IW-Umfrage
Deutsche Unternehmen wollen Jobs schaffen

Der deutsche Wachstumsmotor brummt, die Kapazitäten sind ausgelastet und die Exporte laufen. Jetzt gehen die Firmen wieder auf die Suche nach neuem Personal, wie eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft zeigt.
  • 0

BerlinNach dem fulminanten Start ins Jahr schaltet die deutsche Wirtschaft einen Gang zurück. Das Wachstum von Industrie und Dienstleister verlor im Mai deutlich an Schwung, wie die Marktforscher von Markit am Montag zu ihrer Umfrage unter rund 1000 Firmen mitteilten. „Der deutsche Privatsektor tut sich schwer, den Höhenflug aus dem ersten Quartal fortzusetzen“, sagte Markit-Experte Tim Moore. Der Dämpfer für die Wachstumslokomotive der Euro-Zone sorgte auch für einen Rückschlag im gesamten Währungsraum. Allerdings erwarten deutsche Firmen trotz der Normalisierung für 2011 das zweite Boomjahr in Folge. Deshalb erhöhte das IW-Institut seine Wachstumsprognose auf plus dreieinhalb Prozent und rechnet 2012 mit zweieinviertel Prozent. „Es ist ein breit angelegter Aufschwung“, sagte IW-Direktor Michael Hüther.

61 Prozent der Firmen wollen ihre Produktion hochfahren, 41 Prozent erwarten steigende Exporte und 46 Prozent wollen mehr investieren, wie aus einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter 2340 Unternehmen hervorgeht. „Der Hauptantrieb ist die Inlandsnachfrage“, sagte Hüther. Vor allem der Arbeitsmarkt profitiere davon: Knapp die Hälfte der Firmen sucht der Studie zufolge neues Personal, nur acht Prozent erwägen Kündigungen.

Die meisten Experten trauen der deutschen Wirtschaft 2011 ein Wachstum von mehr als drei Prozent zu, nach 3,6 Prozent 2010. Unstrittig ist dabei, dass der Aufschwung sein rasantes Tempo vom Jahresanfang nicht halten kann. Dies belegen immer mehr Konjunktur-Daten: Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank nach vorläufigen Berechnungen im Mai unerwartet deutlich auf 58,2 von 62 Punkten. Das Neugeschäft flachte sich ab und der Auftragseingang beim Export sackte auf ein Sechs-Monats-Tief. Der Jobaufbau verlor aber kaum an Fahrt. Etwas Luft verspürten die Industriefirmen auf der Kostenseite, wo der starke Preisschub der vergangenen Monate nachließ.

Auch die Dienstleister mussten Rückschläge hinnehmen, der Einkaufsmanagerindex sank unerwartet auf 54,9 von 56,8 Punkten. Damit spürten die Firmen das schwächste Wachstum seit September. Ein maues Neugeschäft ließ den Optimismus für die nächsten zwölf Monate auf den tiefsten Stand seit Dezember 2009 sinken.

In den Ländern der Euro-Zone schwächte sich der Aufschwung im Mai so kräftig ab wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel um 2,4 auf 55,4 Punkte, wie Markit zur Umfrage unter 4500 Unternehmen mitteilte. Einen so starken Rückgang gab es zuletzt im November 2008, als die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auf ihren Höhepunkt zusteuerte. Das Barometer rutsche damit auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten, signalisiert aber weiter Wachstum. „Die Erholung in der Region dürfte ihren Höhepunkt überschritten haben“, sagte Analyst Ben May von Capital Economics. Wie andere Fachleute geht er davon aus, dass die Europäische Zentralbank sich dadurch nicht von der Straffung ihrer Geldpolitik abbringen lässt und die Zinsen im Juli erneut erhöht - und zwar auf 1,50 von 1,25 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " IW-Umfrage: Deutsche Unternehmen wollen Jobs schaffen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%