Jens Hinrichsen
Finanzierung Unternehmenskauf und Anteilskauf

Wie groß ist die benötigte Kreditsumme, wie viel Eigenkapital  ist vorhanden, können staatliche Förderprogramme genutzt werden. Jens Hinrichsen berät Sie bei diesen Themen ebenso wie bei der Veräußerung von Teilen des Unternehmens.
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Jens Hinrichsen, Commerzbank, Spezialist Financial Engineering

1.      Finanzierung der Nachfolge

FRAGE

Sehr geehrte Damen und Herren,

folgender Fall:

Unternehmen der Kunststoffverarbeitung hat keine familiären Nachfolger.

Es gibt aber zwei Interessenten, die das Unternehmen zusammen weiterführen wollen.

Eine Bank ist bereit 75% des Kaufpreises zu finanzieren.

KfW-Darlehen oder Darlehen der NRW-Bank sollen nicht in Anspruch genommen werden, da die finanzierende Bank ähnliche Konditionen anbietet.

Die restlichen 25% müssten anderweitig finanziert werden.

 

Hier liegt das Problem.

Die Interessenten wollen völlig ohne Eigenkapital auskommen.

Die finanzierende Bank will, dass ihre Darlehen vorrangig bedient werden. Der Darlehensvertrag soll über eine Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen werden also auch nach zehn Jahren zu 100% bedient sein.

Außerdem dürfen weitere Darlehen nur mit Zustimmung der finanzierenden Bank aufgenommen werden.

 

Meine Frage:

Gibt solche Fälle bei einer Übernahme durch Einzelpersonen öfter oder ist es inzwischen auch schon üblich?

Bisher kennt man so eine Art der Finanzierung nur von sogenannten Heuschrecken.

 

Wir haben noch gelernt, dass es ohne Eigenkapital eine solche Übernahme nicht geben kann.

Eine Bank(Sparkasse) hat eine Finanzierung (bei gleicher Darlehenshöhe) wegen des mangelnden Eigenkapitals übrigens abgelehnt.

Zum Unternehmen noch folgende Eckdaten:

Umsatz 2010: 2,2 Mio.

Gewinn vor Steuern: seit Jahren zwischen 18%-20%.

EK-Quote: 70%

Verbindlichkeiten:  130.000,- €

Umsatzrückgang 2009: 20%

Ende 2011 wieder auf Niveau von 2008.

 

Über die Beantwortung meiner Frage würde ich mich freuen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Werner Gröne

 

ANTWORT

Sehr geehrter Herr Gröne,

üblicherweise wird von den Käufern ein Eigenmitteleinsatz seitens der Banken erwartet. Es sind jedoch Umstände denkbar, wie z.B. geringe Kredithöhe im Verhältnis zur Kapitaldienstfähigkeit der zum Verkauf stehenden Gesellschaft, die einen Eigenmitteleinsatz sehr gering ausfallen lassen oder ganz entbehrlich machen.

 

 

2.      Finanzierung für Unternehmenskauf

 

FRAGE

Sehr geehrter Herr Hinrichsen,

ich möchte im nächsten Jahr als externer Nachfolger ein Unternehmen übernehmen, das im Sinne HBG als Klein Kapitalgesellschaft eingestuft ist und sich auf Schadensregulierung für Versicherungen spezialisiert hat. Dabei handelt es sich um eine Projektbegleitung von der Aufnahme eines Schadens, Ausschreibung, Reparaturbetreuung und Rechnungsbesprechung. Zusammengefasst Ingenieursdienstleistung.

Das Unternehmen ist seit 35 Jahren am Markt und hat 10 MA  bei einem Jahresumsatz von ca. 2 Mio. Euro und einen in der GuV ausgewiesenen Gewinn von ca. 150.000 Euro.

Ich selber bin Ingenieur der Fachrichtung die den Aufgaben des Unternehmens entspricht und seit 20 Jahren in der Branche tätig.

Der Kaufpreis ist ermittelt und ich habe eine Eigenkapitalquote von ca. 30%

Den Rest möchte (muss) ich finanzieren und wollte Fragen welche Förderprogramme in Frage kommen und was die optimale Kombination von Laufzeit, Tilgung und Zinsniveau eines Kredites sein könnte. Ich werde mit dem vereinbarten Jahresgehalt meine privaten Ausgaben voll umfänglich finanzieren können.

Der Literatur ist zu entnehmen, dass die Kreditinstitute auf einen sogenannten Businessplan bestehen, den ich natürlich erstellen werde, aber es wird besonders das Thema Zukunftsplanung und Erweiterung der Tätigkeiten abgezielt. Meine Planung ist am Anfang sehr einfach da ich das gut gehende Unternehmen erst mal erhalten möchte außerdem ist eine Erweiterung der Geschäftstätigkeit etwas schwierig darzustellen, da das Unternehmen eine Art Exklusivstellung hat und der Prinzipal einer Erweiterung eher abneigend gegenübersteht. Diese Exklusivstellung besteht seit der Gründung des Unternehmens.

