Kredite
Fehlendes Wissen bremst Finanzierung

Die Zahl der insolventen Unternehmen hat sich im ersten Halbjahr 2009 um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. Dabei handelt es sich meist um kleinere Betriebe. Gerade im Mittelstand fällt es Banken mitunter schwer, angebotene Sicherheiten für Kredite zuverlässig zu bewerten. Externe Dienstleister können diese Aufgabe übernehmen.

ERDING. Die Situation der kleinen Betriebe in Deutschland hat sich angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche verschärft. Rund 16 650 Firmen meldeten laut Creditreform allein im ersten Halbjahr 2009 Insolvenz an. Das sind 14 Prozent mehr als noch im gleichen Vorjahreszeitraum. Dabei handelt es sich zum allergrößten Teil nicht um der breiten Öffentlichkeit bekannte Großkonzerne, sondern um einen lokalen Maschinenbaubetrieb oder den Schreiner in der Nebenstraße. Rund 62 Prozent der Insolvenzfälle setzten nach Angaben von Creditreform weniger als 500 000 Euro im Jahr um, etwa ein Drittel bis zu fünf Mio. Euro.

Kleinere Betriebe verfügen oftmals durchaus über ausreichende Sicherheiten für einen Betriebsmittel- oder Investitionskredit - nämlich in Form des vorhandenen Anlage- und Umlaufvermögens. Jedoch ist der Marktwert einer gebrauchten Werkbank oder einer Rüttelplatte für den Sachbearbeiter einer Bank nur schwer oder gar nicht zu beziffern. Hier kommen spezialisierte Dienstleister ins Spiel, wie zum Beispiel ein Industrieversteigerer. Solche Unternehmen verfügen über die Kompetenz, um die Marktwerte von Maschinen und Anlagen realistisch zu schätzen. Dabei stützen sie sich auf eine breite historische Datengrundlage aus der Bewertung und Verwertung von Maschinen und Anlagen, eigene Recherchen sowie Kenntnisse über Absatzchancen und Absatzmärkte. Herkömmliche bilanzielle Bewertungsansätze, wie zum Beispiel Anschaffungswerte vermindert um Abschreibungen, sind dagegen keine brauchbare Grundlage, um Erlöse zu ermitteln, die Vermögenswerte im Fall einer Verwertung bringen würden.

Die Bewertung von Sicherheiten durch einen Gutachter schafft Transparenz für Kreditgeber und Kreditnehmer - und damit eine wichtige Grundlage für die Kreditentscheidung. Das Gutachten kann von der jeweiligen Bank mit Zustimmung und auf Kosten des Kredit suchenden Unternehmens bestellt werden. Firmeninhaber können dabei auch positive Überraschungen erleben. Denn manchmal erbringen ihre Maschinen und Anlagen einen deutlich höheren Wert, als ursprünglich angenommen, so dass sich durchaus auch zusätzliche Kreditspielräume ergeben können.

Müssen die so bewerteten Sicherheiten einmal tatsächlich in Anspruch genommen werden, stoßen Banken und Sparkassen ebenfalls an Grenzen. Sie besitzen nicht die Kompetenz, Maschinen oder Warenbestände in kurzer Zeit zu veräußern. Eine internationale Industrieversteigerung stellt hohe Ansprüche, von der Klärung komplexer Rechtssituationen bis zu gezielten Werbemaßnahmen über Länder und Kontinente hinweg. Benutzte Büroeinrichtungen, Rüttelplatten oder Fräsmaschinen müssen dann in kurzer Zeit unter den Hammer kommen, da sonst die Gefahr droht, dass die Kreditinstitute auf den Werten sitzen bleiben. Die besondere Leistung eines Verwertungsunternehmens besteht in diesem Fall darin, einen Markt für diese Vermögenswerte zu schaffen, um im Falle einer Versteigerung den bestmöglichen Erlös zu erzielen.

Mittelständler sind also im Falle eines Liquiditätsengpasses gar nicht unbedingt auf staatliche Milliardenhilfen angewiesen. In manchen Fällen kann die Handlungsflähigkeit des Unternehmens bereits erhalten werden, wenn Kreditsicherheiten marktnah und zuverlässig bewertet werden.

Gutes Gefühl

Stabile Konditionen

Jeder fünfte Mittelständler bewertet die Konditionen bei der Kreditvergabe als positiv. Laut einer Umfrage der Verbände "Die Familienunternehmer" und "Die Jungen Unternehmer" haben sich von Mai bis Juli für weniger als ein Viertel der Mittelständler die Kreditkonditionen verschlechtert, während sie sich für rund 20 Prozent verbesserten.

Spürbare Krise

Dennoch gab rund die Hälfte der Befragten an, stark oder sehr stark von der Krise betroffen zu sein. Besonders viele Mittelständler meldeten im Mai, dass die Krise sie im Griff habe. Seitdem ist diese Zahl zwar wieder gefallen, befindet sich aber immer noch mit etwas unter 50 Prozent auf hohem Niveau.

Peter Hämmerle ist geschäftsführender Gesellschafter der Hämmerle Unternehmensgruppe.

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