Kirche und Kommerz

„Ich bete auch für die Mitarbeiter“

Religion ist für christliche Unternehmer mehr als ein ethischer Kompass. Viele sehen darin eine Ressource, aus der sie Kraft und Inspiration schöpfen, um gute Entscheidungen zu treffen. Gott und Geld passen zusammen.
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Michael Keppel in St. Andreas in Düsseldorf. Religion hilft auch bei harten Entscheidungen. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Michael Keppel in St. Andreas in Düsseldorf. Religion hilft auch bei harten Entscheidungen.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)
Düsseldorf

Michael Keppel trägt ein Kreuz um den Hals - es ist nur auf den ersten Blick nicht zu sehen. Denn es baumelt unter seinem weißen Hemd. Seinen Glauben versteckt der Katholik aber nicht. Immer wieder und ohne Scheu spricht er vom "Heiligen Vater", der "Audienz beim Papst" oder der "Wallfahrt nach Kevelaer".

Keppel ist aber kein Kirchenmann. Er ist Manager, und zwar in seinem ganzen Auftreten: gut gekleidet, gut genährt, leicht nach Rasierwasser duftend, sehr beredt. Nur hin und wieder, wenn er über sich persönlich spricht, schiebt der 46-Jährige die Schultern nach vorn, seine schmalen Augen verengen sich dann noch mehr und verraten so einen Hauch von Schüchternheit.

Keppel ist seit Jahren auf das härteste Geschäft spezialisiert, das es für einen Manager gibt: die Sanierung von Unternehmen. Immer wieder hat er es mit Beinahe-Zusammenbrüchen, hin und wieder sogar mit Betrugsfällen zu tun. So war er beim Stahlkonzern Klöckner & Co., der Drogeriekette "Ihr Platz", der Geldtransportfirma Heros und im Pharma-Imperium der Familie Merckle im Einsatz. Und zwar nicht nur als der feine Berater, sondern als echter Geschäftsführer auf Zeit: als der, der jeden Tag im Betrieb ist - und der auch die Kündigungen ausspricht, bei "Ihr Platz" allein waren es 800.

Keppel ist nur ein Beispiel für Unternehmer und Manager in Deutschland, die sich ausdrücklich als Christen bezeichnen. Hinter einigen bekannten Markennamen, zum Beispiel der Kleiderkette C&A und dem Schuheinzelhändler Deichmann, stehen Familien, die von der Religion geprägt sind und das im Alltag umsetzen wollen.

Viele der Familien blicken auf eine lange, sehr christlich geprägte Tradition zurück. Aber nicht alle. Keppel etwa kommt aus einer Unternehmerfamilie, den Glauben entdeckte der promovierte Betriebswirt aber erst während seines Studiums wieder: Als er sich mit der Rolle der Kirche in der Friedensbewegung befasste und deswegen Kontakt zu dem Priester aufnahm, der ihn getauft hatte. Ganz anders kam der Verleger Norman Rentrop zum Glauben: Er begann in einer Bibel zu lesen, die in einem Hotelzimmer auslag, und stellte fest: "Da bin ich gemeint!" Außerdem begeisterte ihn der amerikanische Prediger Billy Graham.

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6 Kommentare zu "Kirche und Kommerz: „Ich bete auch für die Mitarbeiter“"

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  • Solange sich der Mensch im Zentrum allen Denkens und Handelns sieht und Gott irgendwo anders vermutet wird, wird sich an der tatsächlichen Situation nichts verändern. Denn was drückt allen der Schuh? Die Angst vor der Veränderung, die gerade im großen Stil im Gange ist und Altbewährtes über den Haufen wirft.

    Da gibt es nur einen Weg: Neues zulassen, lernen, umdenken und sich anpassen. Das ist alles.

    Achso. Wohin umdenken?

    Die MEhrheit hat in Dingen und einzelnen Problemen zu denken gelernt. Ws weiterhilft, ist das Denken in dynamisch vernetzten Beziehungsmustern, wechselseitigen Abhängigkeiten, kybernetischen, symbiotischen, synergetischen und kausalen Wirkmechanismen.

