Kapitalbasis gestärkt
Mittelstand ist in seiner „Höchstform“

Der deutsche Mittelstand hat seine Kapitalbasis laut einer Auswertung der Sparkassen weiter gestärkt und befindet sich in Rekordverfassung: Doch ohne ein „aber“ geht es nicht - denn die Stimmung trübt sich langsam ein.
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BerlinTrotz Schuldenkrise hat der deutsche Mittelstand seine Kapitalbasis gestärkt. Die Betriebe steigerten ihre Eigenkapitalquote im vergangenen Jahr von 18,6 auf 20,7 Prozent und erreichten damit den höchsten Wert seit 15 Jahren, wie aus einer Studie des Sparkassenverbands DSGV hervorgeht. "Mittelständische und familiengeführte Unternehmen in Deutschland haben mit beachtlichem Aufwand ihre betriebswirtschaftliche Situation verbessert. Sie sind aktuell in Rekordverfassung und hoch rentabel", sagte DSGV-Präsident Georg Fahrenschon am Donnerstag. Die starke Eigenkapitalbasis und die weiter steigende Rentabilität hätten die Krisenresistenz des Mittelstands erneut verbessert.

Der DSGV wertete in seiner Analyse 36.700 Unternehmensbilanzen von 2011 aus. Die Eigenkapitalquote beschreibt das Verhältnis des Eigenkapitals zum Gesamtkapital eines Unternehmens. Je höher der Anteil ist, desto finanziell stabiler und unabhängiger gilt die Firma.

Die "Deutsche Handwerks Zeitung" berichtete, die Einschätzung der aktuellen und künftigen Lage in den Handwerksbetrieben rangiere nahezu auf einem Allzeithoch. Die Verunsicherung über den Verlauf der Konjunktur sei im Handwerk noch nicht angekommen.

Die Verschärfung der Schuldenkrise und die wachsende Unsicherheit macht der deutschen Wirtschaft aber immer mehr zu schaffen - auch dem Mittelstand. Dies geht aus jüngsten Umfragen hervor. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung der Familienunternehmer: "Das Stimmungsbild unserer befragten Mitglieder trübt sich. Dennoch zeigt sich die wirtschaftliche Lage noch relativ robust", sagte Verbandspräsident Lutz Goebel. Die Unberechenbarkeit der Wirtschafts- und Finanzpolitik sei für die Firmen das größte Hindernis für Investitionen. Zudem sei die Auftragslage so schlecht wie zuletzt im Frühjahr 2010.

Nach dem starken Jahresauftakt dürfte die gesamte Wirtschaft im zweiten Quartal deutlich an Fahrt verloren haben. Das DIW-Institut geht von 0,2 Prozent Wachstum aus, nach zuvor plus 0,5 Prozent. Auch im laufenden dritten Quartal dürfte es laut DIW nur um 0,3 Prozent bergauf gehen. "Die Turbulenzen im Euroraum bleiben eine Belastung für das Wachstum in Deutschland", erklärten die Berliner Forscher. Die heimische Wirtschaft könne sich nicht vom schwachen Umfeld im Währungsgebiet abkoppeln.

Auch die Konjunkturerwartungen der Verbraucher sind laut GfK-Konsumklima gedämpft. Unter dem Eindruck der Schuldenkrise hätten auch die Einkommenserwartungen im Juli gelitten. Die Konsumneigung zeige sich jedoch von den steigenden Konjunkturrisiken "im Wesentlichen unbeeindruckt".

Unterm Strich blieb das Konsumklima daher laut GfK "weiterhin konstant". Stabile Aussichten für die Beschäftigung und sinkende Arbeitslosigkeit sowie höhere Einkommen ließen die Planungssicherheit für die Verbraucher steigen. Auch für den August werde deswegen damit gerechnet, dass das Konsumklima weiter leicht ansteige, erklärte die GfK.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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