichtende IT-Lösung und günstige Programme. Oft ein schwer wiegender Fehler, der sich erst mit Verzögerung bemerkbar macht: "Oberflächlich arbeiten solche Systeme kurz- bis mittelfristig gut", warnt Chung. "Aber auf Dauer fährt man damit gegen die Wand." Der Experte empfiehlt Mittelständlern, mehr Geduld und Verständnis für das komplizierte Geschäft der Soft- und Hardwarehersteller mitzubringen und IT-Systeme zu planen, die langfristig funktionsfähig bleiben. Gegen das Durcheinander in der Angebotsvielfalt hilft nur die Standardisierung, sind sich der Verbandsexperte und der Dell-Manager einig. "Bei den Hardware-Herstellern hat sich in diesem Punkt in den vergangenen Jahren schon einiges getan", sagt Filler. "An einem Rechner von Apple findet man dieselben Anschlüsse und Schnittstellen wie an einem Gerät von Hewlett Packard oder Dell." Auch VDEB-Mann Chung sieht eher die Softwareentwickler in der Pflicht: "Die heutige Hardware ist offen, sie lässt eine ganze Menge an Software zu." Sein Verband setzt sich für offene Standards in der Programmierung ein. So sollen zum Beispiel Entwickler von Betriebssystemen ihren Quellcode anderen Programmierern zugänglich machen, die darauf aufbauend ihre Anwendungen entwickeln können. Ein Vorzeigebeispiel hat Chung auch gleich parat: Google hat sein für Mobilfunkgeräte neu entwickeltes Betriebssystem Android von vorn herein offen konzipiert.

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