Konkurrenz zur Limited
Deutschland bekommt Mini-GmbH

Unternehmensgründer können künftig auch in Deutschland eine Mini-GmbH ohne Stammkapital gründen. Darüber herrsche inzwischen in der Bundesregierung Einigkeit, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Am 23. Mai soll die Reform voraussichtlich im Kabinett beschlossen werden. Es wird sich einiges ändern, auch für die „echte“ GmbH.

BERLIN. Anlass der GmbH-Reform ist der wachsende Konkurrenzdruck für die deutsche GmbH durch ausländische Billig-Rechtsformen wie die britische Limited. Diese sind weitaus billiger und weniger aufwändig zu gründen als die GmbH, deren Gründer mindestens 25 000 Euro Stammkapital mitbringen müssen. Daher entscheiden sich viele Existenzgründer, ihre Firma nach britischem Recht zu gründen und so in den Genuss der Haftungsbeschränkung zu gelangen.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte in ihrem Referentenentwurf vorgesehen, dieses Mindeststammkapital auf 10 000 Euro zu senken. Andere, allen voran der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion Jürgen Gehb, hatten zusätzlich eine neue Rechtsform für Kleinunternehmer und Existenzgründer gefordert. Zypries hatte dies bislang abgelehnt: Eine eigene Rechtsform sei überflüssig; die GmbH mit ihrem hohen Gläubigerschutzniveau dürfe nicht verwässert werden. Das Urteil der Wirtschaftsverbände war gespalten: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) war eher skeptisch, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sprach sich für eine Mini-GmbH aus.

Jetzt hat sich Gehb durchgesetzt: Ein eigenes Gesetz für die „Unternehmergesellschaft“ (UG) soll es zwar nicht geben, wohl aber einen neuen Paragrafen 5a im GmbH-Gesetz. Dort wird die Möglichkeit eröffnet, eine Mini-GmbH ohne Stammkapital zu gründen. Die Gläubiger bleiben nicht ungeschützt: Für die Mini-GmbH gelten strenge Transparenzvorschriften. Außerdem wird die Gesellschaft verpflichtet, jedes Jahr ein Viertel des Gewinns als Rückstellung zu bilanzieren und so Stück für Stück Eigenkapital aufzubauen. Ist die für die GmbH-Gründung nötige Schwelle von 10 000 Euro erreicht, kann sich die Mini-GmbH zur echten GmbH umwandeln, muss aber nicht.

Schlechte Nachrichten kommen auf die Notare zu: Ihr Geschäft dürfte durch das neue Gesetz Schaden leiden. Notarielle Beurkundungen werden nämlich künftig bei vielen GmbH-Gründungen nicht mehr nötig sein. In Zukunft soll es eine Mustersatzung für GmbHs geben, die gerade bei kleinen Unternehmungen die Standardformulierungen einer GmbH-Satzung enthält. Wenn sich die Gründer dieser Satzung bedienen und keine Grundstücke involviert sind, dann entfällt künftig das Bedürfnis der notariellen Beurkundung – eine Beglaubigung reicht.

Was genau ist die „Limited“? Lesen Sie es im Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach - und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:

» „Limited“ im Wirtschaftswiki.

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