Kaffeekönig Darboven
„Man kann nicht mit der Tradition brechen“

Er ist eine Legende unter den deutschen Kaffeeröstern. Im Handelsblatt-interview spricht Albert Darboven über seine Pferdezucht, hanseatisches Traditionsbewusstsein, Schießereien in Südamerika und Schwiegermütter mit Klappaltaren.

Herr Darboven, ein italienisches Sprichwort besagt: Eine gute Tasse Kaffee muss schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe sein. Kann ein 73-jähriger hanseatischer Pfeffersack wie Sie so ein Produkt überhaupt noch anbieten?

Ja, klar, dieses Sprichwort trifft auf romantisch, kreative Art den Nagel auf den Kopf. Das ist mein ganzes Kaffeeverständnis in einem Satz zusammengefasst.

Ist die Bezeichnung Pfeffersack eigentlich eine Beleidigung oder ein Kompliment? Teilweise wird der Begriff ja auch als Synonym für reiche, rücksichtslose Menschen verwendet.

Für mich ist es eher ein Kompliment, ich sehe das nicht so abfällig. Es passt auch ganz gut, weil ich ja seit einiger Zeit auch mit Gewürzen handele. Insofern sitze ich mit einer Pobacke auf dem Kaffeesack und der anderen auf den Gewürzen. Insgesamt sorgt das dann wieder für eine gerade Haltung.

Wie kam es dazu?

Gewürze und Kaffee sind ja nicht ganz artfremd. Es geht immer um Naturprodukte, Geschmack und Aromen. Das Witzige war: Als ich die Gewürzmühle in Süddeutschland erworben habe, habe ich kurze Zeit später hier im Archiv eine Gewerbeanmeldung meines Urgroßvaters gefunden. 1869 hat er von der Hamburger Polizeibehörde die Genehmigung zum Gewürzhandel erhalten. Es ist also eine Rückkehr zu den Wurzeln.

Zurück zum Kaffee. Wie trinken Sie ihn am liebsten?

Als Filterkaffee, schwarz, ohne Milch und ohne Zucker.

Stimmt es, dass beim Filterkaffee die Aromen am besten herauskommen?

Heutzutage gibt es ja die unterschiedlichsten Zubereitungsarten. Da soll jeder entscheiden, was ihm am besten gefällt. Ich mache da niemandem Vorschriften.

Also ist diese Latte-Macchiatisierung der Gesellschaft keine Geschmacksverirrung?

Nein, das ist der Wunsch der Kunden nach der italienischen Kaffeekultur. Die wurde hier mit offenen Armen aufgenommen. Ich freue mich darüber, weil Kaffee so auch zum Lifestyleprodukt geworden ist. Dadurch können wir die jungen Leute viel besser ansprechen.

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