Jörg Freiling
„Der deutsche Mittelstand kann mehr“

Jörg Freiling ist Mittelstandsexperte und Professor an der Universität Bremen. Im Interview spricht er über die Internationalisierung der Branchen.

Handelsblatt: Herr Freiling, wie stark hat sich der deutsche Mittelstand bereits internationalisiert?

Jörg Freiling: Sehr stark, denn auch der Mittelstand ist im Export nahezu weltmeisterlich. Aber: Der Fokus liegt auf West- und Mitteleuropa, und ein intensives Engagement im Zielland ist eher noch selten. Der innovations- und leistungsstarke deutsche Mittelstand kann mehr.

Wohin müssen die Firmen denn in Zukunft gehen?

Dahin, wo Märkte zusammenwachsen, wo Faktorkostenvorteile winken und wo die Wertschöpfung wächst. Die Warenströme drehen sich, da müssen viele in den Regionen vertreten sein, in denen künftig bestimmte Produkte effizient produziert werden. Das sind jetzt Osteuropa, Ostasien und Indien. Wer dort ist, lernt aber auch für sein Heimatgeschäft: Service und Effizienz auf den Märkten der Zielländer zum Beispiel.

Viele haben den Schritt schon gemacht, einige zögern. Was hindert diese Unternehmen ?

Zum einen sind es die Mittel. Deutsche Mittelständler haben oft zu wenig Eigenkapital und scheuen das Risiko, ins Ausland zu expandieren. Wer aber ein gutes Konzept hat, der findet einen Geldgeber. Oft ist es aber ein Mangel an Selbstvertrauen, der Gedanke, es nicht schaffen zu können – und nicht zuletzt die Logik, nur in kleinen Schritten zu internationalisieren. Aber: Das Risiko eines Fehlschlages, der Mittelständler viel härter trifft, ist natürlich groß.

Welche Branchen sind am stärksten internationalisiert?

Vorreiter ist die Automobilindustrie. Die deutschen Autohersteller gehen seit Ende der Achtziger Jahre mit ihren Produktionen ins Ausland und haben ihre Zulieferer aus dem Mittelstand aufgefordert, mitzukommen. Einige Mittelständler haben Geld in den Sand gesetzt, für die meisten hat sich das Engagement gelohnt. Auch andere Branchen haben sich stark internationalisiert, Pharma, Maschinenbau und die Logistik, die sehr starke Zuwächse hat.

Hat der Mittelstand bei der Internationalisierung Vorteile gegenüber Großunternehmen?

Großunternehmen haben natürlich ganz andere Ressourcen an Geld, Personal und Know-How – sie gelten daher als „professionalisierter“. Aber sie sind auch schwerfälliger. Mittelständler haben flachere Hierarchien, sie sind flexibler und oft unternehmerischer. Die Mitarbeiter in solchen Betrieben identifizieren sich stärker mit dem Erfolg der Firma. Das sind wichtige Vorteile, wenn man den Weg in neue Märkte sucht.

Die Fragen stellte Markus Fasse.

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