Keine Krisenstimmung
Internet-Startups bleiben gelassen

Die Start-Up-Branche verliert ihren Optimismus auch in der Krise nicht. Denn für gute Ideen im Internet gibt es auch in schwierigen Zeiten genug Startkapital. Die jungen, deutschen Gründer profitieren vor allem vom Netzwerk ihrer erfahrenen Geldgeber.

BERLIN. Ein mit Tesafilm angepappter Zettel mahnt, nichts abzustellen auf dem weißen, hüfthohen Schränkchen. Nein es ist kein Kühlschrank, der hier im Flur steht, es ist der Server der Firma, die hier residiert. Und ohne diesen Server ginge erstmal wenig beim Beko Käuferportal. Also lässt man ihn tunlichst in Frieden.

Start-up-Atmosphäre am Berliner Gendarmenmarkt. Erst recht, wenn man den Chefs Robin Behlau und Mario Kohle begegnet; beide 24, beide bestens gelaunt, beide dynamisch bis zum Anschlag. Ihre Firma vermittelt Verkäufer von Standard-Investitionsgütern wie Telefonanlagen oder Kopierer an Mittelständler und senkt so deren Einkaufspreise. "Dieses Jahr wollen wir die Profitabilität schaffen", sagt Kohle, bei einem "deutlich sechsstelligen Umsatz. Da darf die Krise keine Ausrede sein." Überhaupt, die Krise, sagt Behlau: "Wir haben in der Krise angefangen. Wir wissen ja gar nicht, wie es ohne aussieht."

Optimismus ist in ihrer Branche verbreitet. Sicher, ohne Pleiten bleibt derzeit auch die Web-Unternehmensszene nicht. So meldete jüngst die Kinder-Plattform Smoodoos Insolvenz an. Doch während andere Branchen sich in Agonie ergehen, bleiben Deutschlands Internet-Start-ups gelassen.

Das sieht auch Lukasz Gadowski so. Er gründete den T-Shirt-Bedrucker Spreadshirt und wirkt nun mit seinem Team Europe Ventures als Geldgeber: "Verglichen mit anderen Branchen, zum Beispiel der Autoindustrie, können wir entspannt sein - hier und im Silicon Valley."

Reichlich Kopfnicken gab es, als er dies auf der Konferenz des Branchendienstes Techcrunch sagte. Rappelvoll war sie. 100 Leute, mehr passten nicht hinein. Anmeldungen gab es deutlich mehr.

Allerdings, gibt Gadowski zu: "Europa ist die Peripherie des Internet, die USA sind das Zentrum." Vor allem die Verflechtung von Wirtschaft und Technik funktioniere dort besser. In Deutschland bewegten sich die Programmierer und IT-Experten in einer anderen Welt als Geldgeber und Manager. Fünf Jahre sieht er das Silicon Valley voraus: "Aber das ist kein Grund zum Verzweifeln. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren enorme Fortschritte gemacht."

Dazu gehört auch, dass sich in Deutschland Strukturen herausbilden, die Gründern die ersten Schritte Richtung Selbstständigkeit erleichtern. Da ist zum einen Berlin: ein attraktiver und dennoch günstiger Standort. Hier lässt sich billig wohnen, leben und Büroraum mieten. Banken und Konzerne verderben nicht wie anderswo die Immobilienpreise. Eine große Zahl junger Firmen siedelt sich hier an.

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