Vielen Dank im Voraus für ihre Bemühungen und mit freundlichen Grüßen

Marcus Schwaeppe  

ANTWORT

Sehr geehrter Herr Schwaeppe,

auch bei einer reinen Fortführung des Unternehmens auf dem derzeitigen Ertrags- und Umsatzniveau ist ein Businessplan für zumindest drei Jahre im Rahmen einer Finanzierungsanfrage nicht entbehrlich. Die Planung soll ein Bild darüber vermitteln, wie der Unternehmer sich die nächsten drei Jahre vorstellt und zeigt damit auch, dass er sich intensiv mit dem Unternehmen hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit zukunftsgerichtet auseinandergesetzt hat. Des Weiteren werden die Banken durch Hinterfragen der getroffenen Annahmen im Businessplan sich auch ein Bild über diese Auseinandersetzung und die Plausibilität und Ausrichtung (konservativ/progressiv) machen und zudem aus diesem Plan die Kapitaldienstfähigkeit für die angefragte Finanzierungshöhe und die optimale Struktur ableiten.  

 Sofern Sie uns Ihre Kontaktdaten zukommen lassen, werden wir Ihnen gerne einen Ansprechpartner nennen, der Ihnen für ein detailliertes Gespräch zur optimalen Strukturierung der Finanzierung unter Einbeziehung von öffentlichen Fördermitteln anhand Ihres Businessplans zur Verfügung steht.

1.      Finanzierung der Nachfolge

 

FRAGE

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse habe ich Ihren Artikel über Unternehmensnachfolge gelesen.

Ich bin 48 Jahre alt und seit 15 Jahren im Maschinen- und Fahrzeugbaubereich als Geschäftsführer tätig.

Inzwischen ist bei mir der Wunsch gereift, als Gesellschafter und Geschäftsführer mich zu engagieren.

Wie Sie es in Ihrem Artikel beschreiben ist die Suche einer geeigneten Unternehmung schwierig.

Beratungsfirmen und Handelskammern haben mich auf diesem Weg noch nicht weitergebracht.

Ich denke die Banken haben den "entscheidenden Draht" und genießen das ausreichende Vertrauen der Verkäufer.

Können Sie mir Tipps geben wie ich diese Kontakte vertiefen kann. Eine Bewerbung bei wem ?

Danke für Ihre Bemühungen im Voraus.

Hartwig Pfeffer

 

ANTWORT

Sehr geehrter Herr Pfeffer,

Ihre Frage beantworte ich aus der Mittelstandsbank stellvertretend für Dr. Beckmann, ebenfalls mit Unternehmensnachfolge befasst. Herr Dr. Beckmann befindet sich momentan im Urlaub.

Falls Sie mit Ihm persönlich korrespondieren wollen, bitte melden Sie sich ab dem 29.6. erneut über das Handelsblatt.

Ihre Anfrage verstehe ich so, dass Sie sich mit einer Minderheitsbeteiligung an einem mittelständischen Unternehmen beteiligen wollen: Einem anderen Unternehmen als da, wo Sie jetzt tätig sind.

Kontakt zu einem entsprechenden Unternehmen herzustellen, dafür kann man das persönliche Netzwerk nutzen. Eine spezielle Stelle in der Wirtschaft bzw. IHK, die dabei behilflich ist, ist kaum auszumachen.

Freilich kommt es i.R.d. Unternehmensnachfolge vor, dass im Maschinen- und Fahrzeugbau ein Fremdmanager gesucht wird, die Beteiligung ist Verhandlungssache.

Was dürfen die Anteile kosten und wie soll die Anteilsfinanzierung dargestellt werden?

Sie können, wenn Sie das möchten, gerne einen Kurzlebenslauf und konkrete Zielvorstellung hinsichtlich Branche, Beteiligungswert, Beteiligungshöhe und Region bei mir/  Dr. Beckmann hinterlegen.

Freilich sind wir an das Bankgeheimnis gebunden und können keine Kundendaten heraus geben, wofür wir um Verständnis bitten. Wenn sich i.R. unserer Tätigkeit ein "matching" ergäbe, würde sich ein Weg finden, den Kontakt herzustellen. Zuviel Hoffnung möchte ich Ihnen hier nicht machen.

 

Freundliche Grüße

Roman Hieronimus

Spezialist

Commerzbank AG

Mittelstandsbank

Financial Engineering Zentrale

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