Johann Lafer
Hansdampf in allen Kochshows

Die meisten Menschen kennen Johann Lafer vor allem als Exklusiv-Koch in diversen TV-Sendungen. Das allein wird dem emsigen Unternehmer aber nicht gerecht: Der 52-Jährige arbeitet als Hotelier, Buchautor, Werbefigur und Professor - und rührt so gekonnt in den verschiedensten Einnahme-Töpfen.
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DÜSSELDORF. Johann Lafer nur einen Koch zu nennen, ist eine schamlose Untertreibung. Lafer ist ein Unternehmer, er ist seine eigene Marke. Und zwar eine, die - wie andere Marken auch - ihren Namen, den Brand, auf alles Mögliche setzt. So wie der Textilhersteller Hugo Boss nicht nur Anzüge unter dem roten Logo vertreibt, sondern auch Düfte. Der Österreicher Lafer hat so viel Erfolg, dass sich regelrechte Szenen abspielen, wenn er auf der Straße erkannt wird. Da kreischen Frauen hysterisch seinen Namen quer über die Straße. Hotelbesitzer schleppen ihre Stammkunden an, damit sie sich mit Lafer fotografieren lassen können.

Popstar Lafer? Vielleicht, unterhält er doch als Fernsehkoch zigmal pro Woche die TV-Nation mit guten Zuschauerquoten. In "Lafer! Lichter! Lecker!" etwa, in der Show von Markus Lanz oder Kinderkochsendungen. Johann Lafer ist omnipräsent auf sämtlichen Kanälen, "sorgt für Frequenz" wie er es nennt und leistet doch viel mehr: Er beschäftigt 82 Angestellte und macht mit allen Aktivitäten rund zehn Mio. Euro Umsatz im Jahr. Für all seine TV-Einsätze und Auftritte legt er immerhin 220 000 Flugkilometer im Jahr zurück.

Der bekannteste Koch Deutschlands ist manchmal mehrmals am Tag auf verschiedenen Sendern zu sehen. "Er ist zusammen mit Alfons Schuhbeck der einzige professionell und wirklich arbeitende TV-Koch", erkennt Gault-Millau-Chefredakteur Manfred Kohnke an. Bei einer Umfrage der Konsumforscher von GFK nach Promiköchen fällt jedem Fünften ungestützt der Name Lafer ein. Ihm folgt Tim Mälzer mit 12,5 Prozent. Übertrumpft wird der Steirer Lafer nur von Alfred Biolek mit 34 Prozent. Der kocht zwar auch, ist aber kein Koch, sondern Jurist.

Lafer ist sogar Professor

Dafür ist Lafer seit kurzem Professor an der Hochschule Fulda, um angehende Kantinen- und Casinochefs in Kulinaristik, Esskultur und Kochkunst zu unterrichten. "Die Zusammenarbeit des Fachbereichs Ökotrophologie mit einem Sternekoch ist einzigartig in Deutschland", verkündet die Hochschule stolz. Arbeitet sie mit ihm doch schon länger an einer Initiative für gesunde Schulverpflegung.

Der 52-Jährige hat sein kleines Imperium auf rund zehn Säulen gestellt: Seine Unternehmensgruppe firmiert als Table d'Or GmbH, Le Val Johann Lafer Creativ und Johann & Co. KG. Da sind zunächst mal die drei Restaurants - Bistro D?Or mit 14 von 20 möglichen Gault-Millau-Punkten, die Stromburg mit einem Hotel und das Gourmet-Restaurant Le Val D'Or mit 15 Punkten. Alle in Stromberg in der Nähe von Mainz, 68 Kilometer vom Flughafen Frankfurt entfernt.

Nicht immer lief alles glatt: Als er und seine Frau Silvia - sie führt das Hotel - die Burg übernahmen, ging er mitten in den Bauarbeiten pleite. Eine Bürgschaft des Landes Rheinland-Pfalz rettete ihn. "Der Aufwand der Burg funktioniert nur durch Quersubventionierung aus anderen Einnahmequellen", erzählt Lafer. Etwa seinem Helicopter-Service: Als die Restaurants dringend Kapital brauchten, kam Lafer vor sieben Jahren auf die Idee, den Helikopterflugschein zu machen, um seine Gäste selbst zum 6-Gang-Picknick auf die Weinberge zu fliegen. "Mein Steuerberater war strikt dagegen", erinnert er sich. Doch er hörte nicht auf ihn - zum Glück, denn das Konzept klappte. Das Flug-Picknick-Package kostet pro Person 1 200 bis 1 400 Euro, Lafer absolviert bis zu 40 im Jahr.

Oder die rund 150 Produkte, die er selbst entwickelt hat oder von Manufakturen bezieht: Ausgefallenes wie Blütensalz, aber auch Eis, Essig, Schokolade, Fonds oder Kürbiskernöl aus der Steiermark - für die fungiert er nebenbei als offizieller Genussbotschafter.

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