JPC
Mittelständler und Weltmarktführer

Japan Pure Chemical beliefert fast die gesamte Chipindustrie mit Beschichtungen aus Edelmetall. Das Unternehmen gilt als "Hidden Champion" und ist in seiner Branche inzwischen unentbehrlich.
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TOKIO. Der Weltmarktführer für Halbleiterbeschichtungen aus Edelmetall, Japan Pure Chemical (JPC), sitzt in einem eher unscheinbaren Gebäude von der Größe eines Doppelhauses. Nur der Parkplatz vor dem Haus deutet darauf hin, dass ein Unternehmen von hier aus Waren verschickt. Heute parkt dort ein Lieferwagen der Versandfirma "Schwarze Katze Hauszustellung". Der Fahrer in grünem Overall hebt einige Kisten mit der Aufschrift JPC in den Wagen. Die Ladung geht laut Versandadresse an eine Firma bei Shanghai in China.

Was sich in den Kartons verbirgt, zeigt sich in der Packerei hinter dem Garagentor und wirkt ebenfalls eher unspektakulär: Plastikflaschen mit einer dunklen Flüssigkeit. "Mit dem Inhalt einer solchen Flasche lassen sich je nach Produkt Tausende oder Hunderttausende Halbleiter herstellen", sagt Firmenchef Shigeki Shimizu eher beiläufig. "Wir können bequem den Monatsbedarf einer Chipfabrik in einigen Dutzend dieser Kartons um die Welt schicken." Der 63-jährige Shimizu tritt im Blaumann mit Hemd darunter auf, das graue Haar sehr gepflegt. Wie so viele japanische Firmenchefs tritt er bescheiden auf, aber sehr selbstbewusst.

Denn JPC ist ein japanischer "Hidden Champion". Das 1999 vom eigenen Management übernommene Unternehmen hat es geschafft, wovon viele träumen, sich in seiner Branche unentbehrlich zu machen. Dadurch steht das Unternehmen auch in der Krise gut da: von Umsatz und Personal her zwar ein Mittelständler, aber mit seinen Produkten unangefochten ein Weltmarktführer. Nur 47 Mitarbeiter sind am Standort Tokio beschäftigt. 65 Mio. Euro und fünf Mio. Euro Gewinn peilt JPC in diesem Jahr an. JPC ist inzwischen an der Börse notiert. Management und Mitarbeiter halten noch zwanzig Prozent der Anteile. Der Rest ist breit gestreut. Der für den Aufbau so wichtige Finanzinvestor Mizuho Capital Partners hat sich vollständig zurückgezogen.

JPC gilt als typischer Vertreter seiner Art in Japan. Das Unternehmen sitzt in Tokio, so wie 40 Prozent der japanischen Weltmarktführer, wie aus einer Erhebung des Unternehmensberaters und Businessprofessors Stefan Lippert hervorgeht. JPC ist ein Industriebetrieb und gehört auch damit zur großen Mehrheit. Dienstleister sind in Japan im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern eher in der Minderheit. Und die Halbleiterindustrie ist eine der Branchen, in denen die Japaner traditionell Weltklasse sind. "Unsere Stärken sind das technische Wissen und hohe Verlässlichkeit", meint Shimizu.

In der Firmenzentrale laufen beinahe nur Mitarbeiter in weißen Kitteln herum, Chemielaboranten und Metalltechniker. An den Labortischen und unter den Abzügen rühren sie die Ausgangsstoffe für die Beschichtung von Kontakten mit Edelmetallen zusammen. Es geht eher zu wie in einer Apotheke.

Wichtigster Werkstoff ist Gold. Daraus stellen type="person" value="? Shimizu, Shigeki">Shimizus Leute eine Flüssigkeit her, mit der sich die Verbindungsstellen auf einer Halbleitergrundplatte so beschichten lassen, dass sie auch an der Luft nicht rosten. Damit ist JPC weltweit die Nummer eins. In praktisch jedem PC, jedem Internetserver, jedem Handy, jeder Digitalkamera oder jedem Navigationssystem steckt eine winzige Menge der vorbereiteten Goldlösungen aus dem Stadtteil Nerima im Norden Tokios. Ein wichtiger Kunde ist beispielsweise der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia.

Praktisch die gesamte Halbleiterindustrie ist auf die Ausgangsflüssigkeiten für solche Beschichtungen angewiesen: Konkurrenten von JPC gibt es jedenfalls nur wenige. Ein größerer ist NE Chemcat, die ebenfalls in Tokio sitzt. Die deutsche BASF will derzeit ihren Anteil an NE Chemcat um die Hälfte erhöhen, um stärker in den Markt für Beschichtungen aus Edelmetall einzusteigen.

Den Abschwung der Halbleiterindustrie während der Wirtschaftskrise traf JPC mit einem Einbruch bei den Aufträge hart. Im vergangenen Winter wies das Unternehmen in einem Quartal sogar einen kleinen Verlust aus. Doch schlug dies nicht auf das Jahresergebnis durch: Ausgewiesen wurde ein Gewinn von acht Mio. Euro bei einem Umsatz von 62 Mio. Euro. Zwei Drittel des Umsatzes erzielt JPC im Ausland - unter anderem auch, weil viele japanische Halbleiterhersteller nicht mehr im teuren Japan produzieren, sondern in China. Dort aber beherrscht noch kein "Billiganbieter" das, was JPC in Japan kann.

Der Aufbau der starken Position sei jedoch nur wegen des günstigen Heimatstandorts möglich gewesen, sagt Shimizu. Die japanischen Halbleiterhersteller haben, bevor sie ins Ausland ausschwärmten, um dort billiger zu produzieren, die kurzen Wege im Raum Tokio genutzt. Das sei ein riesiger Vorteil sowohl für die Geschäftskontakte als auch für die Logistik gewesen.

Die Internationalisierung des Geschäfts von JPC erfolgte dann mit der Abwanderung der japanischen Hersteller ins umliegende Ausland, insbesondere nach China. Das so aufgebaute technische Können und die globale Erfahrung ließen dann auch den Einstieg in andere Märkte zu, so dass jetzt auch chinesische, amerikanische und europäische Halbleiterhersteller zu den Kunden zählen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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