Kredite für den Mittelstand

Das Eigentor der Europäischen Zentralbank

Unternehmen in Europas Süden müssen sich weitgehend ohne Kredite durchkämpfen. Die EZB hofft, den Geldfluss durch einen Strafzins ankurbeln zu können. Das Beispiel Spanien zeigt: Nutzen wird es wenig.
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Flugzeug der spanischen Iberia: Die Kreditvergabe in Spanien lahmt. Quelle: dpa

Flugzeug der spanischen Iberia: Die Kreditvergabe in Spanien lahmt.

(Foto: dpa)

MadridBanken müssen ab sofort einen Strafzins für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank zahlen. Das Ziel: „Die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu unterstützen“, sagt der obersten Währungshüter Mario Draghi. Im Hinterkopf hat er dabei Länder wie Italien oder Spanien. Dort lahmt die Kreditvergabe an Unternehmen, die Inflation liegt nahe null Prozent und das treibt den Währungshütern in Frankfurt den Schweiß auf die Stirn.

Dabei gehe die Krise in Spanien zu Ende, wird die Regierung in Madrid nicht müde zu behaupten. Die Wirtschaft wächst seit Jahresmitte 2013 von Quartal zu Quartal ein bisschen mehr – in den ersten drei Monaten waren es 0,4 Prozent. Im Gesamtjahr wird die Wirtschaftstätigkeit um mehr als ein Prozent zulegen, darin stimmen mittlerweile die meisten Prognosen überein.

Doch für die kleinen und mittelständischen Betriebe des Landes gibt es keine Entwarnung. Allenfalls lässt sich sagen, dass sie wohl den absoluten Tiefpunkt durchschritten haben. Und schnelle Besserung bringen dem spanischen Mittelstand auch nicht die am Donnerstag verkündeten Schritte der EZB.

Die Kreditklemme, die das Hauptproblem für die Firmen im Süden darstellt, hatte sich trotz der verbesserten Konjunkturaussichten zuletzt nur minimal gelockert. Die Durchschnittszinsen bei den typischen Mittelstandskrediten – also bis zu einer Millionen Euros und über fünf Jahre – setzten im April zwar ihren langsamen Sinkflug fort und fielen um 0,3 Prozentpunkte auf 4,77 Prozent.

Im Vergleich zu deutschen Mittelständlern zahlen die Spanier aber im Durchschnitt noch immer 1,2 Prozentpunkte mehr. Und das Kreditvolumen der Banken hat sich im ersten Quartal weiter verringert. Zwar berichteten die Kreditinstitute in ihren Quartalsergebnissen von einem Anstieg der Neukredite, vor allem bei den mittelständischen Exportfirmen. Doch noch ist die Vergabe von neuen Krediten geringer als die Abschreibungen.

Negativer Einlagezins und steigende Kreditzinsen?
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24 Kommentare zu "Kredite für den Mittelstand: Das Eigentor der Europäischen Zentralbank"

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  • Es gibt auch eine einfache Regel, Spare in guten Zeiten, so hast du Geld in der Not, wusste sogar meine Großmutter mit minimaler Schulausbildung Das gilt für den Staat sowie für Privatleute und Unternehmen. Und es funktioniert. In der Konjunktur sind die Preise überteuert und für Kredite bezahlt man zu hohe Zinsen. Aber wenn man alles sofort haben muss, und alles auf Pump finanziert, bezahlt man einfach zu viel. Ist eine Frage der Planung.
    In der Krise kommen die Preise herunter und man kann sich auch einen guten zusätzlichen Rabat aushandeln. Auch die Zinsen für Kredite, Hypotheken, Darlehen werden bezahlbar. Braucht Geduld und Zeit.
    Und das hat nichts mit dem Euro oder der EZB zu tun, sondern mit Gesellschaftlicher und persönlicher Intelligenz.

  • "Man kann es nicht oft genug betonen, ohne Wirtschaftswachstum keine Zinsen, denn die muss jemand erarbeiten."

    "Das ist nicht wahr."

    Doch das Zinseszinssystem erzeugt Wachstumszwang, das ist keine Meinung sondern mathematisch zwingend unbestritten Fakt.

