Kettler meldet Insolvenz an: Das Kettcar rollt nicht mehr

Kettler meldet Insolvenz an
Das Kettcar rollt nicht mehr

Ein deutsches Traditionsunternehmen hat Schlagseite: Der Kettcar-Hersteller Kettler hat Insolvenz angemeldet. Die Firma will die Rettung in Eigenregie stemmen – ist aber nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten..
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Düsseldorf„Keep on running!“ ist heute auf der Facebook-Seite des Herstellers von Sport- und Freizeitgeräten Kettler zu lesen. Die Werbung für ein Laufband steht sinnbildlich für das Traditionsunternehmen aus Ense, das am Dienstagabend beim Amtsgericht Arnsberg Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat. Das berichten mehrere Regionalzeitung übereinstimmend. Dieser Schritt sei zum Schutz der Firma notwendig, um die „unabgestimmte Übernahme durch einen Finanzinvestor zu vermeiden und das Unternehmen neu auszurichten“, ließ das Unternehmen verlauten.

Firmengründer Heinz Kettler hatte das Unternehmen seit 1949 zu einem führenden Hersteller von Sportgeräten, Fahrrädern und Gartenmöbeln aufgebaut. Mit dem weltweit ersten Aluminium-Bike revolutionierte Kettler Ende der 70er-Jahre die Fahrradwelt, der Hometrainer „Golf" war in den 80er-Jahren eines der beliebtesten Fitnessgerät Europas, mit dem Tretauto Kettcar wuchsen Generationen von Kindern auf. Nach seinem Tod hat Tochter Karin das Unternehmen weitergeführt. Zuletzt hatten sich Gerüchte verdichtet, dass die Firma in Finanzierungsschwierigkeiten sei.

Der Geschäftsbetrieb soll normal weiterlaufen, so sieht es der Paragraf 270a der Insolvenzordnung vor. Bei einer Insolvenz in Eigenregie wird dem Management ein Sachwalter an die Seite gestellt. Die alte Geschäftsführung behält bei einem solchen Verfahren große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen. Zugleich ist die Firma aber vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt. Ziel ist dabei in der Regel eine Sanierung, nicht die Abwicklung.

Kettler soll durch Sachwalter Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case und den Restrukturierungsexperten Christian Krause bei der Sanierung unterstützt werden. Kettler hat neben dem Stammsitz in Ense in Nordrhein-Westfalen noch vier weitere Werke in Werl und zwei in Kamen. Bundesweit arbeiten rund 1.100 Beschäftigte für den Hersteller.

Mit der Insolvenz in Eigenverantwortung gebe es zumindest keine Entscheider von außerhalb – und man hoffe, dass durch diesen Schritt die Produktion in Deutschland gehalten werden können, sagte Thorsten Kasubke von der IG Metall gegenüber dem „Soester Anzeiger“. Wie ernst es um Kettler steht, könne man noch nicht sagen. Für Montagmittag sei in der Werler Stadthalle eine Betriebsversammlung für alle Werke geplant.

Kettler war während der Finanzkrise schon einmal in akuter Not. Das breite Sortiment von der Tischtennisplatte über Hollywoodschaukeln über Fitnessgeräte bis zu Fahrrädern hatte die Ausgaben nach oben getrieben. Zudem produziert Kettler auch heute noch zu einem Großteil in Deutschland. Und „Made in Germany“ ist eben kostenintensiv.

Das damalige Restrukturierungsprogramm sollte das Unternehmen verschlanken. Im Geschäftsjahr 2012/2013 machte Kettler laut Bundesanzeiger rund 197 Millionen Euro Umsatz, 2008 waren es noch etwa 300 Millionen Euro gewesen.

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  • Wirklich schade.

    KettCars habe ich geliebt, was gibt es Tolleres für Kinder?

    Und auch die Fahrräder sind topp.

    Mit meinem Trekking-Rad habe ich ein supertolles Fahrgefühl. Und so richtig stabil.

    Verstehe ich gar nicht, dass die Probleme haben.

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