Kapitaleinsatz
Flüssig bleiben mit Kapital-Management

Working Capital Management hilft Unternehmern, ihren Kapitaleinsatz zu senken. So schaffen sie neue finanzielle Spielräume und das oft mit simplen Kniffen. Dabei ist gute Kommunikation gefragt - mit Kunden wie mit Lieferanten.

KÖLN. Frisches Kapital ist für viele Unternehmer im Moment schwer zu bekommen. Angesichts der Finanzkrise sind viele Banken mit Krediten wenig freigiebig. Das bestätigte jüngst eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter mehr als 500 Finanzverantwortlichen von Unternehmen in Europa und den USA: 92 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Kunden aufgrund der Finanzkrise um eine Verlängerung der Zahlungsfristen gebeten haben. Und 87 Prozent bestätigten, dass Lieferanten auf eine schnellere Bezahlung von Rechnung drängen, weil der Zugang zu Krediten schwieriger geworden ist.

Viele Unternehmen haben auf diese Situation längst reagiert. "Sie arbeiten daran, ihr Kapital noch effizienter einzusetzen als bisher", sagt Lars Richter, Projektleiter bei der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner. Dazu zählt beispielsweise ein verbessertes Working Capital Management. Hierzu zählen Fachleute den effizienten Einsatz des vorhandenen Kapitals und das wirkungsvolle und schnelle Eintreiben offener Forderungen.

Dahinter verbirgt sich eine einfache Rechnung: Unternehmer, die das Kapital sinnvoll einsetzen und die Kapitalbasis schonen, benötigen weniger Fremdkapital. "Es ist eine Rückbesinnung auf die altbewährte Innenfinanzierung zu beobachten", sagt Richter.

Ein sinnvolles Working Capital Management findet dabei auf mehrere Ebenen statt. Zunächst verbessern Unternehmen ihr Forderungsmanagement: Sie wollen schneller an das Geld der Kunden kommen und Lieferantenkredite möglichst klein halten. Dafür sollten sie von Anfang an guten Kontakt zu den Kunden halten, um über Zahlungsziele zu sprechen, raten Experten. "Dahinter verbirgt sich keine Bonitätsüberwachung", sagt Unternehmensberater Christoph Nerke, der Unternehmen im Liquiditätsmanagement berät. Vielmehr geht es um die Frage: "Was kann ich als Unternehmer tun, dass der Kunde meine Rechnungen schnell bezahlt?"

So können Firmen zum Beispiel den Rechnungsempfängern noch vor Ablauf der Zahlungsfristen eine Erinnerung schicken, so dass es im Idealfall gar nicht zu Verzögerungen und Mahnungen kommt. Aber auch der Forderungsverkauf an Factoring-Gesellschaften ist für Unternehmer eine Möglichkeit, die Liquidität zu erhöhen. "Viele Unternehmer unterschätzen immer noch die Vorteile eines Forderungsverkaufs", sagt Nerke, der von Firmen weiß, die auf diese Weise die Umsatzrendite um fünf Prozent verbessern konnten.

In einem weiteren Schritt können Unternehmen den Kapitaleinsatz senken, indem die Prozesse in Einkauf, Produktion und Vertrieb aufeinander abgestimmt werden. Berater Nerke erzählt von einem Fall, in dem ein Rollladenhersteller jeweils große Mengen an Rohmaterial von seinem Lieferant erhielt, das erst einmal ins Lager wanderte. Während die Zahlungsfrist jedoch ab Lieferdatum lief, sah der Rollladenbauer das Geld seiner Kunden erst nach der schrittweisen Fertigstellung der Rollläden, also sehr viel später - und kam in Zahlungsschwierigkeiten. Die Lösung war denkbar einfach, sagt Nerke: "Der Unternehmer erhielt in Zukunft weniger Material in kürzeren Abständen. Dadurch konnte er die Rechnungen beim Lieferanten direkt begleichen."

Firmen können ihr Lager aber auch ganz abschaffen. Stattdessen bestellen sie Rohstoffe und Vorprodukte von Logistik-Anbietern "Just in Time". Und auch nach der Fertigstellung gehen die Produkte ohne Zwischenlagerung an den Kunden. Auf diesem Weg sinkt die Summe des Umlaufvermögens und der offenen Forderungen um 20 bis 30 Prozent, verspricht Unternehmensberater Richter. "In manchen Fällen sind sogar 50 Prozent möglich."

Auch Sonderkonditionen und Rabatte von Seiten der Zulieferer können die Liquidität von Unternehmen verbessern, vorausgesetzt, sie erkundigen sich danach. "Häufig sind die Lieferanten zu mehr bereit, als die Kunden überhaupt fordern" berichtet Nerke. "Besonders kleine und mittelständische Unternehmen fragen viel zu wenig nach."

Während Industrieunternehmen vor allem über die Kommunikation mit den Lieferanten ihren Kapitaleinsatz senken können, haben Dienstleister diese Möglichkeit in der Regel nicht. Doch auch hier gibt es Stellschrauben. So kann ein Unternehmer mit seinen Kunden über Abschlagszahlungen verhandeln. "Das funktioniert besser als landläufig angenommen", weiß Liquiditätsexperte Nerke.

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