    Wenn Zinsen und realwirtschaftliches Wachstum auseinanderlaufen, gibt es früher oder später Inflation oder Deflation bzw. Spannungen, die sich in einem Crash entladen, infolge dessen überschüssige Zinsforderungen/Geldforderungen wieder abgschrieben werden müssen. Nichts anderes erleben wir - nur dass die Giralgeldmenge weit stärker wächst, als sie es durch das Zinseszinssystem mathematisch müsste. Grund: Systemische Mängel/Fractional Reserve Banking, "Innovative Finanzprodukte"/Wettscheine in Verbindung mit mangelnder Regulierung, Boni-Anreizsysteme, Moral Hazard/Risikoappetenz, Gier

  • Eine Idee für die Problem Lösung von Klein-, und Mittelständischen Unternehmen wäre, das man gleich lange Spieße macht für die Unternehmen. Den die Klein-, und Mittelständischen Unternehmen sind in dem EU Raum mit 70% der Wirtschaftsleistung der Motor der Wirtschaft und in der Summe der grüßte Arbeitgeber. Wieso werden groß Unternehmer besser behandelt?
    Was ist das größte Problem der Betriebe in einer Krise? Der Staat und der Kunde bezahlen ihre Rechnungen viel zu spät oder gar nicht, und das bricht den meisten Betrieben das Genick.
    Was kann man dagegen tun. Das EU Parlament müsste gesetzlich festlegen, die Bezahlungs Abwickelung bei Verträgen der Parteien, innerhalb der EU. Beispiel, 30% Bezahlung bei Vertrags Abschluss, 30% Bezahlung in der Mitte der Produktion und 40% bei Auslieferung der Wahre. Damit die Vorfinanzierung und das Risiko nicht alleine eine Partei übernehmen muss.

  • Wir brauchen mehr Investitionen und eine höhere
    Binnennachfrage innerhalb Europas bzw. der Euro-Zone.

    Es ist immer das selbe Problem läuft es intern schlecht
    gehen alle auf andere Kontinente.

    Jetzt haben die Leute Angst und wollen ihren Cash in Sicherheit
    bringen sie vertrauen der Finanzindustrie nicht mehr.

    Bzw. sollen die Vermögen ja och noch etwas wachsen um besser
    durch die nächste Krise kommen zu können.

    Das ist natürlich Mist den sparen schadet dem Wachstum.
    Besser ist es halt schon wenn die Leute ihr Geld in die
    Unternehmen pumpen in Form von Aktien oder auch Anleihen.

    Man sollte einfach noch etwas Ruhe bewahren immerhin geht es
    ja um ganze Länder und niemand kann zaubern.

    Ob die neuen Massnahmen helfen ja oder nein lässt sich
    frühestens nächstes Jahr beurteilen vorher ist das einfach
    Schwachsinn dadrüber zu diskutieren.

  • Wie es scheint, tun wir derzeit nicht nur was Klimapolitik anbelangt so, als gäb’s kein Morgen mehr.
    Ob sich Ziel, die Wirtschaft in Krisenstaaten in Gang zu bringen erreichen lässt, werden wir ja rausfinden.
    Auf jeden Fall wird uns die Tatsache, dass Sparen sich nicht mehr lohnt, über kurz oder lang wohl zum radikalen Umdenken zwingen – raus aus dem „Sicherheitsbunker“, rein ins Hier und Jetzt. Ist auch besser so.
    Im HB (S. 7): „Wer Geld für die Zukunft zurücklegt, hat später weniger als heute. Wer sein Geld dagegen verprasst, liegt dem Staat später zwar womöglich auf der Tasche, doch er kann sein Leben jetzt vollauf genießen.“
    Dem Staat??! Das ist ja der springende Punkt: Wir werden uns eben in Zukunft nicht mehr auf den Staat verlassen können, und auch nicht auf irgendwelches bedrucktes Papier (bzw. verbriefte Ansprüche darauf), sondern nur noch auf uns selbst.
    Man kann sich und anderen das Leben auch schwer machen (klappt besonders gut, wenn man einander keinen halben Meter über den Weg traut). Muss man aber nicht.
    Alles eine Frage der Einstellung.
    „Wir versaufen unser’ Oma ihr klein Häuschen"-Stimmung?
    Kein Problem, solange wir dabei nicht vergessen, dass wir alle - und mit „wir alle“ meine ich jetzt tatsächlich ALLE - auch morgen noch was zu Essen (und noch einiges mehr) brauchen. Und dass von Nix nix kommt.
    Dass Aktivität befriedigender ist als dumpfes Vor-sich-hin-Konsumieren (Denken fällt übrigens auch unter „Aktivität“) kann wohl jeder bestätigen, der es schon ausprobiert hat.
    Ist sowieso des Menschen würdiger, so gut er kann für sich selbst verantwortlich zu sein und gleichzeitig gut mit den anderen zusammenzuleben (es gibt größere Freuden als Überlegenheitsgefühle, Häme und Schadenfreude!).
    Und möglichst das tun zu können, was er gern tut (ist ja bei jedem etwas anderes), das kann er nämlich auch am besten.
    Immerhin können wir heute vieles, das wir uns früher nicht mal vorstellen konnten.
    Diese neuen Möglichkeiten sollten wir aber auch sinnvoll nutzen

  • Wenn diese innovativen Firmen wirklich ein glaubwürdiges und erfolgversprechendes Konzept haben, dann finden sich in der Regel auch Sponsoren.

