Kreditklemme
Mittelstands-Vertreter Adenauer macht keine Panik

Patrick Adenauer, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Unternehmer (ASU), spricht heute beim Konjunkturgipfel der Kanzlerin für den Mittelstand. Die Botschaft des Verbandes: Die Familienunternehmer sehen positiv in die Zukunft. Und auch von einer Kreditklemme will Adenauer nichts wissen.
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BERLIN. Es gibt zwar kaum einen Namen, der enger in Verbindung mit dem Rheinland steht als Adenauer. Doch der Enkel des "Alten von Rhöndorf" ist alles andere als der landestypische Vertreter des prallen Frohsinns. Patrick Adenauer, Kölner Unternehmer aus der Bau- und Immobilienbranche, wirkt eher nüchtern und norddeutsch kühl. Wenn der hochgewachsene, promovierte Betriebswirt heute Nachmittag um 17 Uhr mit den Spitzenvertretern von Verbänden, Banken und Unternehmen am großen Tisch der Kanzlerrunde Platz nimmt, dann geschieht das nicht etwa aus Rücksicht auf seinen berühmten Namen. Adenauer ist von Angela Merkel eingeladen worden, weil er als Präsident des Verbandes der Familienunternehmen die Sichtweise dieses wichtigen Wirtschaftskreises vortragen soll.

"Die Familienunternehmen sind ein bedeutender Zweig, der im klassischen Verbandswesen seine speziellen Anliegen nicht immer ausreichend zur Geltung bringen kann", sagt Adenauer mit Blick auf die Großstrukturen bei BDI, BDA und DIHK. Klein ist seine Organisation allerdings auch nicht mehr: Inzwischen spricht er immerhin für rund 5 000 Mitglieder, die als Familienunternehmer für über 300 Milliarden Euro Jahresumsatz und 2,3 Millionen Arbeitsplätze verantwortlich zeichnen. Nervös ist Adenauer vor der großen Runde nicht. Er hat schon einmal in einem Kreis von Mittelständlern mit Angela Merkel zusammengesessen, als die Kanzlerin Anfang des Jahres einer ausgewählten Gruppe das Konjunkturprogramm der Bundesregierung erläuterte.

"Diesmal wird es wohl eine sehr große Runde", ahnt Adenauer und fügt scherzhaft hinzu: "Mal sehen, ob wir alle an den Tisch passen." Wichtig ist ihm, dass jeder die knappe, ihm zur Verfügung stehende Zeit nutzt, um seine Botschaft in dem hochkarätigen Kreis an den Mann beziehungsweise an die Kanzlerin zu bringen. "Frau Merkel kann sehr gut zuhören", weiß Adenauer, der einer Familientradition folgend selbst in der CDU engagiert ist. Die Wirtschaftsverbände haben sich vorher abgesprochen, wer welches Thema vorträgt, um Doppelungen zu vermeiden. "Wir sollten nämlich nicht in eine Situation kommen, dass zwar schon alles gesagt ist, aber noch nicht von jedem", sagt Adenauer.

Die Botschaft der Familienunternehmen hat sich der 49-jährige Hobbygolfer und Vater zweier Kinder vorher genau überlegt und durch eine repräsentative Umfrage im Verband absichern lassen. Überraschende 61 Prozent der befragten Familienunternehmen geben an, dass sie die Lage ihrer Firma als sehr gut, gut oder befriedigend einschätzen. Nur 15 Prozent erteilen den Perspektiven ihres Unternehmens die Note mangelhaft und ungenügend. Auch geht rund die Hälfte der Familienunternehmer davon aus, dass ihre Situation sich im nächsten, spätestens aber im übernächsten Jahr wieder verbessern wird. Entgegen der landläufigen Klage vieler Mittelständler findet Adenauer auch, dass es "derzeit keine Kreditklemme gibt". Über die Hälfte seiner Mitglieder sieht einen gleichbleibenden Kapitalbedarf im Jahr 2010. Ein weiteres Drittel geht von steigendem Bedarf aus.

"Mein wichtigster Wunsch ist es, dass jetzt keine Panik entsteht", sagt Adenauer mit Blick auf die von der Politik als labil empfundene Lage. "Außerdem sollte die Regierung zwar die Bürger insgesamt entlasten, aber auf sektorale Steuergeschenke verzichten und auch die Konsolidierung nicht aus den Augen verlieren."

Seinem Unternehmen geht es trotz Krise gut

Was ihn brennend interessiert, ist die Einschätzung der anderen Gipfelteilnehmer. Neben den Vorstandsvorsitzenden von Großunternehmen und Banken werden auch Konjunkturforscher und der Chef der Bundesbank, Axel Weber, vortragen. Ihm selbst gehe es als Unternehmer trotz Krise gut, bekennt Adenauer offen. Mit seinem Bruder leitet er das Kölner Unternehmen Bauwens. "Wir haben rechtzeitig Kosten wie Strukturen optimiert", sagt Adenauer, "dadurch haben wir den Rückgang auffangen können."

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter

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