Josef Zotter
Jenseits von Milka, Sarotti und Ritter

Durch originelle und manchmal riskante Geschmacksvarianten hat Josef Zotter aus Schokolade eine Premiummarke gemacht. Mit Sorten wie "Rosa Kokos und Fischgummi" möchte der gelernte Konditor auch in Deutschland stärker Fuß fassen.
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RIEGERSBURG. Josef Zotter dürfte aufatmen, wenn endlich Weihnachten ist. "Im Moment bin ich selten vor 23 Uhr zu Hause", erzählt der Gründer der gleichnamigen mittelständischen Schokoladenfabrik aus der Steiermark östlich von Graz. Im Unterschied zu den ganz Großen der Branche, die ihre Weihnachtsproduktion schon lange hinter sich haben und jetzt eher an Ostern denken, wird bei Zotter vor den Festtagen noch kräftig frische Ware produziert. Vor Weihnachten erreicht der Monatsumsatz das Dreifache des üblichen Wertes, jetzt wird in der Zotter-Fabrik in zwei Schichten von 5 Uhr bis 20 Uhr edle Schokolade gefertigt. Samstagsarbeit vor Weihnachten ist für die Beschäftigten eine Selbstverständlichkeit.

Zotter kommt nach Deutschland

Zotter-Schokolade ist in Österreich inzwischen ein fester Begriff. Auch in Deutschland hat sich der 48-jährige Inhaber und Gründer Josef Zotter mit seinen ausgefallenen Schokoladenprodukten einen Namen gemacht. Daher versucht Josef Zotter, hierzulande nun noch stärker Fuß zu fassen. In Essen hat er im November einen ersten Zotter-Shop eröffnet, weitere Schokoladenläden sollen folgen. Die Qualität hat allerdings auch ihren Preis: Für das 70-Gramm-Täfelchen müssen im Handel mehr als drei Euro auf den Tisch gelegt werden.

Premium-Schokolade, das war die Idee, mit der sich Josef Zotter am Markt gegenüber Milka, Toblerone und Ritter Sport behauptet. Vor zehn Jahren hat der gelernte Konditor im früheren Kuhstall des elterlichen Bauernhofes im Örtchen Riegersburg mit der Schokoladenproduktion begonnen. Heute ist daraus ein moderner Vorzeigebetrieb geworden, mit etwa 100 Beschäftigten und gut zwölf Mio. Euro Jahresumsatz.

"Ich musste in die Produktnische der Premium-Schokolade hinein, andernfalls hätte ich keine Chance gehabt", erzählt Josef Zotter über seinen strategischen Ansatz. Mit seinem kleinen Familienunternehmen wollte er von Anfang an "weg vom Mainstream". Er versuche in seinem Betrieb, "die Dinge anders zu machen".

Zotter ist überzeugt davon, dass er den Schokoladenmarkt grundlegend umgekrempelt und ihm neue Impulse gegeben hat. "Ich war der Erste, der mit der 70-Gramm-Tafel angefangen hat", sagt er nicht ohne Stolz. An den damals üblichen 100 Gramm wollte vor zehn Jahren kaum jemand rütteln, heute gibt es bereits eine Reihe von Nachahmern. Zotter bezeichnet sich selbst als das personifizierte Labor der Schokobranche. 218 verschiedene Sorten hat er im Angebot, jährlich kommen etwa 40 neue hinzu.

Champagnergeschmack und Kürbis-Marzipan sind inzwischen zu Selbstläufern geworden. Zotter versucht sich jedoch immer wieder an besonders ausgefallenen Geschmacksvarianten. In diesem Jahr gibt es erstmals die von ihm kreierte Sorte "Rosa Kokos und Fischgummi", für die in kleineren Mengen auch Fischfond verwendet wird. "Das ist die Maybach-Liga", unterstreicht Zotter in Anspielung auf die besondere Automarke. Eine Schokoladensorte auf den Markt zu bringen, die geschmacklich so abgerundet ist, dass sie trotz vermeintlich abschreckender Zutaten auf der Käuferseite ihre Liebhaber findet. Und das gilt angeblich auch für die Fischgummischokolade, wenn die auch nur vergleichsweise geringe Stückzahlen erreicht.

Josef Zotter ist durch und durch Unternehmer. Ohne ihn würde es diesen kleinen Familienbetrieb aus der Steiermark überhaupt nicht geben. Er ist das Rückgrat, er steht für die Strategie, für das Konzept und auch für die Innovationen. So hat er durchgesetzt, dass die in Riegersburg benötigte Schokoladenrohmasse auch dort im eigenen Betrieb produziert und nicht von einem der wenigen großen europäischen Industrieschokoladenhersteller angeliefert wird.

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