Kolumbien
Auslandsfirmen kaufen sich in Großkonzerne ein

In Kolumbien sind nach einem langem Hin und Her die Konzession für den Betrieb des internationalen Flughafens von Bogotá sowie der Auftrag für die Erweiterung der Raffinerie von Cartagena vergeben worden. In beiden Fällen haben sich Unternehmen aus der Schweiz durchgesetzt. Ein Konzern aus Luxemburg stieg ferner in den Mobilfunk ein. Dagegen stehen umfangreiche Anteile an einer Großbank sowie am zweitgrößten Stahlerzeuger Acerías Paz del Río noch zum Verkauf.

bfai BOGOTA. Wie in Bogotá Anfang September 2006 bekannt wurde, will die öffentliche Hand kurzfristig den Stahlerzeuger Paz del Río sowie die Granbanco Bancafé privatisieren. Beide Konzerne waren im Verlauf der Wirtschaftskrise, die Kolumbien in der zweiten Hälfte der 90er Jahre durchlaufen hatte, von ihren ehemaligen Eigentümern als nicht mehr überlebensfähig eingestuft worden. Das Stahlwerk hatte ursprünglich mehrheitlich der Grupo Empresarial Antioqueño gehört; die Bank war im Besitz des Verbandes der Kaffeeproduzenten.

Die Sanierung von Paz del Río wurde durch die steigenden internationalen Stahlpreise einerseits sowie durch die Inanspruchnahme des Gesetzes 550 stark begünstigt. Die genannten Bestimmungen ermöglichen unter anderem die Restrukturierung eines illiquiden Unternehmens, sofern realistische Aussichten für eine Gesundung bestehen. Durch eine einschlägige Vereinbarung gelangte die Arbeitnehmerschaft 2003 in den Besitz von 34% der Aktien, die nunmehr zusammen mit dem Anteil von 9% der Nationalregierung zum Verkauf steht.

Vertreter von Paz del Río rechnen für 2006 mit Gewinnen von etwa 100 Mrd. kolumbianischen Pesos (kol$; rund 44 Mill. US$; 1.000 kol$ = 0,44 US$); 2002 stand dem ein Verlust von knapp 13 Mrd. kol$ gegenüber (circa 5,6 Mill. US$). Im Jahr 2005 wurden 370.000 t an Walzdraht, Flachstahl, Drahtspulen und Stabstahl hergestellt - im Vergleich zu 290.000 t (2002). Der Marktwert des Stahlerzeugers an der kolumbianischen Wertpapierbörse beläuft sich zur Zeit auf 765 Mrd. kol$ (um die 333 Mill. US$); das ist in etwa das Vierfache des Buchwertes. Als bedenklich erscheint einigen Kommentatoren der verkehrstechnisch etwas ungünstig gelegene Standort sowie der beträchtliche Modernisierungsbedarf.

Ebenfalls veräußert werden sollen die Aktien der Granbanco Bancafé, der Nachfolgerorganisation der in Liquidation befindlichen Banco Cafetero. Die "Granbanco" gilt derzeit als die siebtgrößte Bank in dem Andenstaat. Interesse an einem Erwerb haben bislang die spanische Santander, die US-amerikanischen General Electric Money und Citibank, die britische HSBC sowie die kanadische Bank of Nova Scotia gezeigt. HSBC ist schon kurz zuvor in das Kolumbiengeschäft eingestiegen - über den Kauf der dortigen Niederlassungen des panamaischen Konzern Banistmo.

