Kraft für Öko
Wagniskapitalgeber entdecken Umwelttechnologien

Umweltfreundliche Technologien geraten zunehmend ins Visier von Wagniskapitalgebern. Doch glaubt man Experten, ist gerade in Deutschland das Zusammenspiel von Venture Capital und so genannter "Clean Technology" noch unterentwickelt. An den Aussichten kann es dabei nicht liegen: Umwelttechnologien dürften mittel- und langfristig überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen.

FRANKFURT. In Amerika - insbesondere in den USA - wurden nach Angaben des Hamburger Dachfondsanbieters BPE Fund Investors knapp 82 Mrd. Dollar in Unternehmen investiert, die sich etwa mit alternativen Energieerzeugungs- und Transportsystemen, Wasseraufbereitung, Wärmedämmung oder auch Entsorgungstechnologien beschäftigen. 5,2 Mrd. Dollar seien dabei von Venture-Capital-Häusern geflossen, sagt Andreas Odefey, Geschäftsführender Gesellschafter bei BPE.

Die Hamburger Gesellschaft, eine Ausgründung der Privatbank Berenberg, sammelt derzeit Kapital für ihren dritten Fonds ein. Bis Jahresende werden 100 Mill. Dollar angepeilt. 70 Prozent der Mittel sollen in CleanTech-Investments fließen. Dass sich Ökologie und Ökonomie dabei nicht im Wege stehen, zeigen die Ankündigungen von BPE: Investoren dürfen mit einer Netto-Rendite (IRR) von um die 15 Prozent rechnen.

Die Wachstumsperspektiven der Branche stehen ohnehin außer Frage. "Das ist ein großes Thema", sagt Professor Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts Instituts (HWWI). "Umwelttechnolgie wird langfristig betrachtet ein höheres Wachstum als das globale Sozialprodukt aufweisen." Zuwachsraten von über zehn Prozent jährlich seien keineswegs unrealistisch.

Ähnlich sieht es BPE-Manager Odefey. "Mich würde es nicht wundern, wenn wir jährlich im Schnitt ein Wachstum von zehn bis 20 Prozent sehen würden", sagt er. Dies gelte insbesondere für die USA, wo sich die Bürger angesichts drastisch steigender Energiepreise in kürzester Zeit für Autos mit Hybrid-Antrieben, Wärmedämmung oder andere umweltfreundliche Technologien interessierten. An diesem Trend werde auch der kurzfristige Einbruch des Ölpreises nichts ändern. "Das ist heute schon ein riesiger Markt", sagt der ehemalige Berenberg-Banker.

Kein Wunder, dass sich auch Wagniskapital immer stärker der Branche annimmt. "Vor drei oder vier Jahren gab es nur wenige CleanTech-Fonds, heute spricht jeder über das Thema", sagt Odefey. Er geht davon aus, dass in den USA alleine etwa 30 Venture-Capital-Fonds sich ausschließlich dem Segment widmen und weitere rund 150 Fonds zumindest einen Teil ihres Kapitals in die Branche stecken. Zu den bekanntesten Adressen gehören etwa die 2002 gegründete Braemar Energy Ventures, die sich auf Technologien im Energiebereich konzentriert und in New York ansässig ist. Ähnlich fokussiert ist Rockport Capital, wobei das Venture-Capital-House aus Boston auch in Prozess- und Materialtechnik investiert.

In Europa sieht Odefey den Bereich Cleantech bei der Wagniskapitalfinanzierung hingegen bislang als extrem unterentwickelt an. Grund sei, dass die USA per se eine unternehmerorientiertere Kultur hätten und stärker auf Eigenkapital setzten. "In den USA gehört es zum guten Ton, ein eigenes Unternehmen zu haben", sagt der BPE-Geschäftsführer. Auch Misserfolge beim Aufbau würden eher toleriert. HWWI-Direktor Straubhaar warnt indes, Europa und insbesondere Deutschland in umwelttechnologischem Wissen zu unterschätzen. "Wir sind hier zweifelsohne sehr weit vorne, was das Know-how anbelangt", sagt der Professor. "Aber es gibt klare Defizite, was die Finanzierung über Wagniskapital anbelangt." Hier wirkten unter anderem die steuerlichen Regelungen dämpfend.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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