    Dann wird zum einen klar, dass alle sich mehrheitlich mit Symptomen beschäftigen und das, was man Gott nennt in jedem Menschen selbst wirkt.

    Danach muss man nur noch tun.

  • Ich finde das durchaus treffend. Wirklich "nachhaltig" oder "christlich" ist das kirchliche Arbeitsrecht ja wirklich nicht. Und wenn Unternehmer mit der Engstirnigkeit der Kirche handeln, wird mir auch Angst und bange. Welcher Unternehmer handelt denn wirklich christlich? Wer entscheidet was christlich ist? Ich finde die Gewerkschaften haben da ein deutlich besseres Verständnis für die Arbeitnehmer. Wenn es nach Ihnen geht, dürften christlich geführte Unternehmen ja anscheinend keine Homosexuellen mehr einstellen. Zum Glück entsprechen Menschen mit diesem beschränkteren Weltbild nicht der Mehrheit der Unternehmer!

  • Es geht nicht um katholisch, evangelisch oder muslimisch; Es geht darum, ob Unternehmer ethisch handeln. Mitarbeiterrechte zu beschneiden ist nicht gerade ethisch, egal ob dies ein Gläubiger oder ein Atheist in seinem Unternehmen durchsetzt.

    Jeder Mensch wird an seinen Taten gemessen, nicht an schönen Worten.

  • Wenn alle Europärer sich zum Christentum bekennen und denn auch praktizieren würde wir mehr zusammenhalten und der Islam im Europa würde deutlich an stärke verlieren.

    Vielen Dank und Frohes Osterfest

  • Der Artikel ist tendenziös, an inhaltsleeren Phrasen nicht zu überbieten und bleibt ohne faktische Beweise.
    Ist es wirklich gut, dass Unternehmen keinen Betriebsrat haben oder dass Gewerkschaften außen vor bleiben? Vermeiden tiefgläubige Christen als Arbeitgeber wirklich Kündigungen und zahlen gute Löhne? Dann schaue man sich mal das kirchliche Arbeitsrecht an. Dort ist es ein Kündigungsgrund, wenn man sich scheiden lässt, jemand Geschiedenen heiratet oder aber homosexuell ist. Wer mit einem Gewerkschafter klären will, ob sein Gehalt überhaupt dem Tarif entspricht, kann ebenfalls gekündigt werden.
    Perverse Pfarrer, die Kinder missbrauchen, werden hingegen nur versetzt und kassieren weiter ihr fettes Beamtengehalt mit Pension! Soviel zu gläubigen Christen als Arbeitgeber!

  • Schön, dass sie an Ostern auch einmal einen Bericht über die Vereinbarkeit von Christentum und Unternehmertun aufzeigen und zeigen, dass sich keine zwei abstoßende Pole gegenüberstehen.

    Trotz allem finde ich Ihren Schluss irreführend. Sie schreiben von der entscheidenden Frage, ob wir im Jenseits für unser Tun auf Erden von Gott belohnt werden? Dieser Gedanke lehnt sich wohl eher an die Philosophie des Hinduismus und deren Karma an. Dabei haben Sie schon selbst in Ihrem Bericht die zentrale Aussage des Christentums durch Herr Rentrop aufgezeigt: "Wir sind doch ohnehin alle Sünder und auf Gottes Gnade angewiesen."

    Also geht es nicht darum gute Taten zu vollbringen, um vor Gott gerecht zu werden, weil uns dies ohnehin nur durch Gottes Gnade möglich wird. Vielmehr ist m.E. der entscheidende Punkt, dass christliche Unternehmer eine nachhaltige Unternehmensstrategie entwickeln, etablieren und auch leben. Sie wirtschaften also nachhaltig und liefern somit einen Mehrwert für ein langfristiges Bestehen dieser schönen Welt, die sonst wohl durch uns Menschen zerstört wird.

    In diesem Sinne gesegnete Ostern

    B.M.

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