IT-Lösungen
Open-Source-Software auf dem Vormarsch

Mit freier Software, programmiert von Entwickler-Communities und mit offen zugänglichem und veränderbarem Quellcode, können sich Mittelständler selbst eine passgenaue Software-Lösung schneidern. Auf Hersteller-Garantie und Telefon-Support müssen sie dafür aber oft verzichten.

KÖLN. Würde man die Arbeitszeit aller Programmierer zusammenzählen, wäre die Open-Source-Community wohl die größte Software-Firma der Welt. Unzählige Entwickler und Unterstützer sind der Motor für den schleichenden Siegeszug von Programmen, bei denen der Quellcode für jedermann offen liegt und veränderbar ist. Zu diesem Schluss kamen die Analysten des US-amerikanischen Marktforschers The Standish Group.

In der Fünf-Jahres-Studie "Trends in Open Source" haben die Autoren herausgefunden, dass freie Programme nicht nur auf dem Vormarsch sind, sondern Milliardenverluste bei den Herstellern proprietärer Software verursacht: "Open Source sorgt für 60 Milliarden Umsatzminus bei Software-Unternehmen", sagt Standish-Präsident Jim Johnson.

Freie Software ist bei IT-Verantwortlichen vor allem deshalb so beliebt, weil sie sich flexibel an die Unternehmensbedürfnisse anpassen lässt und die Qualität und Zuverlässigkeit oft höher ist als die von herkömmlicher Software, belegt die Studie. Diese Vorteile haben ihre Ursache in der aktiven Entwickler-Community rund um ein offenes Programm: Schneller als bei Applikationen, deren Code nicht einsehbar ist, werden Fehler und Sicherheitslücken freier Programme von den weltweiten Anhängern erkannt und behoben. Die daraus resultierende hohe Entwicklungsgeschwindigkeit bei freier Software treibt die Verbreitung zusätzlich an.

Besonders interessant für kleine und mittelständische Unternehmen: Open-Source-Software ist in der Anschaffung oft günstiger als herkömmliche proprietäre Software. "Die Lizenzkosten für Open-Source-Programme sind sehr gering", sagt IT-Berater Eberhard Prinzing aus dem baden-württembergischen Lonsee-Urspring, der viele Mittelständler zu seinen Kunden zählt. Und die Standish-Marktforscher urteilen: "Wenn IT-Verantwortliche begreifen würden, wie sehr Open Source oft das Budget schont, würde die große Mehrzahl der kommerziellen Software aussterben."

Der größte Vorteil der freien Software ist aber gleichzeitig für viele Mittelständler auch ihr gewichtigster Nachteil: Weil sie nicht das Produkt eines Herstellers ist, sondern das einer Entwickler-Community, gibt es weder Support-Hotlines noch Service-Mitarbeiter, die bei Problemen weiterhelfen. "Manche Unternehmer werden davon abgeschreckt, dass kein persönlicher Ansprechpartner vorhanden ist", sagt IT-Berater Prinzing. Er sieht das fehlende Fach-Know-How in den Firmen als einen Grund dafür, warum in vielen Unternehmen Open-Source-Produkte noch ein Nischendasein fristen.

Einige Systemhäuser haben aus diesem Problem aber schon ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Sie bieten professionelle Open-Source-Software an, bei der sie Garantie, Support und Weiterentwicklung einer klassischen Open-Source-Lösung übernehmen. "Bei professionellem Open Source habe ich alle Vorteile von quelloffener Software auf meiner Seite und kann Nachteile ausmerzen", wirbt Jan Müller, dessen Firma Insignio solche Dienste anbietet. Die Kunden wollten das Gefühl von Freiheit beim Software-Einsatz haben, aber nicht auf direkte Ansprechpartner verzichten, bestätigt auch Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender von Oxid E-Sales, einem Anbieter offener Webshop-Software.

Programme mit offenem Code gibt es laut Insignio-Chef Müller für alle Anwendungsbereiche. Seiner Einschätzung nach ist vor allem das offene Betriebssystem Linux verbreitet. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie des Online-Portals CIO.com: Neben Linux findet man freie Web-Server wie Apache und Entwicklungstools wie Eclipse ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Fast die Hälfte der Befragten schreibt Briefe und Tabellen mit den freien Programmen von Open Office. Und immerhin 29 Prozent der Befragten setzen auch bei Kundenmanagement- und Warenwirtschafts-Programmen auf Open Source.

Glaubt man der Vorhersage des amerikanischen Beratungshauses IDC, schnellen diese Zahlen bis 2012 in die Höhe. IDC prognostiziert das Umsatzvolumen für den Weltmarkt für freie Software auf 4,83 Milliarden Dollar. Verglichen mit dem weltweiten Jahresumsatz von 1,73 Milliarden Dollar im Jahr 2007 würden sich die Einnahmen mit Open-Source-Software innerhalb von fünf Jahren nahezu verdreifachen.

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