Kannegiesser
Ein Familienunternehmer und Verbandspräsident

Martin Kannegiesser führt ein Doppelleben: Als Familienunternehmer und mächtiger Präsident von Gesamtmetall pendelt er zwischen Ostwestfalen und Berlin - und das erfolgreich.
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Berlin, DüsseldorfEs war an der Kanzlerin, den großen Bogen zu schlagen. Sie habe, erzählte Angela Merkel, am Rande einer der zahllosen Eurokrisensitzungen einmal IWF-Chefin Christine Lagarde gefragt, was denn für sie die größte Erfindung der Menschheit sei: „Das iPad – und die Waschmaschine“, habe die Französin spontan geantwortet.

Nun stellt der mittelständische Unternehmer Martin Kannegiesser zwar keine Maschinen für den Familienhaushalt her sondern für Großwäschereien, darf sich aber nun dank der Überzeugung der zwei mächtigsten Frauen auf der Welt in der Reihe der Unternehmer sehen, die für die Menschheit Bedeutendes geleistet haben.

Mit Ironie und Wortwitz nimmt er an diesem  Novemberabend des vergangenen Jahres die Lobeshymnen der Kanzlerin zu seinem siebzigsten Geburtstags in Berlin entgegen. Kannegiesser ist ein bescheidener Mann. Er ist keiner, der sich gern im Mittelpunkt sieht, auch wenn sich das als Unternehmer, der gleichzeitig noch Präsident des mächtigen Arbeitgeberverbands Gesamtmetall ist, nicht immer vermeiden lässt. Aber er genießt die Wertschätzung quer durch alle Lager, bis in die Spitzen der Republik: Ein  Familienunternehmer aus der ostwestfälischen Provinz mit ausgeprägter gesellschaftspolitischer Verantwortung und dem Mut,  neue Wege zu gehen.

Früh hat er damit angefangen – notgedrungen. Mit gerade 25 Jahren wird er Vertriebsleiter in der väterlichen Maschinenfabrik im ostwestfälischen Vlotho, die damals, 1966, noch auf Hemden-Bügelmaschinen spezialisiert war und mit 150 Beschäftigten einem Umsatz von 15 Millionen D-Mark erzielte. Kurz darauf übernimmt er den Betrieb, als sein Vater plötzlich stirbt. Heute ist die Herbert Kannegießer GmbH Weltmarktführer auf dem Gebiet der industriellen Wäschereitechnik und setzt mit Waschmaschinen, Trocknern und Mangelstraßen 260 Millionen Euro um. Rund 1 300 Beschäftigte arbeiten in den fünf deutschen Standorten und einem Betriebsteil in England, zum Teil schon in der dritten Generation.

Der Weg zur Weltspitze war durch Krisen und Umbrüche geprägt. Zeitweise stand die Firma am Rande der Existenz, immer wieder musste sie sich neu erfinden, neue Märkte und Kunden suchen. In den sechziger Jahren kamen die bügelfreien Hemden in Mode, später packte die Textilindustrie der Region ihre Sachen und brach nach Asien auf, weil sich dort billiger produzieren ließ. Bügelmaschinen waren kaum noch gefragt.

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