Kostenexplosion
Hongkong bangt um Wettbewerbsfähigkeit

Steigende Immobilienpreise, sinkende Luftqualität, niedriger Bildungsstandard: Unternehmer sorgen sich um die Zukunft des Standorts Hongkong. Ausländischen Firmen bemängeln vor allem die Kostenexplosion in der Sonderverwaltungsregion. Der Wettbewerbsvorsprung gegenüber Shanghai dürfte nach Ansicht der Geschäftswelt schon bald dahingeschmolzen sein.

HONGKONG. Hongkongs Wirtschaft boomt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2004 und 2005 um über 8 bzw. 7%. Für 2006 bis 2007 erwarten Analysten mindestens eine Fünf vor dem Komma. Doch die sich rasch verschlechternde Luftqualität sowie steigende Immobilienpreise in der Sonderverwaltungsregion schrecken zunehmend ausländische Investoren und Fachkräfte ab. Die Englisch- und Hochchinesischkenntnisse der Bevölkerung lassen außerdem zu wünschen übrig. Unternehmer sorgen sich daher um die Zukunft des Standortes.

Der Wirtschaftsboom zeigte im Immobiliensektor bereits deutliche Wirkung. Nachdem zwischen 1997 und 2004 die Grundstückspreise und Mieten um bis zu zwei Drittel eingebrochen waren und die Wettbewerbsfähigkeit Hongkongs gestärkt hatten, verzeichneten die Behörden zwischen 2004 und 2006 nahezu eine Verdoppelung der Büromieten in den Zentrallagen. Auch für Privatwohnungen sind bis zu 40% mehr zu zahlen.

Ebenso berichteten deutsche Firmenvertreter 2006, dass sie nach Auslaufen ihrer Mietverträge - die in Hongkong in der Regel über einen Zeitraum von zwei Jahren abgeschlossen werden - einer Mieterhöhung von 100% gegenüberstanden. So schloss beispielsweise die Landesbank Baden-Württemberg angesichts der stark steigenden Kosten ihre Niederlassung, der Logistiker DHL/Danzas muss in ein neues Büro in einer deutlich schlechteren Lage umziehen.

Die ausländischen Firmen beobachten die Kostenexplosion mit Besorgnis. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Mercer wurde Hongkong 2006 zum viertteuersten Standort der Welt. Gegenüber 2005 kletterte die SVR um fünf Ränge nach oben. Der Erzrivale Shanghai landete auf dem 20. Platz. Gegenüber 2005 (Rang 30) ist allerdings auch die Yangzi-Metropole deutlich kostspieliger geworden.

Neben den hohen Kosten beunruhigt die Geschäftswelt vor allem die zunehmende Umweltverschmutzung. Zwischen 1997 und 2004 stieg die Schwefeldioxidbelastung der Luft um nahezu 50%. Die Regierung macht vor allem die Industrie im benachbarten Perflussdelta für die Zusatzbelastung verantwortlich. Ein Großteil des Problems ist jedoch "hausgemacht". So verwenden die lokalen Kraftwerke - nachdem die Gaslieferungen von der Insel Hainan aufgrund versiegender Quellen ausbleiben - wieder deutlich mehr Kohle zur Stromerzeugung. Erst um 2010 sollen nach dem Willen der Behörden moderne Entschwefelungsanlagen zum Einsatz kommen.

Nach Angaben von ECA International ist die Atemluft inzwischen sogar schlechter als in Shanghai. Laut einer Umfrage der "South China Morning Post" vom Mai 2006 sehen 90% aller Manager bzw. Unternehmer in der Verbesserung der Luftqualität eine der dringendsten Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes.

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