Kreative Lösungen für den Mittelstand
Neue Fonds bieten den Ausweg aus der Kreditklemme

In Kürze wird der Staat nicht mehr das Ausfallrisiko für Sparkassen und Landesbanken übernehmen. Mit dem Wegfall der wettbewerbsverzerrenden Staatshaftung 2005 wird sich das Kreditklima für den Mittelstand noch einmal mehr verschlechtern.

Etwa 18% der Unternehmen mussten in 2002 bereits eine Ablehnung ihres Kreditwunsches in Kauf nehmen. Deshalb sind alternative Modelle dringend gefragt. Wer unter seriösen und wettbewerbsfähigen Bedingungen Geld gibt, wird Marktanteile gewinnen.

Ein Beispiel ist der Mittelstandsfonds der Kölner Midas AG, der mittelständischen Firmen im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge Liquidität verschafft. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) soll zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Förderaufgaben 50 Mrd. € an den Kapitalmärkten erwirtschaften, mit „True Sale-Verbriefungen“ die Volumina der Banken erhöhen und über diesen Umweg die Liquidität des Mittelstandes verbessern.

Dazu will die Staatsbank gemeinsam mit den Großbanken ein Unternehmen für Kreditverbriefungen (ABS) gründen, dem sich auch die Sparkassen anschließen sollen. Durch die von privaten Banken gemiedene Kreditvergabe fallen den Sparkassen derzeit Marktanteile zu. Diese konnten im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern zwar jahrelang Kapitalreserven ansparen, doch wie lange die Sparkassen sich noch eine expansive Kreditvergabe leisten können, ist fraglich.

Der Zusammenschluss sieht eine Bündelung der Kredite, deren Umwandlungen in Wertpapiere und die Platzierung am Kapitalmarkt vor. Mittelständische Unternehmen können von dieser so genannten „True-Sale-Initiative“ nur indirekt profitieren: Durch die Entlastung ihrer Bilanzen gewinnen in erster Linie die beteiligten Banken mehr Flexibilität bei der Kreditvergabe.

Die Absicherung des deutschen Kreditwesens mit anlgoamerikanischen Methoden verdeutlicht die Misere der Banken, die im Regelkreis der Kapitalmärkte stecken und nur noch eines wollen: Sicherheit. Faktisch sind bereits die Kreditlinien vor allem bei privaten Banken so dramatisch auf Sicherheit getrimmt, dass der Mittelstand massive Geldnöte hat. Besonders groß ist die Not bei den Unternehmensnachfolgen.

Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn stehen etwa 380 000 mittelständische Familienunternehmen vor einer Übergabe. Das Nachfolgeproblem gefährdet 20 000 Unternehmen und 200 000 Arbeitsplätze allein in NRW. Die KfW kommt in ihrer Unternehmensbefragung für 2002 zu dem Schluss, dass das Nachfolgeproblem seinem Höhepunkt erst noch zustrebe. Dass 30 % der Unternehmen vor einem Wechsel stehen, übertrifft alle bisherigen Schätzungen.

Meist fehlt es an geeigneten Nachfolgern in den Familien. Doch den Mitarbeitern, die sich fachlich eignen würden, das Unternehmen fortzuführen fehlt es an der Finanzkraft, das Unternehmen ganz oder teilweise zu erwerben. In diesem Falle beteiligt sich der Mittelstandsfonds. Bisher war die Investition in Unternehmen in erster Linie institutionellen Anlegern möglich und setzte Private Equity-Beteiligungen voraus. Die Konzeption eines Publikumsfonds, an dem sich Anleger bereits ab einer Einstiegssumme von 1 000 € beteiligen können, ist derzeit einmalig. Investiert wird nicht in ein, sondern in verschiedene Unternehmen.

Die Entwicklung von Beteiligungskapital (Private Equity) ist als Gegenwicht zum Bankkredit ein weiterer Baustein im Mittelstandsprogramm der KfW. Für 15 % der Unternehmen ist diese Finanzierungsform wichtig, 21 % erwarten einen Bedeutungszuwachs.

Signifikant ist diesem Zusammenhang, dass die Bedeutung mit dem Alter des Unternehmens steigt. In der Vergangenheit sind Beteiligungen immer wieder an der „Herr im Haus“-Problematik gescheitert. Denn mit dem Einstieg von Beteiligungsgesellschaften ist eine unerwünschte Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse verbunden. Zudem streben Private-Equity-Gesellschaften den Exit - also den gewinnbringenden Verkauf zu Boomzeiten - an.

Der Mittelstandsfonds hingegen stellt den Unternehmen das Kapital zur Verfügung ohne in die Unternehmenspolitik einzugreifen. Möglich ist dies durch die Beteiligung in Form von stillen Gesellschaftern. Wirtschaftlich gleicht die stille Gesellschaft der Kommanditgesellschaft, da die Haftung nur auf die Höhe der Einlagen beschränkt ist. Rechtlich besteht jedoch der grundsätzliche Unterschied, dass es sich um eine reine Innengesellschaft handelt, da die Einlage als Teil des Eigenkapitals ausgewiesen wird.

Der stille Gesellschafter hat keine Leitungsbefugnisse, ist von einer Vertretung des Unternehmens nach außen grundsätzlich ausgeschlossen und wird nur am Gewinn beteiligt. Im Falle des Mittelstandsfonds sind dies 10 % der Beteiligungssumme. Damit die Unternehmen langfristig mit dem Kapital arbeiten und die Zinsen erwirtschaften können, beträgt die Mindestlaufzeit bei einem solchen Engagement zwölf Jahre. Doch für die Anleger stellt sich die Frage, in welchen Anlageformen überhaupt noch Renditen möglich sind. Zwar lassen sich mit so genannten Finanzinnovationen am Kapitalmarkt durch Termingeschäfte kurzfristig Renditen erzielen, doch der Gesetzgeber hat hier die Differenzmethode angesetzt, die für die Erfassung steuerpflichtiger Zinsen aus Veräußerungen gilt. Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis ergibt die Zinseinnahme, von der die Bank 30 % Kapitalertragssteuer einbehält.

Der erwähnte Mittelstandsfonds bietet dem Anleger eine Festverzinsung von 7 % p.a. und eine Rückzalung der eingezahlten Investitionssumme nach 12 Jahren. Als außerbörsliche Investition unterliegt der Mittelstandfonds nicht den Schwankungen des geregelten Kapitalmarktes. Als alternatives Finanzierungsinstrument und Anlegeform ist dieser Fonds beispielhaft: Es gibt bereits Gespräche, nach dem gleichen Muster einen Fonds für ein Bundesland zur Förderung mittelständischer Unternehmen im Bereich Medizintechnik zu konzipieren. Als börsenunabhängige, kleinteilige Finanzierungsplattform ist der Mittelstandsfond eine Alternative zum Bankkredit, der sich für Unternehmen und Anleger langfristig auszahlt.

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