Kreditbeziehungen
Angst vor aggressiven Anlegern

Nicht nur private Haushalte sorgen sich, was im Fall des Verkaufs ihrer Immobilienkredite geschieht. Berichte über Vollstreckungen aggressiver Kreditkäufer haben auch Unternehmen aufgeschreckt. Ähnlich wie die privaten Haushalte fordern Mittelständler mehr Transparenz in den Kreditbeziehungen. Mit Regelungen des Gesetzgebers ist in Kürze zu rechnen.

BERLIN. Nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) würden Banken und Sparkassen zur Verbesserung ihrer Risikostruktur oder zur Neuausrichtung ihres Kreditportfolios immer häufiger Darlehensbeziehungen zu Unternehmen aufgeben. "Die mittelständischen Unternehmen sind durch die umstrittenen Verkäufe von Immobilienkrediten privater Haushalte verunsichert. Sie sorgen sich, dass ihnen Ähnliches mit ihren Krediten passieren könnte", sagt Reinhard Kudiß, Finanzierungsexperte des BDI.

Konkret wird die Gefahr gesehen, dass über die Abtretung eines Kredits, der bislang vertragsgemäß bedient wurde, die wirtschaftliche Unabhängigkeit eines Familienunternehmens gefährdet werden könnte. So könne ein neuer Gläubiger andere Verwertungsinteressen verfolgen als die bisherige Bank. "Wenn vom Schuldner beispielsweise gefordert wird, weitere Sicherheiten zu stellen, über die er nicht verfügt, kann sich der neue Gläubiger leicht in eine strategische Eigentümerposition hineinverhandeln", befürchtet Kudiß.

Fragwürdig sind aus Sicht des Wirtschaftsverbands Kreditkündigungen, die sich aus bloßen Ratingverschlechterungen ergeben. "Dies darf kein ausreichender Grund für eine Kündigung sei", so Kudiß. Das sieht die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ähnlich. Zu dem Zweck müsste der Paragraph 490 des Bürgerlichen Gesetzbuches geändert werden. Dieser erlaubt es Kreditinstituten, einen Vertrag zu kündigen, wenn sich Vermögensverhältnisse oder Sicherheiten ändern. Nach Vorstellungen der Union sollte der Kreditvertrag erst dann gekündigt werden dürfen, wenn er nicht mehr ordnungsgemäß bedient werde.

Bei allem Schutzinteresse ist sich der BDI bewusst, dass er das Kind auch nicht mit dem Bade ausschütten darf. "Natürlich wollen wir keine Verschlechterung der Kreditversorgung", und auch das Instrument der Verbriefungen soll nicht unbrauchbar gemacht werden, so Kudiß. Auf die große Bedeutung von Kreditverkäufen hat der Dachverband der Kreditwirtschaft, der Zentrale Kreditausschuss (ZKA), hingewiesen. Die Übertragung von Kreditforderungen diene der Eigenkapitalentlastung, da Kredite mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, dem bankaufsichtsrechtlich geforderten Risikomanagement, der Ausweitung von Kreditvergabekapazitäten sowie der Verbesserung der Refinanzierungsstruktur.

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