Jahrestagung
Handwerk stemmt sich gegen Euro-Krise

Das deutsche Handwerk wird oft unterschätzt. Doch mehr als fünf Millionen Menschen arbeiten in den Kleinbetrieben. Und die trotzen den Euro-Turbulenzen. Die Währungskrise bereitet den Mittelständlern dennoch Sorgen.
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BerlinDas gute deutsche Handwerk: Man verniedlicht es gerne, auch wegen berühmter Vertreter wie Meister Eder und seinem Pumuckl. Dabei stehen die Zahlen für sich: Hierzulande arbeiten gut fünf Millionen Menschen in einer Millionen Handwerksbetriebe. Jeder dritte Lehrling wird dort ausgebildet.

Und die Geschäfte laufen trotz Eurokrise nicht schlecht: 2012 wächst die Branche laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) um 2,5 Prozent. Rund 25.000 Stellen werden geschaffen. Und auch wenn es – gerade bei den Optikern – immer mehr Ketten dominieren: Es gibt noch sehr viele Kleinstbetriebe mit weniger als fünf Beschäftigten.

Doch da beginnen auch schon die Sorgen: Das Handwerk leidet noch stärker als so manch andere Branche in Deutschland unter Nachwuchssorgen. Und die Zukunft lässt Böses erahnen: Die Deutschen werden älter und immer mehr Schüler wollen Abitur machen und studieren.

Dagegen hat die Euro-Krise lange Zeit keine Wellen geschlagen. Erst Mitte August meldete sich das Handwerk zu Wort: Der ZDH appellierte an die Bundesregierung, für die Rettung nicht jeden Preis zu zahlen. "Die Stabilisierung der Währungsunion ist kein Ziel an sich, das ungeachtet aller damit verbundenen Kosten verfolgt werden kann und darf", schrieb Verbandspräsident Otto Kentzler in einem Positionspapier. Er ist gegen die unbedingte Rettung des Euro um jeden Preis: "Die Kosten dürfen keinesfalls größer werden als der Nutzen." Sonst drohe die Zustimmung der Bürger zu schwinden.
Die Position findet Anerkennung: Auf dem Jahresforum des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) bekräftigte Bundeskanzlerin Merkel, dass durch die Eurokrise auf den Märkten ein Stück Vertrauen verloren gegangen sei. Dieses müsse wieder aufgebaut werden. Merkel dankte dem Handwerk in diesem Zusammenhang ausdrücklich für die Entwicklung von sechs Grundsatzthesen, aus denen "eine große Unterstützung für das europäische Projekt" spreche.

Finanzhilfen dürften nach Überzeugung des Wirtschaftsverbandes nicht dazu führen, dass der Reformdruck in den Empfängerländern sinkt: "Es ist den Bürgern und Unternehmen in den leistungsfähigen Stabilitätsländern nicht zuzumuten, bei staatlichen Garantien, im Rahmen von Euro-Bonds oder Altschuldentilgungsfonds, für die politischen Fehlentscheidungen anderer Staaten haften zu müssen - ohne Hoffnung auf tatsächliche Besserung", schreibt Kentzler.

Das Handwerk dagegen sieht zwar die eigenen wirtschaftlichen Chancen der Währungsunion, doch die Zweifel an den immer neuen Rettungsvorschlägen der Politik wachsen. Laut dem Verband birgt etwa die Refinanzierung des dauerhaften Rettungsschirms ESM durch die Europäische Zentralbank "massive Gefahren für die Funktionsfähigkeit der Währungsunion insgesamt".

Eine Flutung der Finanzsysteme mit zusätzlichem Geld der EZB könne rasch zu einer Ausweitung der inflationsrelevanten Geldmenge führen, heißt es in dem Papier. Eine reale Gefahr für den Geldbeutel der fünf Millionen Beschäftigten im Handwerk: "Wenn das Geldmengenwachstum nicht mehr durch die realwirtschaftliche Entwicklung unterlegt ist, droht Inflation", warnt Kentzler.

"Wir als Handwerk stehen zu Europa und zum Euro", sagte Verbandspräsident Kentzler. Die Vorschläge der EU-Kommission zur einheitlichen europäischen Bankenaufsicht kommentierte er kritisch. "Auf keinen Fall" dürfe es zu einem europäischen Zugriff auf die nationalen Einlagensicherungssysteme kommen.

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Handwerksbetriebe sind gern gesehene Kreditkunden

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  • Das Handwerk hat viele Sorgen. Neben einer möglichen Inflation des Geldes ist es schon längst zu einer Inflation der Reputation des Handwerks als erstrebenswertes Berufsbild gekommen. So schreibt das Handelsblatt: "Das Handwerk leidet … unter Nachwuchssorgen. … immer mehr Schüler wollen Abitur machen und studieren." Als Werbeagentur in den Branchen Bau, Architektur, Handwerk und Wohnen sprechen wir mit vielen, vielen Handwerksbetrieben. Was bemängelt wird ist allerdings nicht die Zahl der Bewerbungen, sondern deren Qualität. Die Schuldigen sind vermeintlich schnell gefunden: die Schüler selbst, die Eltern, die Schulen oder die Lehrer usw. Doch alle Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Das Handwerk bietet herausragende Chancen. Diese Chancen müssen bei Bewerber/innen bekannt gemacht werden. Innovative Handwerksbetriebe, die ihre Mitarbeiter als Teil des Unternehmens betrachten, machen es vor und zeigen: Es geht auch anders. Das Handwerk hat es noch selbst in der Hand, die Inflation seiner Marke aufzuhalten. Es muss die Zeit und die Chancen nutzen. Jetzt.

  • Mal abgesehen davon, dass wir uns vom Thema des Artikels schon ein Stück entfernt haben: Das Thema Kita-/Kindergarten-Pflicht habe ich etwas verkürzt.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Eltern ihre Kinder von dieser Pflicht befreien lassen können, aber nur unter zwei Randbedingungen: Sie bekommen dafür keine finanzielle Unterstützung ("Herdprämie") und die Erziehung der Kinder wird regelmäßig vom Jugendamt überprüft.

    In Thüringen gibt es das Elterngeld schon eine ganze Weile und aus historischen Gründen sind Kita-Plätze dort auch kein Problem. Das Erziehungsgeld führte aber dazu, dass genau die Kinder nicht mehr kamen, die am meisten von der Kita profitiert hätten.

    Eine passende Episode, die mir eine mittlerweile verstorbene Grundschullehrerin erzählte: Zu ihrem Sprengel gehörte auch eine damals sg. Obdachlosensiedlung. Eine dort lebende Mutter erzählte freudig, dass es ihnen in drei Jahren besser gehen werde: "Dann haben wir noch drei Kinder und dann können wir uns [vom Kindergeld] ein Auto leisten."

  • In der Beschreibung und Analyse der Probleme stimme ich zu, da ich es ähnlich erlebt habe.

    Aber bei der Konsequenz nicht:
    Gerade die Tugenden Pünktlichkeit und Verlässlichkeit lassen sich nur durch Vorbild, (Erziehungs-)Arbeit und Geduld vermitteln.
    Ins Kitas geschieht das vielleicht besser als bei "schlechten" Eltern, aber auch schlechter als bei "guten" Elteren.
    Eine Kita-Pflicht schafft mehr Probleme als sie löst.

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