Kampf gegen Plagiate
Mit echtem Ehrgeiz gegen falsche Hammer

Seit Jahren kämpfen Werkzeugmacher gegen Plagiate und unsichere Kopien aus Fernost. Rainer Langelüddecke, Geschäftsführer des Fachverbandes Werkzeugindustrie, hat den Fälschungen den Kampf angesagt. Seit 15 Jahren leistet der Verbandeschef Aufklärungsarbeit für die Industrie.

KÖLN. Wer mit Rainer Langelüddecke mal eben in den Baumarkt gehen und einfach nur ein Paket Dübel kaufen möchte, muss Geduld mitbringen. „Mal eben in den Baumarkt“ – das geht mit Langelüddecke nicht gut. Egal, wohin der Mann kommt, erst mal geht er in den Gang mit der Werkzeugwand und schaut sich die günstigsten Angebote an. Der Blick auf Zangen, Schraubenzieher und die Inbusschlüssel ist berufsbedingt. Langelüddecke ist der Geschäftsführer des Fachverbands der Werkzeugindustrie in Remscheid – und immer auf der Suche nach Anschauungsmaterial.

Über die Angewohnheit lächelt er denn auch: „Das ist doch völlig normal, so wie Menschen aus anderen Berufssparten ebenfalls den Markt beobachten.“ Als Verbands-Geschäftsführer beobachtet er mit seinen fünf Mitarbeitern den Markt freilich bereits seit 15 Jahren. Billiges Werkzeug, das nach wenigen Arbeitseinsätzen den Geist aufgibt, bekommt dabei das geringste Augenmerk. Auf seiner Agenda steht an oberster Stelle das zunehmende Problem von Produktkopien.

„Plagiate sind Komplimente, die eigentlich keiner haben will“, erklärt der Geschäftsführer mit leichter Ironie – sehen doch manche Kulturen den Nachbau erfolgreicher Waren tatsächlich als eine Art Akt der Verbeugung . Bereits im Jahre 1988 veranstaltete Langelüddecke mit seinem Verband auf der Eisenwarenmesse eine Sonderwerkschau mit Produktkopien, die alle paar Jahre wiederholt wurde. „Da kommen sie ins Staunen, wie nicht nur das Werkzeug, sondern bis ins kleinste Detail von Farbe und Aufschrift der Verpackung das Produkt nachgemacht wird. Die Qualität ist selbstverständlich nicht so gut wie die des Originals“, erklärt der 53-Jährige.

Bei dem Kampf gegen die Nachahmung hat er die Moral auf seiner Seite – viele der 140 Mitglieder sind familiengeführt. Ein typisches Unternehmen der Branche hat im Durchschnitt 30 Mitarbeiter. Da ist es mühselig, wenn die Arbeitskraft auch noch für die Verfolgung schlechter Kopien draufgeht. Doch Langelüddecke fordert seine Mitglieder immer wieder auf, nicht aufzugeben und nicht zu resignieren. Immerhin schätzt er, dass bis zu 15 Prozent der weltweiten Werkzeugproduktion aus Plagiaten besteht. Für große Detekteien wie das weltweit operierende US-amerikanische Unternehmen Pinkterton ist der Schutz von Markenrechten bereits seit mehreren Jahren ein eigener, gut laufender Bereich. Doch die wenigsten Familienunternehmen können sich die Kosten für eine solche Detektei leisten.

Die Ursachen der Produktpiraterie liegen denn auch nicht auf dem heimischen Markt, da es hier noch leicht fällt, Patentrechte zu wahren. „Da die Exportquote von unseren Mitgliedern bei etwa 60 Prozent liegt, existieren die Plagiate eher in Drittländern. Ich erinnere mich an eines unserer Mitglieder aus dem Zangenbereich, das mit seinen Produkten im Mittelmeerraum Fuß fassen wollte. Die Handelspartner waren verwundert, weil sie die Zangen des Herstellers bereits im Sortiment hatten – als perfekte Kopien. Die Plagiate sind offenbar über Syrien dorthin gelangt.“

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