Kleinunternehmer
Freiberufler blicken verkniffen ins neue Jahr

Die Branche der freien Berufe rechnet mit einem Nullwachstum in diesem Jahr. Eine Last ist vor allem die starke Abhängigkeit von Mittelständlern, die Honorare drosseln. Die Beschäftigtenzahlen sollen konstant bleiben.
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BerlinDie Freiberufler in Deutschland gehen verhalten optimistisch in das Jahr 2012. „Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate wird ein gleichbleibendes Umsatz- oder Geschäftsergebnis erwartet. Die wirtschaftliche Lage ist befriedigend“, heißt es in einer dem Handelsblatt vorliegenden Umfrage des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) unter seinen Mitgliedsverbänden.

Der Verband, der mehr als eine Million Freiberufler mit drei Millionen Beschäftigten vertritt, führt die gedämpfte Stimmung vor allem auf die „internationale konjunkturellen Abkühlung“ zurück. Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Architekten oder Ingenieure erbrächten auch „komplementäre Dienstleistungen für die gewerbliche Wirtschaft“. So sind Freiberufler in Rechtsberufen oder der Steuerberatung eng an die mittelständischen Unternehmen gekoppelt, die mit den Honoraren zurückhaltender umgehen. Gehe es den Unternehmen schlechter, leide auch das Geschäft der Selbstständigen, heißt es in der Umfrage.

Die Freien Berufe bestätigen mit ihrem Ausblick die jüngste Einschätzung des Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz. Der Ökonom hatte nach Weihnachten im Handelsblatt zu mehr Sachlichkeit bei der Bewertung der Konjunkturaussichten gemahnt. Er rechne zwar im neuen Jahr mit einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur in Deutschland. Es gebe jedoch keinen „Anlass zur Panik“, obwohl viele pessimistische Prognosen das Gegenteil nahelegen würden, sagte der Wirtschaftsweise, der auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim leitet.

Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten sehen die Freiberufler wie der Rest der Wirtschaft durch die wachsenden wirtschaftlichen Risiken jedoch nicht. „Die überwiegende Mehrheit erwartet gleiche oder leicht steigende Beschäftigtenzahlen zum Ende des Jahres 2012“, heißt es in der aktuellen Umfrage. Damit seien die Freien Berufe nicht nur als Selbstständige eine Wachstumsmarke, sondern auch als Arbeitgeber ein Beschäftigungsgarant, schreibt der BFB.

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  • Eine ganze Menge Freiberufler können ihre Beiträge zur Krankenkasse nicht regelmäßig zahlen, weil sie auf ihren Außenständen sitzen, von der IHK und anderen Parasitenorganisationen abgezockt werden, und die breite Bevölkerung durch Lohndumping und Hartz IV kaum noch über Kaufkraft verfügt. Wenn jetzt noch die (eigentlich vernünftige) Rentenversicherungspflicht kommt sieht es für eine ganze Menge Selbständiger ganz mau aus. Dann wird die hochwohlgeborene Arbeitsdienstministerin wohl wieder einmal die Statistikmethoden ändern müssen. Denn dieser XXL Aufschwung ist immerhin alternativlos.

  • Freiberufler werden in Deutschland abgezockt. Deshalb habe ich ich so schnell ich konnte den Laden dicht gemacht und meine Aktivitäten ins benachbarte Ausland verlegt.
    Natürlich ist das nicht für jeden machbar, aber Ingenieure, Ärzte, Handwerker können woanders viel besser leben und arbeiten. Als Rentner kommt man dann zurück, wie ich auch.
    Zur Nachahmung sehr empfohlen. Vielleicht wachen dann die Verantwortlichen einmal auf und betrachten uns nicht nur als Melkkühe!

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