Kreditmarkt
Die große Renaissance der Förderbanken

Die Volkswirte der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erwarten, dass sich die Lage am Kreditmarkt weiter zuspitzen wird. Für einige Unternehmen dürfte die Finanzierung großer Investitionen künftig deutlich erschwert werden. Dann könnten besonders die Förderbanken gefordert sein

FRANKFURT. Schneller kann eine Reputation sich kaum wandeln: Vor einem Jahr noch verspottet wegen der 320 Mio. Euro schweren Überweisung an die insolvente Investmentbank Lehman Brothers, hat sich die staatliche Förderbank KfW in der Wirtschaftskrise zum beliebten Helfer des Bundes entwickelt. Ob es sich um Konjunkturkredite für Unternehmen und Leasingfirmen oder Großdarlehen an Banken für deren Firmen- und Exportkreditvergabe handelt: In der Not finanziert die KfW.

Ihr Image als Krisenhelfer hat die KfW zuletzt mit einer mehrwöchigen Bustour durch ganz Deutschland in diesem Jahr öffentlichkeitswirksam inszeniert. Doch tatsächlich hat die Förderbank, die zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Bundesländern gehört, im ersten Halbjahr weniger gefördert. Das Gesamtfördervolumen fiel um ein Drittel auf 23,2 Mrd. Euro, das Fördervolumen des Geschäftsbereichs Mittelstandsbank um knapp 15 Prozent auf 8,3 Mrd. Euro - trotz mehr als einer Milliarde Euro an zur Jahresmitte vergebenen Sonder-Konjunkturkrediten.

Der Grund: Unternehmen und Häuslebauer investieren weniger, und die meisten normalen Förderprogramme der KfW sind an Investitionsprojekte gebunden. Den Förderbanken der Bundesländer ergeht es nicht anders. Das Fördervolumen der NRW-Bank brach im ersten Halbjahr aus ähnlichen Gründen um 31 Prozent auf rund drei Mrd. Euro ein. Im Existenzgründungs- und Mittelstandssegment sackte es um fast die Hälfte ab.

Für das zweite Halbjahr erwarten die Förderbanken aber mit einem Anziehen der Investitionsneigung der Unternehmen auch wieder eine steigende Nachfrage. Der Trend dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen. Dann könnten die Förderbanken erst so richtig gefordert sein.

Viele Politiker, Ökonomen und auch Banker befürchten, dass die Kluft zwischen Kreditvergabe und Kreditnachfrage tiefer wird. Die KfW prognostiziert für das vierte Quartal einen Rückgang des Kreditneugeschäfts mit Unternehmen von acht bis 13 Prozent - nach geschätzten minus fünf bis neun Prozent im dritten und minus fünf Prozent im zweiten Quartal. "Es bestehen erhebliche Risiken, dass sich die Lage am Kreditmarkt weiter zuspitzt", warnen die Volkswirte der KfW. Und auch Reinhard Kudiß, Experte für Unternehmensfinanzierung beim Industrieverband BDI, meint: "Es wird für die Unternehmen eindeutig schwieriger werden, sich zu finanzieren."

Die Renaissance der Förderbanken dürfte also noch eine Weile anhalten. Es wird auch darum gehen müssen zu definieren, wo die Grenzen für ihre Aktivitäten liegen. "Wir können und dürfen nur dort tätig sein, wo Marktversagen oder zumindest Marktschwäche herrscht", sagt KfW-Vorstands-Chef Ulrich Schröder. Doch die Abgrenzung ist nicht immer klar. Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Heinrich Haasis schlägt vor, dass die Förderbanken der Länder künftig verstärkt mit Eigenkapital bei Unternehmen einsteigen sollten. Auch die KfW denke über solche Finanzierungen nach, sagt Schröder. Doch sollten Förderbanken und damit Bund und Länder wirklich auf breiter Basis mit Eigenkapital - dem höchsten Risiko - in mittelständische Unternehmen einsteigen? Solche Diskussionen stehen nach der Bundestagswahl noch aus.

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