Kraftwerksbau
Deutscher Investitionsboom in Ungarn

Mit dem Ausbau des Matra-Kohlekraftwerks setzt sich ein Trend in Ungarn fort: das Engagement deutscher Unternehmen in dem osteuropäischen Land. Insgesamt werden in das neue Kraftwerk bis 2012 rund 700 Mill. Euro investiert.

bfai BUDAPEST. Ziel ist die Installation eines neuen 400 MW-Kohlekraftwerkblocks sowie der Ausbau des Braunkohle-Bergbaus, einer neuen Bahnanbindung und einer Hochspannungsleitung. An Matra sind aus Deutschland RWE und EnBW beteiligt. Investiert werden soll in Ungarn zudem in das Vertesi Kraftwerk, dessen Privatisierung kurz vor dem Abschluss steht.

Mit dem Ausbau des Matra-Kraftwerks hält in Ungarn der Investitionsboom aus Deutschland an. Hochtief Airport hat Ende 2006 für einen Rekordpreis von knapp zwei Mrd. Euro den Budapest Airport übernommen, der in den nächsten Jahren zu einem regionalen Drehkreuz ausgebaut wird. Audi Hungaria hat angekündigt, sein langjähriges Ungarn-Engagement mit einer Investition von mittelfristig annähernd eine Milliarde Euro auszuweiten (bis 2006 schon drei Mrd. Euro). Auch Eon plant weitere Großinvestitionen (unter anderem in überregionale Erdgasspeicher). Im Jahr 2005 haben Ausländer in Ungarn insgesamt gut fünf Mrd. Euro an Direktinvestitionen getätigt. Nach Einschätzung der EIU-Ökonomen stehen ausländischen Unternehmen nun bei den Magyaren zwar "harte Zeiten" bevor, aber es sei nicht mit einem Rückzug zu rechnen. Das schlimmste Jahr werde 2007, in der zweiten Hälfte von 2008 könne bereits mit spürbaren Verbesserungen gerechnet werden.

Im Jahr 2012 soll ein neuer Block im Matra-Kohlekraftwerk (Visonta, Nordost-Ungarn) als der modernste seiner Art in Mittelosteuropa ans Netz gehen. Dies hat die Matra-Geschäftsführung Mitte November 2006 vor der Presse in Budapest bekannt gegeben. Die installierte Leistung des größten Kohlekraftwerks Ungarns war schon im November 2006 um 49 MW auf 885 MW erhöht worden, wobei hierzu auf Gasverstromung gesetzt wurde. Matra kann nunmehr über 15 Prozent des ungarischen Strombedarfs decken. Hinter dieser Kapazitätserhöhung steht eine erste neue Vorschaltgasturbine, mit deren Installation Ende 2005 begonnen wurde. Daneben kommt es zu Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Eine zweite neue Gasturbine soll im Februar 2007 betriebsbereit sein und eine etwa gleich hohe Leistungssteigerung bringen.

In den folgenden Jahren steht dann der Bau eines komplett neuen Kohlekraftwerksblocks für 700 Mill. Euro an (400 MW). Gleichzeitig sollen zwei ältere Blöcke stillgelegt werden, so dass die Gesamtkapazität von Matra 1180 MW zu erreichen verspricht. Die Investitionssumme umfasst auch Ausgaben für die Infrastruktur sowie für den Braunkohlebergbau. Mehrheitsbeteiligter bei Matra ist RWE (mit 50,9 Prozent), gefolgt von der staatlichen ungarischen MVM (25,5 Prozent) und der deutschen EnBW (21,7 Prozent). Im Matra Kraftwerk soll bis 2008 zudem der Biomasse-Einsatz ausgebaut werden. Ferner wird bis 2010 in Emissionsschutzmaßnahmen investiert (einschließlich Lärmschutz). Auf längere Sicht - bis 2020 - will Matra auch die zunächst noch verbleibenden drei älteren Kraftwerksblöcke durch neue ersetzen. Braunkohlereserven für den Betrieb sind langfristig gesichert.

Grundlage für den künftigen Betrieb des Matra-Kohlekraftwerks ist eine entsprechende Zuteilung von CO2-Emissionszertifikaten. Den so genannten Zuteilungsplan will Budapest noch bis Ende 2006 bei der EU einreichen. Der vorliegende Entwurf stellt für 2008 bis 2012 auf Jahresvolumina von jeweils 30,9 Mill. Tonnen ab. Die Hälfte soll davon auf Kraftwerke entfallen. Im Jahr 2005 hatten sich in Ungarn die Zertifikate-Zuteilungen landesweit auf 30,24 Mio. t summiert, bei tatsächlichen Emissionen von 25,71 Mill. Tonnen. Auf Grundlage dieser Zahlen gehen Beobachter davon aus, dass der ungarische Zuteilungsplan Anfang 2007 von Brüssel genehmigt wird.

Zwei Kohlekraftwerke gehören in Ungarn zu den sieben größten, noch ausstehenden Privatisierungsvorhaben, und zwar die Blöcke von Vertesi Erömü. Im November 2006 standen die Verhandlungen der staatlichen MVM mit der ungarischen Pronix als Käufer kurz vor einem Abschluss. Das Unternehmen will sich vertraglich zu Investitionen in der Größenordnung von gut 100 Mill. Euro verpflichten. Zu Vertesi gehören die beiden Kohlekraftwerksblöcke in Oroszlany und in Banhida. Letzterer ist aus Umweltschutzgründen schon vor Jahren vom Netz genommen worden. Dazu kommt noch das Kohlebergwerk Markushegy. Der Oroszlany-Block (240 MW, West-Ungarn) soll auf Beschickung auch mit Biomasse umgerüstet werden.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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