Kapitalgeber und Kapitalnehmer kommen zusammen
Mittelständler können auf „kreatives Kapital“ hoffen

Viele mittelständische Unternehmen leiden in Deutschland unter der anhaltend schwachen Konjuktur. Nicht wenige müssen Insolvenz anmelden, da die Hausbanken Kredite verweigern und andere Finanzierungsquellen nicht mehr existieren. Für einige könnte die unabhängige Londoner Merchant Bank Augusta Finance die Rettung sein.

vwd HAMBURG. Sie hat sich auf Beratung und Platzierung von Fremd- und Eigenkapital für den europäischen Mittelstand spezialisiert. Die Mitarbeiter der Bank bringen private Kapitalgeber und Kapitalnehmer zusammen, wie der für das Deutschland-Geschäft verantwortliche Partner Benedikt von Schröder sagt.

Die erste Transaktion steht vor dem Abschluss. Ein mittelständisches Unternehmen der Verpackungsindustrie kann demnächst über 70 Mill. Euro verfügen. So soll es auch anderen Unternehmen gehen, die „kreatives Kapital“ aus privater Hand - von Versicherungen, Fonds und anderen Investoren - erhalten. Kreativ, weil es keine fertigen Finanzkonzepte gebe, zu denen die Unternehmen passen müss ten, betont von Schröder. Mittelpunkt seien die Unternehmen mit ihren individuellen Bedürfnissen. Haben die Berater aus der Interessentenschar ein Unternehmen herausgefiltert, werden die geeignete Kapitalstruktur ermittelt und die passenden Geldgeber gesucht.

Diese Art der Mittelstandsfinanzierung ist kein absolutes Neuland, sie wird in den USA schon seit längerem erfolgreich praktiziert. „Das funktioniert auch in Europa“, zeigt sich von Schröder sicher. Zwar sei auf diesem Wege vermitteltes Geld für das Unternehmen teurer als ein Bankkredit, fordere dafür aber auch nicht die Sicherheiten, die Kreditinstitute sehen wollten. Günstiger als Eigenkapital sei kreatives Kapital allemal, sagt von Schröder. Der Charme liege in der individuellen Ausgestaltung, die die Finanzbasis des Unternehmens verbreitere. Nachhaltiger Cash-Flow ist ein Auswahlkriterium

Allerdings kann nicht jedes liquiditätsschwache Unternehmen in diesen Genuss kommen. „Wir können nichts finanzieren, was nicht einen nachhaltigen Cash-Flow generiert“, sagt von Schröder. Die Investoren wollten ihr Geld irgendwann zurückbekommen. Somit fielen viele Internet-Start-ups schon einmal heraus. Außerdem müsse die Story „interessant“ sein. In Frage kommen beispielsweise Unternehmen, die ein gut gefülltes Auftragsbuch haben, im Moment aber Geld für Investitionen benötigen.

Die mittelständischen Unternehmen kommen seit einiger Zeit vermehrt unter Druck. Sie leiden an einer zu geringen Ausstattung mit Eigenkapital und haben deswegen Schwierigkeiten, gerade jetzt Geld von den Banken zu bekommen. Die Kreditinstitute, die verstärkt faule Kredite abschreiben müssen, halten sich bei Neuvergaben inzwischen sehr zurück. Viele verabschieden sich sogar ganz aus dem Geschäft der Mittelstandsfinanzierung - Platz für Finanzberater, die sich am Markt tummeln. Viele von ihnen wüssten aber nicht, „was der Markt ist“, und hätten auch keinen Zugang zu geeigneten Investoren, sagt von Schröder.

Die Londoner Bank hingegen schöpfe aus der langjährigen Berufserfahrung ihrer Beschäftigten und den daraus resultierenden Kontakten. Trotzdem beinhaltet das Geschäft Risiken. Zum einen dürfen sich die Berater nicht verzetteln. Die Gefahr bestehe, da viele Mittelständler Geld benötigten und ihr Reporting oft schlechter als bei Großunternehmen sei. „Da muss man schnell erkennen, ob ein Engagement in Frage kommt“, sagt von Schröder. Fehler dürfen nicht gemacht werden

Zum anderen darf die Bank nicht auf das falsche Pferd setzen. Der Ruf sei schnell ruiniert, sagt von Schroeder. Bis Jahresende plant er zwei weitere Projekte in Deutschland. Am Ende der Aufbauphase sollen hier durchschnittlich 500 Mill. bis 700 Mill. EUR pro Jahr platziert werden, wobei wenig große Transaktionen wegen des Aufwandes angenehmer seien als viele kleine. Zwischen vier und sechs Monate vergehen, bis ein Geschäft unterschriftsreif ist.

Der Mittelstand leidet nicht nur unter Geldmangel. Unternehmen mit gutem Geschäftsmodell haben teilweise schwache Manager. „Viele Unternehmen finden nicht die Formel, gutes Management an sich zu binden“, sagt von Schröder. Es sei teilweise noch verpönt, gutes Führungspersonal durch Beteiligungen am Unternehmen zu halten. Außerdem sei die Besetzung des Finanzvorstandes eine der wichtigsten Entscheidungen. „Chief Executive Officer und Chief Financial Officer müssen gleich stark sein“, fordert von Schroeder, „sonst funktioniert es nicht optimal“.

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