Klavierhersteller
Für Bechstein ist die Krise abgehakt

Konkurrenz aus Asien, Absatzprobleme durch die Krise: Die Instrumentenbranche hat schwere Jahre hinter sich. Der Klavierbauer Bechstein hat überlebt. Damit das auch so bleibt, will er den Wachstumsmarkt China nutzen.
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DüsseldorfIn der Welt von Karl Schulze dominieren die Farben Schwarz und Weiß - wie es sich für einen gelernten Klavierbauer gehört. Heute präsentiert der Vorstandschef und Miteigentümer der Berliner Klaviermanufaktur Bechstein vor allem aber schwarze Zahlen.

Das Unternehmen hat die Wirtschaftskrise, die alle Klavierhersteller empfindlich getroffen hat, gemeistert. 2011 wurde der Konzerngewinn des 1853 gegründeten Traditionsunternehmens auf mehr als 2,2 Millionen Euro verdoppelt.

Die Nachricht, die Schulze wichtig ist, lautet: „Auch in Deutschland lassen sich noch gute Instrumente mit Erfolg bauen.“ Allerdings verlässt sich Bechstein nicht allein auf hochwertige Produkte made in Germany. Neben der Manufaktur im sächsischen Seifhennersdorf lässt Bechstein Europe preiswertere Instrumente der Marke W. Hoffmann in Hradec Kralove, dem früheren Königgrätz, fertigen. Dort arbeiten 160 Mitarbeiter - "zur Hälfte der deutschen Lohnkosten".

Hinter der Branche liegen schwierige Jahre. Die Konkurrenz aus Asien drängte auf den europäischen Markt, während durch die Krise die Absatzzahlen einbrachen. Traditionsmarken wie Seiler, Pianoforte und die älteste Pianofabrik Ibach mussten aufgeben, Schimmel ging in die Planinsolvenz. "Die deutschen Hersteller hatte es hart getroffen", bestätigt Bernhard Stein, Vorsitzender des Bundesverbands Klavier.

Von einstmals mehr als 100 Herstellern fertigen heute noch 13 Unternehmen in Deutschland. "Sie alle produzieren im gehobenen Segment", erklärt Stein. Unter ihnen ist die börsennotierte Firma Bechstein eine der Großen. Daneben gibt es noch Schimmel, die erfolgreich restrukturiert wurden, und einige kleinere Manufakturen wie Grotrian-Steinweg, ein Unternehmen in Familienbesitz seit 1835, in dem Verbandschef Stein die Geschäfte führt.

„2011 haben die deutschen Hersteller wieder das Vorkrisenniveau erreicht“, erklärt Stein. Doch die Konkurrenz bleibt hart, der Markt klein und der Aufwand pro Instrument groß. Ein Flügel von Bechstein braucht bis zu 18 Monate in der Fertigung. Das günstigste Klavier von W. Hoffmann kostet 4.875 Euro, der teuerste Bechstein-Flügel - eine Sonderanfertigung - 1,5 Millionen Euro.

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Ein „Schnäppchen“ aus amerikanischer Hand

Kommentare zu " Klavierhersteller: Für Bechstein ist die Krise abgehakt"

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  • Die Autorin Anja Müller hats doch tatsächlich geschafft, in ihrer kurzen Auflistung heute noch produzierender Hersteller Steinway auszulassen. Als Pianist und Klavierlehrer benutze ich zwei Steinway-Flügel, und ich habe bislang nichts besseres kennengelernt. Warum stehen denn wohl auf den Konzertpodien der Welt immer Steinways zur Verfügung?!!!

  • Ich wüsste nicht wo C.Bechstein einen einzigen Flügel zu € 1,5 Mio. Euro verkauft haben soll. Die Firma Steinway & Sons hat es geschafft einen Steinway, Modell D mit einem riesigen Aufwand in der Oberfläche (Intarsienarbeiten) zu 1 Mio. Euro an einen Chinesen zu verkaufen. Das will Bechstein nun getoppt haben ?!? Sehr fraglich. Weiterhin muss man sich Fragen wo die 2,2 Mio. Gewinn sein sollen ? Gewinn nach Steuern, vor Steuern, oder nur angeblicher Gewinn ? Etwas schwach vom Handelsblatt recherchiert würde ich sagen, bzw. einfach nur abgetippt nach Angabe der Firma Bechstein.

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