Kaffeegenuss
Vom Paten zum Papst

Mariella Krebs arbeitete lange in der Modebranche. Heute röstet sie Espressokaffee über Olivenholz. Selbst das saudische Königshaus schlürft ihn.

Eine Straße schlängelt sich auf 420 Meter Höhe hinauf zum sizilianischen Bergdorf Forza d'Agró. Autos parken vor dem Dorfeingang, zu eng und verwinkelt sind die Gassen drinnen. Auf dem Dorfplatz sitzen alte Männer, drumherum eine Bar, ein Restaurant, eine Apotheke, ein Bäcker, ein Lebensmittelladen - und drei katholische Kirchen. Kurze Berühmtheit erlangte das 900-Seelen-Dorf, als Francis Ford Coppola hier seinen "Paten" drehte. Nachhaltiger sorgt heute Mariella Krebs für den Ruf des Dorfes, in dem sie geboren wurde. 2007 gründete die heute 40-jährige Italienerin in Düsseldorf das Unternehmen Maria-Sole, das mit sizilianischer Rösttechnik einen Espressokaffee produziert, der zu den besten Europas zählt.

Im ersten Stock eines farblosen Verwaltungsgebäudes in Düsseldorf-Lörick hat sie ihr Büro, umringt von Parkplätzen und Industrieflachbauten. Es riecht eher nach Abriss als nach Kaffee. "Irgendwann soll das Gebäude entfernt werden - für ein neues Büroareal. Bis dahin bleiben wir noch. Die Miete ist günstig", sagt Mariella in fließendem Deutsch. Abitur und Ausbildung hat sie in Würzburg gemacht. Ihre Familie schickte die damals 15-Jährige dorthin. Für Mariella kein Problem. "Ich war immer schon sehr selbstständig." Nach einem Auslandsjahr in England kehrte sie nach Würzburg zurück. "Ich wollte schnell in die Praxis und etwas Kreatives machen", sagt sie. So absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung bei René Lezard im nahe gelegenen Schwarzach. Drei Jahre später kam der Wechsel zum Modelabel S.Oliver, wo sie Einkauf, Vertrieb und Merchandising verantwortete.

Nach ihrer Hochzeit und der Geburt der ersten von drei Töchtern, Mariasole, wuchs eine Idee. "Der Espresso, der in Deutschland verkauft wurde, war langweilig. Alles schmeckte gleich", meint Mariella. "Wir wollten besonderen Espresso machen, einer, der gut aussieht und besser schmeckt als die handelsüblichen Sorten." Schließlich kam der jungen Mutter ihr Patenonkel in den Sinn, der eine Kaffeerösterei auf Sizilien besaß und auf dessen altes Röst-Rezept sie heute schwört: Anders als in Großröstereien, wo die Bohnen durch Induktionsverfahren oder gasbeheizt in großen Mengen geröstet werden, lässt Mariella die Bohnen langsam in kleinsten Mengen im Trommelröstverfahren erhitzen. Die Besonderheit: "Das offene Feuer aus Olivenbaumholz bewirkt eine schonende und geschmacksfördernde Röstung. Das Holz stammt vom alljährlich anfallenden Schnittholz der Olivenbäume", erklärt die Gründerin. Die Röstung dauert etwa 30 Minuten - ist damit fast fünf Mal intensiver als beim Massenespressokaffee. Neben der Maschine des Paten aus dem Jahr 1920 kommen auch zwei neue zum Einsatz.

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