    Was hier jedoch gemacht wird, ist genau dasselbe, was zu dieser Krise beigetragen hat, nämlich Kreditvergabe für zweifelhafte Projekte zu fördern. Auch äusserst fragwürdige Infrastrukturprojekte (und ich meine damit nicht die deutsche Infrastruktur), nach dem Motto, Hauptsache Aktivität. Selbst hochverschuldete Kommunen können sich jetzt wieder Statusprojekte leisten.

    Wer hierfür dann bei der nächsten Bankenkrise die Rechnung präsentiert bekommt, ist ja deutlich. Das Modell, der Steuerzahler zahlt alles, läuft ja bestens.
    Parallell dazu geht jeglicher Anreiz zur Selbstvorsorge verloren, ausser vielleicht die Anlage in Aktien und überteuerten Immobilien, wobei hier der nächste Crash, ja von Draghi selbst vor nicht allzu langer Zeit bereits insinuiert wurde.

    Die Auswirkungen werden wir dann langfristig erleben dürfen. Aber bis dahin wird er sich dann verdrückt haben, der Herr "nach mir die Sintflut" Draghi. Und keiner ist es gewesen......

  • @ tolbiac

    Völlig richtige kurze und knappe Analyse der gegenwärtigen Situation in der EU. Zu Lasten der fleißigen deutschen Arbeitnehmer / Unternehmer wird ein maroder Moloch (Finanzbranche Süd-Ost-Europa künstlich am Leben gehalten, anstatt die südeuropäischen Banken in eine geordnete Insolvenz gehen zu lassen. Die entstehenden Lücken würden durch ganz normale Marktprozesse schnell wieder gefüllt werden (ausländische Banken, Großbanken). Nur das will sich keiner von den Banditen im Süden eingestehen, dass man nämlich an der Krise selbst schuld ist. Außerdem werden diese Banken ja nicht gerettet, sondern Deutsche. Tja, und da sind wir gleich beim Thema: Als der arrogante Herr Ackermann behauptete er würde sich schämen, wenn er staatliche Unterstützungen annähme, verschwieg er wissentlich, dass die Deutsche Bank America mit Milliardenaufwand seitens der amerikanischen Steuerzahler gestützt wurde.

    Aber man kann ja mal auf dicke Hose machen ...

  • Das Geld der Banken wird in Spekulation und Staatsanleihen fliessen. Das kommt dem erlahmenden Reformwillen der Suedlaender gerade recht. Jetzt kann beim Geldverschwenden wieder ordentlich Gas gegeben werden. Ansonsten wird es vieleicht noch die ein oder andere Blase geben, Aktien, Immobilien. An der Kreditvergabe wird sich wenig aendern. Die Banken haben aus der letzten Krise gelernt nicht an Schuldner mit schlechter Bonitaet (Sub-prime) zu verleihen. Staatsanleihen sind durch die EZB garantiert. Dadurch haben jetzt griechische Anleihen das gleiche Risiko wie Deutsche.

  • @BringFrieden

    "und allen 40 Euro in die Hand als Neustart geben."

    Mit 40 DM wäre ich dabei... ;-)

  • Die "Wahrheit" ist nicht das "Wahre", und die "Unwahrheit" ist nicnt das "Falsche", während das "Falsche" wiederum das "Richtige" sein kann oder aber dessen Gegenteil.

    Nennt man auch "Coincidentia Oppositorum" die Einheit der Gegensätzte. lol

    "Wahr" und zutreffend seint zu sein, dass die neusten Manöver des Herrn Draghi wohl kaum den südlichen Mittelständlern aus der Kreditklemme helfen, vielmehr soll der Euro "geschwächt" werden, um die Wettberbsfähigkeit möglicherweise zu "stärken".

    Ob das funktioniert, wissen nur die "Götter". Halbgötter wie Draghi, hoffen und glauben nur es zu "wissen"

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