Kongress der Familienunternehmen: Ist Erben gerecht?

Kongress der Familienunternehmen
Ist Erben gerecht?

Viele Menschen erben nichts, manche ein ganzes Unternehmen. Ist das fair? Auf einem Kongress prallen die Ansichten aufeinander. Journalistin Friedrichs betont: „Es geht um die Dimension der Ungerechtigkeit.“

WittenEine heikle Frage steht im Raum. Drei Personen heben die Hand. Sie erklären damit, dass bei ihren Familienunternehmen die Wahrung des Vermögens im Vordergrund steht. Auf die vorherige Frage, ob ein Kundennutzen bei der Unternehmensführung der primäre Zweck sei, hatte sich dagegen ein Großteil der Anwesenden gemeldet. Armin Steuernagel, Jungunternehmer im Alter der Generation Y, sieht damit seine These bestätigt: Bei Familienunternehmen steht nicht primär der Profit im Vordergrund – sondern die Weiterführung des Unternehmens unter sozialen Aspekten.

Rund 300 Familienunternehmer sind am Freitag, 12. Februar, sowie Samstag, 13. Februar, zum 18. Kongress der Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke zusammengekommen. Unter dem Titel „Eigentum verpflichtet“ diskutierten sie über die Erbschaftssteuer. Insgesamt 41 Workshops beschäftigten sich mit dem Eigentumsbegriff, dem Umgang mit Eigentum sowie seiner Zukunft. Den gesamten Kongress über sind die Unternehmer dabei unter sich geblieben. Nun findet das Abschlusspodium statt. Es ist 14 Uhr und das Audimax füllt sich allmählich. Nach und nach wird auf den mit grünem Stoff bezogenen Stühlen Platz genommen, es wird getuschelt, Angespanntheit liegt in der Luft. Das Thema Erbschaft ist immer emotional. Über Geld spricht man nicht – es sei denn, man muss es abgeben.

Vorne sitzen Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, Armin Steuernagel, ein ambitionierter Jung-Unternehmener der Generation Y, Julia Friedrichs, die Journalistin, die mit ihrem Zeit-Magazin-Artikel im letzten Jahr die Erbschaftsdebatte neu entfachte, sowie Professor Arist von Schlippe, Psychologie-Professor und Familientherapeut. Eine bunte Mischung aus konträren Meinungen. Ist Erben gerecht? Oder zerstört es unseren sozialen Frieden? Was macht es mit der Psyche, wenn man Geld bekommt, ohne dafür gearbeitet zu haben? Und wenn es in Ordnung ist, dass jemand erbt, wie viel davon muss er abgeben? Sollte er überhaupt etwas abgeben, wenn er doch eigentlich Verantwortung erbt?

Julia Friedrichs eröffnet die Diskussion und betont: „Es geht um die Dimension der Ungerechtigkeit.“ 250 Milliarden Euro, schätzt sie, werden pro Jahr vererbt, wobei wenige viel erben – und die meisten gar nichts. „Es kommt zu einer ungleichen Vermögensverteilung und somit zu unterschiedlichen Startchancen“, sagt die Journalistin und Buchautorin. Das diene nicht dem Wettbewerb und sei schlecht für unser Demokratieverständnis. Damit heizt Friedrichs die Diskussion an, wird immer wieder zum Zündstoff für aufkommende Meinungsverschiedenheiten. Ihre Thesen sorgen teils für Unmut in der Zuschauermenge.

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