Ende August erhielt der Mobilfunkbetreiber Millicom International, eine Firma mit Sitz in Luxemburg, als einziger Bewerber ein Paket, das 50% der Aktien an der Mobilfunkgesellschaft Colombia Móvil (Marke "Ola") umfasst. Millicom bezahlte dafür geringfügig mehr als den offiziell festgesetzten Mindestpreis von 479 Mill. US$. Colombia Móvil war ursprünglich im ausschließlichen Besitz der städtischen Telefongesellschaften von Bogotá und Medellín, der Empresa de Teléfonos de Bogotá und der Empresas Públicas de Medellín. Letztere suchten für den Ausbau ihrer Aktivitäten im drahtlosen Bereich einen internationalen Partner und erwarten jetzt neue Investitionen von rund 350 Mill. US$. Colombia Móvil war erst Ende 2003 gegründet worden und verfügt über eine Lizenz für die Benutzung von PCS-Frequenzen (personal communication system).

Im Falle der Konzession zum Betrieb von "El Dorado", dem internationalen Flughafen der Landeshauptstadt Bogotá, heißt der Gewinner Operadora Aeropuertaria Internacional (Opain). An der Opain ist die Flughafen AG Zürich maßgeblich beteiligt. Zu den weiteren Mitgliedern des Konsortiums zählen wichtige kolumbianische Bau- und Ingenieurfirmen wie CSS Constructores, Cóndor Inversiones, Marval, Termotécnica Industrial, Arqutectura y Concreto, Consultoría Colombiana und Construcciones El Condor sowie die Grupo Odinsa des vormaligen Außenministers Luis Fernando Jaramillo.

Die Inhaber der Konzession haben sich dazu bereit erklärt, 650 Mill. US$ in die Modernisierung und den Ausbau des Flugplatzes zu investieren. Bestandteil des Projekts sind die Errichtung eines neuen Terminals für den internationalen Luftverkehr, Abriss und Neubau der bestehenden Anlagen (das künftige nationale Terminal) sowie die Expansion der vorhandenen Einrichtungen für den Frachtverkehr.

Da die Entwürfe für das Vorhaben noch in der Ausarbeitungsphase stecken, wird mit dem ersten Spatenstich zur Jahresmitte 2007 gerechnet. Die Bautätigkeiten selbst sollen innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein. Die bereits erwähnte Konzession hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Ausschlaggebend für die Zuteilung war das Angebot der Opain, 46,2% des Betriebsergebnisses an den Staat abzuführen.

Schließlich erhielt Ende August 2006 die schweizer Glencore International den Zuschlag für den Erwerb von 51% des Aktienkapitals an der Raffinerie von Cartagena. Dafür mussten der Konzern, der sich im Besitz seiner eigenen Mitarbeiter befindet, 656 Mill. US$ auf den Tisch legen. Die übrigen Anteile verbleiben beim staatlichen Mineralölkonzern Empresa Colombiana de Petróleos (Ecopetrol). Aufgabe ist es jetzt, die Kapazitäten der Raffinerie von 78.000 auf 140.000 Barrel per day zu erhöhen (1 Barrel = 159 l). Der Kostenvoranschlag für ein solches Unterfangen beläuft sich auf 805 Mill. US$, wobei der erwähnte Kauf des Aktienpakets als Anzahlung gilt. Bisherigen Vorstellungen zufolge sollen die Bauarbeiten im Januar 2007 beginnen und im Verlaufe von 2012 abgeschlossen sein.

Glencore International ist in Kolumbien kein "Newcomer". Der Konzern ist Miteigentümer des Kohlebergwerkes El Cerrejón - vormals direkt, seit Anfang 2006 indirekt über die Tochtergesellschaft Xtrata Plc. Ferner gehört Glencore das Kohlebergwerk La Jagua. Zusammen mit der US-amerikanischen Drummond, ein weiterer Konzern im Kohlebergbau, und der kolumbianischen Argos Zement ist Glencore Konzessionär im Eisenbahngeschäft. Die Firmen haben zudem im Verlauf von 2006 die Rechte an der Ferrocarriles del Norte von den vorherigen spanischen Besitzern übernommen; letztere hatten sich aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen. Im Norden Kolumbiens dient die Eisenbahnstrecke im wesentlichen dem Abtransport von Kohle. Erhebliche Investitionen sind auch in diesem Bereich zu erwarten.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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