Kalkproduzenten
Mittelstand geht mutig in Richtung Osten

Deutsche Kalkproduzenten sehen in Osteuropa und Asien glänzende Perspektiven und investieren vermehrt in diese Regionen. Vor allem in wachsenden Märkten wie Russland und China steigt die Nachfrage nach dem universal einsetzbaren Rohstoff.

DÜSSELDORF. Am russischen Wirtschaftswunder wollen auch die Fels-Werke aus Goslar teilhaben. Im kleinen Städtchen Towarkowo, rund 180 Kilometer südwestlich von Moskau, errichtet Fels ein mittelgroßes Kalkwerk, das Ende 2008 seinen Betrieb aufnehmen soll. 200 000 Tonnen Kalk werden den Plänen nach jährlich abgebaut und zu verschiedensten Produkten verarbeitet. An Abnehmern im Großraum Moskau mangelt es nicht - auf 2,5 Millionen Tonnen schätzt Fels den jährlichen Kalkbedarf. Das ganze Land benötige gar die vierfache Menge - Tendenz steigend. "Russland bietet riesige Chancen, wenn man sich gründlich auf den Markteintritt vorbereitet", sagt ein Firmensprecher.

Den Neubau in Towarkowo realisieren die Niedersachsen, die mit einem Umsatz von 200 Mill. Euro zu den größten Anbietern in Deutschland zählen, daher im Rahmen eines Joint Ventures mit einem russischen Unternehmen. "Ohne diesen Hintergrund wäre ein Werksneubau äußerst schwierig geworden, die bürokratischen Hürden für Genehmigungen sind sehr hoch", so der Sprecher.

Dabei ist Fels nur ein Rad im Getriebe: Die Goslarer gehören zur Duisburger Xella-Unternehmensgruppe, deren Expansion nach Osten ohne Unterlass läuft. Im Jahr 2007 erweiterte der europäische Baustoffriese seine Kapazitäten in der Slowakei und Polen, errichtete neue Werke im Kosovo, in China und Russland. Dort, in Mozhajsk, hat 2007 ein neues Porenbetonwerk die Produktion aufgenommen - und soll alsbald aus dem nur rund 100 Kilometer entfernten Towarkowo mit Rohstoffen beliefert werden. Damit ist die Rohstoffversorgung des Xella-Werkes durch die Unternehmenstochter sichergestellt. "Wachstumschancen sehen wir insbesondere in Osteuropa", sagt Jan Buck-Emden, Chef der Gesellschaft Xella International.

Noch weiter östlich hat sich unterdessen die Firma Schaefer Kalk eingerichtet. In China stieg das rheinland-pfälzische Familienunternehmen schon 2005 mit einem Mehrheitsanteil in ein Joint Venture eines Kunden aus der Papierindustrie ein und betreibt nun in Hangzhou eine Produktionsanlage für Kalk und gefälltes Calciumcarbonat. Die chinesischen Kunden müssen seitdem nicht mehr aus Malaysia und Deutschland beliefert werden. "In China gibt es teilweise hohe Auflagen für die Errichtung von Produktionsanlagen, besonders umwelt- und eigentumsrechtlicher Art", sagt Geschäftsführerin Heike Horn. "Unterstützung durch chinesische Partner und Rechtsanwälte ist zwingend notwendig", sagt Horn.

Seine jüngste Investition tätigte Schaefer Kalk im tschechischen Olsany, unweit der polnischen Grenze. Um einen Kunden aus der Papierindustrie dort zuverlässig mit Calciumcarbonat beliefern zu können, stampften die Deutschen im vergangenen Jahr eine Anlage für gefälltes Calciumcarbonat mit einer Kapazität von 15 000 Tonnen pro Jahr aus dem Boden. Das Produkt wird seitdem in flüssiger Form direkt in den Papierherstellungsprozess eingeleitet. Trocknungs-, Lagerund Transportkosten können so in erheblichem Umfang eingespart werden.

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