Kommunikation
Twitter ist für Unternehmen Chance und Risiko

Immer mehr Unternehmen nutzen den Kurznachrichtendienst Twitter für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Dabei verschwimmen die Grenzen von geschäftlich und privat. Das erhöht die Kundenbindung. Doch die neue Offenheit birgt auch Risiken.

KÖLN. Halb Deutschland schläft noch, als um 6.13 Uhr mitteleuropäischer Zeit eine eindringliche Warnung übermittelt wird: "Wenn man direkt nach einer Red-Bull-Cola Kaffee trinkt, schmeckt der wie verschimmelt". Kristin Walther, Inhaberin der Saftkellerei Walthers in Arnsdorf in Sachsen, hatte eben jene Entdeckung gemacht - und sie über die Online-Plattform Twitter ihren knapp 1500 dortigen Anhängern, den so genannten Followern, mitgeteilt. über Nutzen und Informationsgehalt der Nachricht lässt sich streiten, doch hinter der Banalität steckt System: Die mittelständische Unternehmerin nutzt Twitter für ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Twitter, das öffentliche Tagebuch im Internet, auf dem sich jeder der Welt mitteilen kann, erlebt einen Boom. Weltweit sind dort rund 30 Millionen Menschen Mitglied, darunter sind etwa 150000 Aktive aus Deutschland. Gerade in Wahlkampfzeiten wird das Medium auch für Werbezwecke genutzt: Es gibt kaum einen Politiker, der noch keinen Twitter-Account hat, um sich damit seinen potentiellen Wählern mitzuteilen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, in direktem Kontakt mit ihnen zu stehen. Vorgemacht hat das US-Präsident Barack Obama - dessen Online-Wahlkampf, bei dem auch Twitter eine große Rolle spielte, ihm half, den Weg ins Weiße Haus zu ebnen.

Was Wähler an die Urne lockt, lockt Kunden auch an die Kasse, glauben PR-Strategen. In den USA nutzen viele Unternehmen bereits systematisch Twitter für ihre Öffentlichkeitsarbeit. In Deutschland experimentieren erst wenige Firmen mit diesem Medium. So verschickt etwa die Lufthansa ein paar Sonderangebote via Twitter durch das Netz, die Bahn informiert ihre Follower über Verspätungen und Stellenausschreibungen. "Deutsche Unternehmer beginnen erst langsam, Twitter als Kommunikationsmittel ernst zu nehmen", sagt Mirko Lange, PR-Berater bei der Agentur Talkabout.

Auch Saftproduzentin Walther sagt, sie teste erst noch die Möglichkeiten, die Twitter für die Öffentlichkeitsarbeit bietet. Für ihren kleinen 16-Mann-Betrieb hat sie mit knapp 1500 Followern allerdings schon eine ziemlich große Gemeinde um sich geschart - das sind mehr als die Deutsche Bahn. Rund 20 Nachrichten täglich verschickt sie dort und hat eine Rabattaktion für Twitter-Follower gestartet, damit die Fangemeinde weiter wächst.

In ihren Tweets, also Kurzmitteilungen, mischt sie Privates mit Beruflichem. Sie schreibt über die Inhaltsstoffe ihrer Säfte oder sogar, dass sie gerade dabei ist, Staatshilfe zu beantragen. Immer wieder kommen allerdings auch Dinge zur Sprache, die mit ihrer Saftfabrik überhaupt nichts zu tun haben - etwa wie nett sie die Oma eines guten Freundes findet.

Auf diesem Weg verschwimmen die Grenzen zwischen der guten Bekannten Kristin und der Geschäftsfrau Walther. Damit will sie vor allem eines erreichen: Die Kundenbindung erhöhen. "In der Lebensmittelbranche ist Vertrauen besonders wichtig. Die Kunden sollen über Twitter erfahren, dass sie es mit einem Menschen zu tun haben. Dem vertrauen sie mehr als einer Firma", meint Walther. Viele Kunden hat die "Safttante", wie Walther bei Twitter heißt, noch nie persönlich getroffen. Einen Großteil ihrer Säfte verkauft sie über ihren Online-Shop.

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