Kleine Wachstumsfirmen sollen sich günstig Eigenkapital beschaffen
Deutsche Börse startet neuen „Neuen Markt“

Die Deutsche Börse will Wachstumsunternehmen wieder eine Plattform für Börsengänge bieten. Das geplante Kapitalmarktsegment innerhalb des Freiverkehrs dürfte sich vor allem an erfahrene Anleger richten.

FRANKFURT. Dies geht aus Unterlagen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Wichtige Anlegerschutzregeln anderer Börsensegmente, die Ad-hoc-Mitteilungen, Pflichtangebote für Kleinaktionäre beim Einstieg eines Großinvestors oder umfangreiche Quartalsberichte betreffen, gehören demnach nicht zu den Voraussetzungen, um sich in dem neuen Segment notieren zu lassen. „Damit richtet sich das Ganze vor allem an Profis, die sich am Kapitalmarkt auskennen“, sagte Reinhild Keitel, Sprecherin der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK).

Seitdem die Deutsche Börse den „Neuen Markt“ wegen der Bilanzskandale einiger dort notierter Firmen als Börsensegment für junge Unternehmen 2003 geschlossen hatte, sucht sie nach einer neuen Plattform. Innerhalb des Freiverkehrs, dem am wenigsten regulierten Teil des deutschen Aktienmarktes, wird nun ein Sektor mit etwas höheren Transparenzanforderungen definiert. Kleine Firmen könnten sich so zu günstigeren Bedingungen Eigenkapital beschaffen. Anleger sollen ihrerseits mehr Einblick in die Unternehmen bekommen, als dies bei den 180 deutschen Freiverkehrswerten der Fall ist. Mit diesem Konzept orientiert sich die Börse am erfolgreichen Londoner Alternative Investment Market (AIM), einem Börsensegment für kleine Unternehmen. Die Deutsche Börse könnte dabei die Euphorie im Freiverkehr für sich nutzen. In diesem Jahr nutzten bereits elf Firmen dieses Segment für einen Börsengang. Experten rechnen bis Jahresende mit einem weiteren Dutzend Neuemissionen.

In dem neuen Segment der Deutschen Börse sollen die Firmen nach Handelsblatt-Informationen als Ersatz für Ad-hoc-Mitteilungen „wesentliche“ Nachrichten auf der Internetseite veröffentlichen. Dort ist auch ein testierter Jahresabschluss spätestens sechs Monate nach Geschäftsjahresende zu publizieren. Statt aufwendiger, testierter Quartalsberichte soll den Aktionären zum Halbjahr ein kurzer Zwischenbericht „ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild des Geschäftsgangs ermöglichen.“ Außerdem ist vorgesehen, dass eine Bank oder eine Rechtsanwaltskanzlei als „Kapitalmarkt-Coach“ die Betreuung übernimmt. Zudem werden eine Reihe von Verhaltensvorschriften für Konzernvorstände, die außerhalb des Freiverkehrs gesetzlich geregelt sind, der Freiwilligkeit unterliegen. Dazu gehören Stellungnahmen zu Übernahmeangeboten durch andere Firmen. Auch die Veröffentlichung von Wertpapiergeschäften von Vorstand und Aufsichtsrat auf der Website ist nur auf freiwilliger Basis vorgesehen.

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