Konsumbranche
Kein Verlass mehr auf US-Verbraucher

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat das Verhalten der US-Konsumenten gewandelt. Anstatt weiter alle Kreditmöglichkeiten auszuschöpfen, wollen sie nun ihre Schulden loswerden. Experten halten europäische Verhältnisse mit zweistelligen Sparquoten für möglich. Ein derartiger Einbruch der Binnennachfrage würde das Wirtschaftswachstum dauerhaft bremsen.

WASHINGTON. Der private Konsum macht in den USA rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus und ist damit ein zentraler Indikator für die konjunkturelle Entwicklung. Dieses Jahr wird er voraussichtlich zum dritten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs schrumpfen. Günstige Prognosen erwarten 2009 ein Minus von 0,2 Prozent. Pessimistisch sind die Experten von Moody's Economy.com und der Bank of America mit Prognosen von -0,9 und -1,4 Prozent. Die monatlich aus über 50 Expertenstimmen gebildete Durchschnittsprognose der Blue Chip Economic Indicators erwartet einen Rückgang von 0,7 Prozent.

Der Konsum war 2008 bereits so gut wie stagniert. Eine ungewöhnlich hohe Sparquote von 1,8 Prozent spiegelte die Konsumzurückhaltung der US-Haushalte wieder. Dabei stieg die Quote von 0,2 Prozent im 1. Quartal 2008 auf 3,2 Prozent im letzten Vierteljahr. In den ersten drei Monaten 2009 sparten die US-Amerikaner sogar 4,4 Prozent ihres Einkommens. Beobachter halten einen Jahresdurchschnitt von mehr als 5 Prozent für möglich.

In den vergangenen 15 Jahren hatten die US-Konsumenten ihre heimische Wirtschaft mit niedrigen Sparquoten in Schwung gehalten. Im Jahr 1994 sank diese erstmals unter 5 Prozent. In den Folgejahren gerieten die US-Verbraucher zunehmend in einen Kaufrausch und reduzierten ihre Sparquote auf bis zu 0,4 Prozent im Jahr 2005. Währenddessen bewegte sich die Sparquote der deutschen Haushalte zwischen 9,2 und 11,4 Prozent. In der Eurozone sind Sparquoten von mehr als 10 Prozent die Regel.

Passend dazu sackte der monatlich erhobene Index der Verbraucherzuversicht im Februar 2009 auf einen historischen Tiefpunkt. Den Höchststand hatte er vor der Finanzkrise im Juli 2007 mit 111,9 Punkten erreicht. Danach fiel der Index innerhalb eines Jahres auf 51 Punkte. Nach Juni 2008 stabilisierte sich die Gemütslage der Verbraucher, um dann im Oktober erneut abzustürzen. Von da an verschlechterte sich der Index und erreichte im Ferbruar 2009 mit 25 Punkten den bislang niedrigsten Stand in seiner mehr als 40-jährigen Geschichte. Seitdem hat sich die Stimmung der Verbraucher gebessert. Dennoch läutet das Niveau von 54,9 Punkten im Mai 2009 noch keine Trendwende ein.

Bereits im Herbst 2007 hatte sich die schlechte Kauflaune angedeutet. Im letzten Quartal 2007 stiegen die Konsumausgaben um 1 Prozent und damit so wenig wie seit der Rezessionsphase 2001 nicht mehr. Das Konjunkturpaket belebte den Konsum zur Jahresmitte 2008 kurzzeitig. Das Minus von 3,8 Prozent im 3. Quartal war dann der stärkste Rückgang seit 28 Jahren und wurde im 4. Quartal mit einer Konsumabnahme von 4,3 Prozent noch einmal getoppt. Die ersten drei Monate 2009 brachten einen leichten Zuwachs von 1,5 Prozent. Für das 2. Halbjahr errechnen die meisten Prognosen ein Plus von 1 bis 2 Prozent.

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