Job-Rotation
Rollentausch am Arbeitsplatz

Per Job-Rotation machen Unternehmen junge Talente zu Führungskräften oder bieten langjährigen Mitarbeitern Abwechslung im Berufsalltag. Das System ist oft auch für Mittelständler interessant, auch wenn damit organisatorische Kosten verbunden sind. Wie Job-Rotation im Alltag funktioniert.

HB KÖLN. Personalberater wissen schon lange um den Nutzen von Job-Rotation: Der regelmäßige, systematische Arbeitsplatzwechsel fördert den Blick über den Tellerrand und hält gleichzeitig die Belegschaft bei Laune, sind sich Experten einig.

Dennoch zeigt sich der deutsche Mittelstand dem innerbetrieblichen Austauschprogramm gegenüber bisher verhalten: Nur 14 Prozent der Unternehmen bieten Job-Rotation an und wollen damit vor allem das Erlernen von neuen Arbeitsmethoden fördern und den Mitarbeitern zu mehr Sozialkompetenz verhelfen. Das ist das Ergebnis einer nationalen Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), für die 300 mittelständische Unternehmen zu ihrer Personalarbeit befragt wurden.

Die Zurückhaltung der Mittelständler bestätigt auch Tobias Ponn, Mittelstandsexperte der Beratungsgesellschaft Hewitt Associates: "Job-Rotation ist nicht in der Denke der Mittelständler verankert." Gleichwohl kann Ponn von einem Aufwärtstrend berichten: Immer mehr mittelständische Betriebe setzen sich mit dem Thema auseinander - das ist jedenfalls das vorläufige Ergebnis einer aktuellen Umfrage zur Personalarbeit, die der Experte im deutschen Mittelstand macht.

Die stärkste Verbreitung findet Job-Rotation in Trainee- und Führungskräfteprogrammen. Zwischen drei und 24 Monaten verbringen die rotierenden Mitarbeiter dabei an einem Arbeitsplatz, bevor sie zur nächsten Station wechseln. Berufseinsteiger lernen auf diesem Weg mehrere Abteilungen kennen und sammeln Erfahrungen, die sie als künftige Führungskräfte brauchen: Etwa den Umgang mit neuen Kollegen oder das schnelle Einarbeiten in komplexe Aufgabenbereiche.

Fehlen die Aufstiegsmöglichkeiten in einer Firma, ist Job-Rotation ebenfalls attraktiv: "Mitarbeiter können mehrere Abteilungen durchlaufen", gibt Berater Ponn ein Beispiel. Sitzt ein Angestellter schon jahrelang ohne Karriereperspektive an einer Stelle, wechselt er auf derselben Hierarchieebene in eine andere Position - zum Beispiel vom Vertrieb ins Marketing. "Solche Wechsel sind eine neue Herausforderung und bringen Abwechslung für den Angestellten", sagt Ponn. Als Allheilmittel gegen Frust am Arbeitsplatz dürfe man Job-Rotation gleichwohl nicht verstehen, warnt der Experte. "Wenn sich der Mitarbeiter vom Chef schlecht behandelt fühlt, nützt auch ein Abteilungswechsel nichts."

Während Job-Rotation in Großunternehmen fast immer Teil der Personalentwicklungsstrategie ist, betreiben Mittelständler den Rollentausch innerhalb des Betriebs eher opportunistisch. "Job-Rotation ist im Mittelstand häufig dann zu beobachten, wenn einzelne Mitarbeiter auf Führungspositionen vorbereitet werden sollen", sagt Ponn. Durch den Generationswechsel seien selbst kleine Familienbetriebe zur Rotation gezwungen: Oft durchlaufe der Unternehmer-Nachwuchs gezielt eine Reihe von Stationen, um für seine zukünftige Führungsrolle gewappnet zu sein. Mit systematischer Personalentwicklung hat das Stühlerücken im Mittelstand dann nur wenig zu tun: "Den Unternehmern kommt es darauf an, ihren Nachfolger zu stärken und den Betrieb reibungslos zu übergeben."

Andere Mitarbeiter im Unternehmen auf Entdeckungsreise zu schicken, macht für manche Mittelständler keinen Sinn: Für kleinere Betriebe sei das System wenig attraktiv, weil das Einarbeiten des rotierenden Personals viel Zeit koste und Unruhe in die Abteilungen bringe, schreibt Autor Norbert Albs in seinem Buch "Wie man Mitarbeiter motiviert".

Ob Job-Rotation für den eigenen Betrieb ein geeignetes Instrument ist, muss deshalb jeder Mittelständler für sich abwägen. Zwar gelten die gleichen Vorteile wie für Konzerne: "Bereichs-Egoismus wird abgebaut und feste Gruppen werden aufgebrochen", erklärt Dagmar Wilbs, Leiterin der Human-Capital-Beratung des Beratungshauses Mercer. Durch rotierende Mitarbeiter komme außerdem ständig neues Wissen in die Abteilungen, und bei einem Ausfall ist schnell ein Vertreter zur Stelle: "Gerade für kleine Firmen kann es überlebenswichtig sein, dass nicht nur ein Mitarbeiter mit einer Aufgabe vertraut ist." Und sogar das Risiko von Korruption sinkt, wenn sich regelmäßig neue Mitarbeiter in sensible Unternehmensbereiche einarbeiten.

Vor allem der hohe organisatorische Aufwand und die Einarbeitungskosten für rotierendes Personal schrecken Mittelständler vom Jobtausch ab. "Viele kalkulieren aber einfach zu kurzfristig und denken dann, sie können sich Job-Rotation nicht leisten", kritisiert Mercer-Expertin Wilbs. Zwar koste es Zeit, die Austauschkollegen einzuarbeiten und einen passenden Vertreter für die verlassene Stelle zu finden. Und auch das Risiko, dass Lücken entstehen oder Aufgaben liegen bleiben, bis der Rotierende sich eingearbeitet hat, bleibt nicht aus.

Mittelfristig zahle sich der Rollentausch aber aus: "Man denke nur daran, dass in mittelständischen Betrieben oft ganze Bereiche vom Wissen eines einzelnen Mitarbeiters abhängig sind", sagt Wilbs. Verlässt dieser die Firma, gerät seine Abteilung nicht selten ins Schleudern. Wilbs hält Jobrotation für das geeignete Mittel, um sich vor solchen Turbulenzen zu schützen: "Durch den Arbeitsplatztausch verteilt sich das Wissen schnell und einfach im Unternehmen."

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