Konzentrationswelle
Mittelstands-Brauer sehen Bierkultur in Gefahr

Die mittelständischen Brauer sehen angesichts der Konzentrationswelle in ihrer Branche die deutsche Bierkultur in Gefahr. Zwei Drittel des deutschen Biermarkts seien bereits in Hand von großen Konzernen.

HB MÜNCHEN. „Die aktuelle Entwicklung ist mittelstandsfeindlich und bedroht die Sortenvielfalt", sagte Christoph Barre, Geschäftsführer der Privatbrauerei Ernst Barre (Lübbecke) und Sprecher der Initiative „Die Freien Brauer“. Auch Georg Schneider von der Weißbierbrauerei Schneider sieht einen Wettbewerbsnachteil: Die Ertragslage vieler mittelständischer Brauerei sei wegen des Trends zum Billigbier ernst. „Auch bei mittelständischen Betrieben ist Kostenmanagement angesagt.“

Dennoch fühlten sich die unabhängigen Unternehmen noch ihrer Region und traditionellen Werten verpflichtet. „Es ist nicht nur alles Kommerz, Rendite und Dividende.“ Der Brauriese InBev habe erst kürzlich bei seinen Bremer Brauereien das Brauereipferdegespann aus Kostengründen abgeschafft. So etwas sei für einen traditionsbewussten mittelständischen Brauer undenkbar.

„Die freien Brauer“ ist eine Initiative der Deutschen Brau- Kooperations GmbH & Co KG, in der sich 35 unabhängige Privatbrauereien verbündet haben. Die regionale Ausdehnung reicht von der Flensburger Brauerei in Norddeutschland bis zu Stiegl und Hirter in Österreich.

Mittelstands-Brauer kämpfen vor allem gegen sinkende Umsätze und die Beliebtheit von Mixgetränken. Auf dem deutschen Biermarkt spielen sie mit einem jährlichen Ausstoß zwischen 5 000 und 500 000 Hektolitern eine immer kleinere Rolle. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ging ihre Zahl seit 1995 um 26,8 Prozent auf 428 im vergangenen Jahr zurück.

Konstant blieb laut Statistik die Zahl der Großbrauereien mit einer Jahresproduktion von mehr als 500 000 Hektolitern, von denen es im Jahr 2004 noch 50 gab, vier weniger als 1995. Nahezu die Hälfte aller deutschen Brauereien befindet sich mit 629 Unternehmen in Bayern. 178 gibt es in Baden-Württemberg und 118 in Nordrhein-Westfalen. Branchenexperten rechnen für die nahe Zukunft mit weiteren Zusammenschlüssen global tätiger Braukonzerne. Die deutschen Groß-Brauereien Bitburger, Krombacher, Oettinger, Radeberger und Warsteiner gelten als interessante Übernahmeziele. Alle genannten Brauereien stehen aber derzeit nicht zum Verkauf.

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