Junge Unternehmer in Sorge wegen Demographie
Fachkräftemangel trifft besonders Mittelständler

Die Gefahren des demographischen Wandels werden nach Ansicht des Bundesverbandes Junger Unternehmer nach wie vor unterschätzt. Gerade mittelständische Unternehmen drohten im verschärften Wettbewerb um ein knapper werdendes Arbeitskräftepotenzial ins Hintertreffen zu geraten. Möglichkeiten das zu ändern gibt es genug – in der Politik und in den Unternehmen selbst.

BERLIN. Darauf weist der BJU in einem dem Handelsblatt vorliegenden Positionspapier hin. Große Unternehmen hätten zum einen bessere Voraussetzungen, über eine breit angelegte Personalentwicklung geeignete Arbeitskräfte aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Zum anderen könnten sie schon durch höhere Bekanntheit und eine ohnehin multinationale Beschäftigtenstruktur leichter ausländische Mitarbeiter für offene Stellen gewinnen. Kleinere Unternehmen müssten daher „umso kreativer sein, das heimische Beschäftigtenpotenzial für sich zu erschließen und zu halten“, betont der BJU. Umso dringlicher sei aber auch gerade für diese Firmen ein Abbau rechtlicher Hürden für die Einwanderung qualifizierter Arbeitskräfte.

Dass sich junge Unternehmer besonders stark mit den Folgen einer alternden, schrumpfenden Erwerbsbevölkerung befassen müssen, liegt für den BJU auf der Hand: Sie werden allein wegen ihres Lebensalters noch besonders lange und intensiv damit konfrontiert sein. „Insbesondere die junge Generation von Unternehmensgründern und Nachfolgern möchte sich darauf verlassen können, dass sie hier zu Lande auch in den nächsten Jahrzehnten gute Lebens- und Unternehmensbedingungen vorfindet“, betont BJU-Präsident Dirk Martin. Dabei habe die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte in Deutschland größte Bedeutung.

Schon jetzt fehlten mehr als jedem zweiten der 1 500 Unternehmer im BJU die nötigen Fachkräfte, um den Wirtschaftsaufschwung voll ausnutzen zu können so Martin. Der demographische Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials setzt nach den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamts indes erst nach 2010 ein und wird sich ab 2020 deutlich beschleunigen. Umso schärfer werde sich die Arbeitskräfteknappheit erst bei künftigen Konjunkturanstiegen zeigen, betonte Martin. Dies erfordere neben wichtigen Sofortmaßnahmen eine Langfriststrategie.

Die jungen Unternehmer legen dabei Wert darauf, das Problem nicht allein mit einem Forderungskatalog an die Politik zu beantworten. Auch die Unternehmen selbst hätten etliche Möglichkeiten, Beschäftigungspotenziale zu erschließen – etwa durch Schulpartnerschaften und Universitätskooperationen. Zudem könnten gerade kleine und mittlere Unternehmer mit besonderen Entfaltungsmöglichkeiten um die Gunst von Mitarbeitern werben.

Entscheidende Aufgabe der Politik sei aber etwa eine Verkürzung der hier zu Lande besonders langen Ausbildungszeiten, verbunden mit effizienteren Strukturen für Schule und berufliche Bildung. Auf einer Linie mit anderen Verbänden drängt der BJU zudem auf niedrigere Mindest-Gehaltsgrenzen und Investitionssummen für ausländische Arbeitnehmer und Firmengründer, die hier zu Lande tätig werden wollen. In der großen Koalition sperrt sich bisher vor allem die SPD gegen solche Lockerungen.

Zudem fordert der BJU, das parallel geltende Vorrangprinzip zu lockern, wonach ausländischen Bewerbern nur dann Zugang gewährt wird, wenn nachweislich kein Deutscher verfügbar ist. Dies allein könne für die Mitarbeiter suchenden Unternehmen bereits „eine enorme Erleichterung“ bedeuten, so der BJU. Zumindest sollten kurzfristig solche Ausländer vom Vorrangprinzip ausgenommen werden, die hier zu Lande bereits ein Studium absolviert haben.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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