Kein Dunst
Mittelstandsverbände wollen Raucherpausen streichen

Die Luft für Raucher wird immer dünner: Wirtschaftsverbände wollen jetzt sogar die Kippenpause während der Arbeit streichen. Als Vorbild dient Skandinavien. Doch selbst Nichtraucher schütteln den Kopf.
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BerlinAm Schreibtisch ist die Kippe zwischendurch in den meisten Firmen längst tabu. Jetzt wollen Unternehmensverbände den blauen Dunst während der Arbeitszeit generell verbieten. Der Zigarettenpause droht das Aus - egal, ob im eigenen Raucherraum oder im Nieselregen vor der Tür. Qualmen soll nur noch in der Mittagspause und nach Feierabend erlaubt sein, fordert der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. Ihm geht es auch ums Geld, denn Raucherpausen sind angeblich für die Firmen teuer.

„Gymnastik statt Glimmstängel“, das ist Ohovens Vorschlag für Pausen während der Arbeitszeit. Mit dem blauen Dunst jedenfalls soll Schluss sein, verlangte er in der „Bild“-Zeitung. Der Arbeitsablauf in den Betrieben werde durch häufige Unterbrechungen empfindlich gestört. Außerdem könnten sich Nichtraucher - die weniger Pausen nehmen - gegenüber den rauchenden Kollegen benachteiligt fühlen, befürchtet die Chefin des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft (UMW), Ursula Frerichs. „Es kann nicht sein, dass Nichtraucher bestraft werden“, sagte sie der Zeitung.

Vor allem aber soll der Rauch-Verzicht auch Geld sparen. Selbst bei nur drei fünfminütigen Zigarettenpausen am Tag koste ein Raucher seinen Arbeitgeber im Jahr deutlich über 2000 Euro, rechnet der BVMW vor. „Und viele kommen mit drei Zigaretten nicht aus.“ Einer 2009 vom Deutschen Krebsforschungszentrum veröffentlichten Studie der Universität Hamburg zufolge kosten die Kippenpausen deutsche Unternehmen im Jahr mehr als 28 Millionen Euro - das ist allerdings nur ein winziger Teil der Kosten, die durch Rauchen für die Gesellschaft insgesamt anfallen.

Von den Gewerkschaften hagelt es trotzdem deutliche Kritik: „Die Behauptung, Raucherpausen würden den Arbeitsablauf stören oder gar den Betrieb lahmlegen, ist geradezu grotesk“, erklärte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Pausen seien angesichts der zunehmenden Arbeitsbelastung immer wichtiger. Ein Rauchverbot auch während dieser Pausen erhöhe unnötig den Druck auf die Arbeitnehmer. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich ablehnend: „Ein Rauchverbot in kleinen Pausen vor der Tür wäre eine massive Diskriminierung - und ein Schritt Richtung Nichtraucher-Diktatur“, sagte er der Zeitung.

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