Kapitalsuche
Die Anleihe als Wachstumsturbo

Das Thema Anleihen und Börsengänge ist bei Mittelständlern zur Zeit „en vogue“ - denn um zu wachsen benötigen sie Kapital. Mit der sinkenden Abhängigkeit von den Hausbanken winken aber auch neue Pflichten.

KölnDer Abgesang auf die Atomkraft ist Wasser auf die Mühlen von German Pellets. Das Wachstum des Produzenten von Holzpresslingen dürfte durch die künftig stärkere Rolle der erneuerbaren Energien zulegen. Nach Angaben des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands wird die Zahl der Pelletheizungen in Deutschland dieses Jahr auf 165000 steigen. Vor zehn Jahren waren es 8000. Auch German Pellets wächst: 2010 nahmen die Wismarer 160 Millionen Euro ein, ein Drittel mehr als im Vorjahr.

Um das Wachstum zu finanzieren, hat der Mittelständler vor zwei Monaten eine Anleihe an der Stuttgarter Börse begeben und 80 Millionen Euro aufgenommen. Geschäftsführer Peter Leibold will damit das europäische Handelssystem ausbauen. "Hier sind auch Übernahmen möglich", sagt er. "Außerdem sind die Planungen angelaufen, in den USA ein Pelletwerk zu bauen."

Anleiheemissionen sind im Mittelstand gefragt. Die Börse in Stuttgart hat dafür vor gut einem Jahr das Segment Bondm eingerichtet. Seitdem haben 16 Unternehmen Anleihen mit einem Emissionsvolumen von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro begeben. Über die Düsseldorfer Börse platzierten immerhin drei Unternehmen in den vergangenen zwei Monaten Anleihen.

"Hausbanken bleiben die wichtigsten Ansprechpartner", sagt Sabine Traub, Anleiheexpertin der Börse Stuttgart. "Gleichzeitig strebt der Mittelstand auf der Fremdkapitalseite mehr Flexibilität, Unabhängigkeit und Diversifikation an."

Vor allem schnell wachsende Unternehmen benötigen viel Geld, um Märkte zu erschließen, Vertriebsnetze aufzubauen oder Produkte zu entwickeln. Nach einer aktuellen Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wollen 53 Prozent der Firmen investieren - so viele wie seit vier Jahren nicht mehr. Bei der Finanzierung wollen sich Mittelständler aber nicht mehr nur auf ihre Hausbank verlassen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft ermittelte vergangenen Herbst, dass es zwei Dritteln der Firmen zu lange dauert, bis die Kredite fließen. Höhere Risikoaufschläge und die Forderung nach mehr Sicherheiten führen dazu, dass viele Unternehmen Investitionen aus eigener Kasse stemmen.

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