Kreditgeschäft
Mittelständler und Gründer gehen besseren Zeiten entgegen

Langsam verschwindet die Angst vor der drohenden Kreditklemme und die Unternehmen setzen weiter auf die Finanzierung durch Banken. Doch nicht alle sehen das Gespenst der zu knappen Kapitalversorgung endgültig verscheucht.
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BERLIN. Noch zum Jahreswechsel zerbrachen sich Regierung und Wirtschaftsverbände die Köpfe, wie eine drohende Kreditklemme verhindert werden könnte. Das Schreckensszenario: Der Wirtschaftsaufschwung wird abgewürgt, da die steigende Kreditnachfrage der Unternehmen nicht bedient wird. Viele Banken sind angeschlagen und aufgrund höherer Kapitalanforderungen entweder nicht in der Lage, mehr Kredite zu vergeben oder dürfen es nicht, da die Bonität ihrer Kreditnehmer in der Finanzmarktkrise kräftig gelitten hat.

Wachsende Kreditnachfrage kann bedient werden

Nun häufen sich die Indizien für eine Entspannung. Am weitesten wagte sich der Vorstandschef der KfW Bankengruppe, Ulrich Schröder, vor: „Die noch vor kurzem befürchtete Scherenproblematik – investitionsbedingt anziehende Kreditnachfrage kann wegen Angebotsrestriktionen nicht angemessen bedient werden – dürfte vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen zunehmend unwahrscheinlich werden“, sagte Schröder mit Blick auf den deutschen Kreditmarkt.

Die Risiken für eine generelle Störung des Kreditangebots seien deutlich gesunken. So habe die Abwärtsdynamik beim Kreditneugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen stark nachgelassen. Bis Jahresende sollte das Kreditneugeschäft wieder expandieren. Konkret schrumpfte nach Berechnung der KfW das Kreditneugeschäft der Banken im zweiten Quartal 2010 um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Aber im Vergleich zum Rückgang der beiden vorherigen Quartale sei ein deutlicher Schritt in Richtung Normalisierung zu verzeichnen.

Ähnliche Signale sind von der Deutschen Bundesbank zu vernehmen. Es gebe „keine Hinweise auf eine drohende Kreditklemme", heißt es in ihrer Sonderumfrage zum Kreditgeschäft deutscher Banken von Juli 2010. Befürchtungen über eine zu knappe Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft im Fortgang des konjunkturellen Aufschwungs werden von den befragten Banken nicht geteilt. Über die nächsten zwölf Monate erwarteten die Teilnehmer der Umfrage sogar ein steigendes Kreditvolumen. Wobei der Anstieg vor allem von den Krediten an kleine und mittlere Unternehmen getragen werde.

Den Anstieg des Kreditvolumens begründen Banken und Bankenverbände mit den allgemein verbesserten Konjunkturaussichten und einer steigenden Nachfrage. Mit dämpfenden Einflussfaktoren auf die Entwicklung der Unternehmenskreditvergabe im Inland werde nicht gerechnet.

Dennoch sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) das Gespenst einer Kreditklemme noch nicht restlos verscheucht. Die Unternehmensfinanzierung stehe „an einem Scheideweg“, heißt es mit Blick auf eine Befragung unter Mitgliedsunternehmen über den Verlauf des ersten Halbjahres. Allerdings sieht der Verband, dass die Unternehmen im ersten Halbjahr 2010 weniger Finanzierungsprobleme gehabt haben als im vergangenen Jahr.

Experten schätzen Situation der Betriebe unterschiedlich ein

Sorgen bereitet dem DIHK jedoch, dass sich die Eigenmittelsituation der Unternehmen nach Einschätzung von mehr als der Hälfte der IHK-Experten im ersten Halbjahr 2010 weiter verschlechtert habe. „Viele Betriebe haben ihre Polster in der Krise verbraucht“, heißt es. Das steht zumindest im Kontrast zu einem Befund des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). So hatte eine Trendauswertung von über 7 000 Bilanzen ergeben, dass sich die Eigenkapitalquote der Unternehmen im Durchschnitt im Vergleich zum Vorjahr nicht verschlechtert habe. „Der DSGV sieht daher kein Eigenkapitalproblem in der Breite der mittelständischen Wirtschaft“, so Präsident Heinrich Haasis.

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